Karner: Russische Angriffe bei Kiew "noch nicht vorbei"

05. Apr. 2022 · Lesedauer 2 min

Militärexperte Gerald Karner spricht im PULS 24 Interview über die aktuelle militärische Lage in der Ukraine und mögliche Ziele Russlands. Dolmetscher Juri Silvestrow berichtet über den Alltag im Krieg.

Die Bilder, die nach dem russische Rückzug aus den Vororten Kiews um die Welt gehen, sorgen für Entsetzten. Die russischen Truppen scheinen sich aus dem Raum nördlich von Kiew aber nun fast gänzlich zurückgezogen zu haben. Kaputte Panzer würden davon zeugen, dass dies "nicht ganz freiwillig" geschehen sei, sagt Militärexperte Gerald Karner. 

"Kiew ist weiterhin gefährdet"

Das habe zwei Gründe: Sie mussten aufgrund des ukrainischen Widerstands und der Gegenangriffe weichen und Russland wird seine Angriffe in den Osten der Ukraine verlagern, so Karner. Dort verfolge Russland zwei Ziele: Man wolle die selbsternannten Volkrepubliken Luhansk und Donezk ausweiten und die Landbrücke zwischen der Krim und diesen Volksrepubliken schließen. Dort liegt auch die Stadt Mariupol, die Russland "in Besitz nehmen" wolle. Für Odessa würden die russischen Kräfte derzeit nicht ausreichen, sagt der Militärexperte.

Dennoch seien Angriffe auf andere Teile der Ukraine noch nicht vorbei, wie Karner warnt. Mit weitreichenden "Präzisionswaffen" etwa könne es auch Angriffe auf Odessa geben. Russland werde außerdem den Druck auf Kiew aufrecht erhalten wollen. "Es ist dort noch nicht ganz vorbei [...] Kiew ist weiterhin gefährdet", sagt Karner. 

"Ganz schreckliche Geschichten" aus der Umgebung von Kiew

Dennoch schildert Dolmetscher Juri Silvestrow, der östlich von Kiew wohnt, dass derzeit mehr Menschen in ihre Häuser zurückkehren als fliehen würden. Derzeit würden keine Raketen mehr fliegen, sagt er. Luftalarm gebe es "nur noch" ein bis zwei mal am Tag. 

Seine Stadt sei nicht besetzt worden. Er höre aber "ganz schreckliche Geschichten" aus der Umgebung. So hätten russische Truppen Ukrainern mit dem Erschießen gedroht, eine Frau sei vergewaltigt worden. Russland hätte außerdem ein Lebensmittellager zerstört - vor allem Milchprodukte seien knapp. Auch Benzin würde es kaum geben, schildert Silvestrow. Schulen und Handel seien geschlossen, nur Supermärkte hätten geöffnet.

Quelle: Redaktion / koa