Fridays for Future: "Haben keine Zeit, unser Wirtschaftssystem jetzt noch zu ändern"

30. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

Beim 4GAMESCHANGERS Festival diskutiert unter anderem Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit Anika Dafert von Fridays for Future über die Frage, ob Klimaschutz alleine an die Konsumenten abgewälzt werden darf und wie viel die Politik tun könne.

"Wir sind gerne realistisch", sagt Anika Dafert, Umweltaktivistin bei Fridays for Future. Die Aktivisten würden sich anschauen, was die Wissenschaft sage und schauen dann, was realistisch gemacht werden könne. Deshalb sei es eine "schöne philosophische Frage", ob der Kapitalismus abgeschafft werden müsse, um die Welt zu retten. "Wir haben keine Zeit, unser Wirtschaftssystem zu machen". Man müsse im Rahmen des Kapitalismus so viel wie möglich umsetzen. 

Genau da liege aber das Problem: Die Politik müsse Rahmenbedingungen für das Leben, für die Wirtschaft schaffen. Es müsse verfassungsrechtlich festgeschrieben werden, dass man klimaneutral werden wolle, es brauche klare Reduktionsziele für einzelne Sektoren und jedes Gesetz müsse auf Klimafreundlichkeit geprüft werden.

Unternehmen haben Angst

Das brauche es auch, damit Unternehmen planen können und sich trauen, in Umweltschutz zu investieren. Viele würden das machen wollen, doch haben Angst davor, weil es nicht gewinnmaximierend sei, sondern sie dadurch "nur die Welt retten", so Dafert. 

Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) pflichtet der Aktivistin bei: "Wir haben keine Zeit mehr". Sie sagt auch: Die Politik müsse regulierend eingreifen, das sei "nichts Böses". Denn über den Preis könne man "einiges regeln", so die Ministerin. 

Zuvor kritisierte der Macher des Films "The Green Lie", Werner Boote, dass zu viele Nachhaltigkeitskennzeichnungen "Lügen" seien. Die Industrie zerstöre die Natur "systematisch". Gewessler stimmt dem insofern zu, als dass auch laut der Ministerin mit Kennzeichnungen nicht viel gewonnen sei, weil die schlechten Produkte dann immer noch am Markt seien. 

Gewessler optimistisch

Als ORF-Wissenschaftsredakteur Günther Mayr ausführt, dass etwa auch der EU-Green Deal auf "Wachstum, Wachstum, Wachstum" setze und Energiekonzerne immer noch hohe Gewinne machen würden, gibt sich Gewessler aber optimistischer: Man habe zuletzt das Aus für Verbrennungsmotoren festgeschrieben und es gebe eine hohe Nachfrage nach erneuerbaren Energien. 

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Quelle: Redaktion / koa