APA/APA/HERBERT NEUBAUER/HERBERT NEUBAUER

Gewerkschaft singt für mehr Mitbestimmung in Kindergärten

Am Donnerstag haben Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaft erneut auf mehr Mitsprache bei Reformen in der Elementarpädagogik gepocht. Nachdem sie zuletzt geknebelt und gefesselt versucht hatten, Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zur Aufnahme der Arbeitnehmervertreter in den Beirat für Elementarpädagogik zu bewegen, setzten sie diesmal auf ein Protestlied. "Wir wollen dabei sein, wir wollen mitgestalten", appellierte ÖGB-Vizepräsidentin Korinna Schumann.

Der Beirat für Elementarpädagogik hat im vergangenen Herbst seine Arbeit aufgenommen. In dem Gremium sollen sich Vertreter von Ländern, Gemeinden, Kindergartenträgern und Wissenschaft zu Fragen wie Personalbedarf oder Ausbildungen der rund 61.500 Beschäftigten austauschen. "In dem Beirat sitzen die unterschiedlichsten Organisationen, nur die Vertreter der Arbeitnehmer nicht", kritisiert Schumann im APA-Gespräch.

Die Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen hätten in der Krise das System am Laufen gehalten - und das immer mit der Angst, sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus anzustecken, hob Karin Bauer, Betriebsrätin bei den Wiener Kinderfreunden, die Belastungen der vergangenen Monate hervor. "Und jetzt ist die Politik nicht bereit, uns zuzuhören." Die Pädagogen in den elementarpädagogischen Einrichtungen seien dazu bereit, ihren Bildungsauftrag wahrzunehmen, und wollten das auch. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei das aber schlicht nicht möglich.

Konkret fordern die Gewerkschafter eine Ausbildungsoffensive, kleinere Gruppen, mehr Raum und Personal und bundesweit einheitliche Arbeitsbedingungen (für Kindergärten sind vor allem Länder bzw. Gemeinden zuständig, Anm.). "Ohne uns steht das Land still. Wie gesagt, wir verlangen nicht viel", betonten die Gewerkschafter in ihrem von Gitarrenakkorden begleiteten Lied.

Im Bildungsministerium begründet man die fehlende Einbindung der Gewerkschaft im Beirat damit, dass Fragen der Anstellung und der Bezahlung nicht Aufgabe dieses Gremiums seien. "Zum Beirat werden aber immer wieder externe Experten hinzugezogen, das können selbstverständlich auch Mitglieder der Gewerkschaften sein", so Ressortchef Faßmann in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

Ziel des Beirats sei es, dass die elementarpädagogischen Einrichtungen als erste Bildungseinrichtung für Kinder wahrgenommen werden und Harmonisierungen erreicht werden könnten. Er verwies dabei auf bereits gestartete Projekte, etwa den Einsatz von Videodolmetschern in elementarpädagogischen Einrichtungen oder die geplante neue Quereinsteiger-Ausbildung zur Verbesserung der Personalsituation.

Außerdem soll eine Studie zu Bildungs- und Berufsverläufen in der Elementarpädagogik klären, was es zur Weiterentwicklung des Berufsfeldes braucht. Dabei soll das ÖIBF (Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung) ab Juni Absolventinnen und Absolventen der Bundesbildungsanstalten für Elementarpädagogik befragen, wo die Ausbildung der Kindergartenpädagogen angesiedelt ist.

ribbon Zusammenfassung
  • Am Donnerstag haben Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaft erneut auf mehr Mitsprache bei Reformen in der Elementarpädagogik gepocht.
  • Nachdem sie zuletzt geknebelt und gefesselt versucht hatten, Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) zur Aufnahme der Arbeitnehmervertreter in den Beirat für Elementarpädagogik zu bewegen, setzten sie diesmal auf ein Protestlied.