Karner zu Kadyrow: "Nicht alle Vorhersagen sind eingetreten"

12. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Ramsan Kadyrow, Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, kündigte eine Kiew-Offensive an. Für Militärexperte Gerald Karner sei dies zwar nicht "völlig unrealistisch", doch wisse man bereits aus früheren Ankündigungen, dass nicht alle seine Vorhersagen auch wirklich eingetreten sind.

Ein Angriff auf Kiew, wie es Ramsan Kadyrow angekündigt hat, sei "nicht völlig unrealistisch", sagt Militärexperte Gerald Karner im Newsroom LIVE. Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien habe sich "früher schon zu Wort gemeldet. Nicht alle seine Vorhersagen sind wirklich dann eingetreten", meint Karner. So habe er beispielsweise vorgegeben, in Kiew persönlich anwesend zu sein. Später stellte sich diese Aussage als falsch heraus.

"Druck auf Kiew"

"Faktum ist sicherlich auch, dass weiter versucht wird, Druck auf Kiew auszuüben", erklärt der Militärexperte. Russland versuche dadurch zu verhindern, dass ukrainische Streitkräfte in Richtung Osten ziehen können. Daher sei hier die Bindung dieser Streitkräfte in und um Kiew sowie im Westen des Landes für Russland wichtig.

Mariupol kurz vor dem Fall

In Mariupol sei die Lage hingegen bereits "prekär", sagt Karner. "Der Fall von Mariupol steht kurz bevor", betont er im Interview. Es gäbe laut dem Offizier Berichte, die davon sprechen, dass den Ukrainern die Munition ausgehe" und alle Infanteristen gefallen sein sollen". Die Ukraine bräuchte daher "genau jene Waffen, die für Gegenangriffen geeignet sind", meint Karner.

Karner sieht nicht, dass es realistisch ist, dass die Ukraine kurzfristig Mariupol halten kann. Auch Präsident Selenskyj – der in einer Rede davon sprach, dass man die Stadt halten werde – muss sich auf den Fall von Mariupol einstellen.

Karner: Eroberung von Mariupol "großer Erfolg" für Russland

Für die pro-russischen Kräfte ist dies ein "großer Erfolg", da die Landbrücke zwischen der Krim und den Separatisten-Gebieten im Osten der Ukraine nun geschlossen sei, erklärt der Militärexperte. Mariupol ist der zweitwichtigste Hafen der Ukraine – nun kann hier keine Versorgung für die ukrainischen Truppen mehr erfolgen. Und die russischen Kriegsschiffe, welche sich dort aufhalten, könnten nun auch für einen Angriff auf Odessa eingesetzt werden, merkt Karner an.

"Es liegt auf der Hand, dass die Ukraine Mariupol zurückerobern möchte", aber für Karner sei dies ein langfristiger Plan, kurzfristig müsste man sich darauf einstellen, dass die Stadt in den Händen der russischen Armee bleibt.

Angela PerkonigQuelle: Redaktion / pea