APA - Austria Presse Agentur

Flüchtlinge verlassen in Sizilien die "Ocean Viking"

07. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

Nach mehr als einer Woche des Wartens haben die Flüchtlinge und Migranten an Bord der "Ocean Viking" damit begonnen, in Italien an Land zu gehen. Die ersten Flüchtlinge verließen am Montagabend im sizilianischen Hafen Porto Empedocle das Schiff. Sie wurden von der Polizei direkt zu dem in der Nähe ankernden Quarantäne-Schiff "Moby Zaza" gebracht.

Dort sollten sie als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus mindestens zwei Wochen lang in Isolation bleiben. Die rund 180 Flüchtlinge, die mit der "Ocean Viking" in Porto Empedocle eingetroffen waren, waren bereits zuvor an Bord des Schiffes von einem medizinischen Team der Behörden auf ihren Allgemeinzustand sowie eine Corona-Infektion untersucht worden.

Das Schiff der Hilfsorganisation SOS Mediterranee hatte neun Tage lang auf die Erlaubnis der italienischen Behörden gewartet, in einen Hafen des Landes einlaufen zu dürfen. Diese Erlaubnis war dann am Sonntag erteilt worden. Danach wartete die Besatzung der "Ocean Viking" noch einen weiteren Tag, bis schließlich die Anweisungen für den Landgang der Flüchtlinge eingingen.

Die Crew hatte am Freitag den Notstand ausgerufen, da sich die Lage an Bord zugespitzt hatte. SOS Mediterranee berichtete von mehreren Suizidversuchen und Auseinandersetzungen zwischen den Migranten.

Die Flüchtlingshelfer hatten die Flüchtlinge nach eigenen Angaben zwischen dem 25. und 30. Juni aus dem Mittelmeer gerettet. Zu ihnen zählen demnach 25 Minderjährige und eine Schwangere. "Die unnötige Verzögerung dieser Anlandung hat Leben in Gefahr gebracht", erklärte SOS Mediterranee und beklagte vor allem einen Mangel an europäischer "Solidarität".

Unterdessen griffen türkische Einsatzkräfte mehrere hundert Migranten auf Booten in der Ägäis auf. Bei der Kontrolle eines Handelsschiffes seien 276 Migranten ohne die erforderlichen Papiere entdeckt worden, teilte die türkische Küstenwache am Dienstag mit. Acht Menschen seien festgenommen worden.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu waren die Menschen in einem luftdichten, tankähnlichen Raum untergebracht. Einige hätten über Atembeschwerden geklagt. Unter ihnen seien Menschen aus Afghanistan, Bangladesch, Syrien, Zentralafrika, Somalia und dem Iran gewesen, davon 59 Kinder.

Anadolu berichtete außerdem von drei weiteren Booten mit 65 Menschen, die aufgegriffen und zurück in die Türkei gebracht worden seien. Unter Berufung auf Sicherheitskreise schrieb Anadolu, die griechische Küstenwache habe die Boote zuvor zurück in Richtung der Türkei gedrängt. Menschenrechtler kritisieren Aktionen dieser Art als "Pushback" (Zurückweisung), die gegen internationales Recht und die EU-Grundrechtecharta verstießen.

Quelle: Agenturen