APA - Austria Presse Agentur

Ex-Wienwert-Chef weist Vorwürfe zu Grundstücksdeal zurück

09. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Der frühere Wienwert-Chef Stefan Gruze hat am Dienstag via Aussendung seine Anwalts versichert, dass die Vorwürfe, die gegen ihn im Zusammenhang mit einem Grundstücksgeschäft in der Donaustadt erhoben werden, unzutreffend sind. Von Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) seien ihm keine Amtsgeheimnisse weitergegeben worden. Das geplante Immo-Projekt der Wiener Linien sei damals nämlich schon längst bekannt gewesen. Auch habe Nevrivy kein Sponsoring von ihm verlangt.

Gruze hob zudem hervor, dass es sich ausschließlich um ein privates Investment gehandelt habe und die Wienwert-Gruppe mit diesem nicht in Verbindung stehe. Er sei gemäß seinem vom Aufsichtsrat genehmigten Vorstandsanstellungsvertrag zu solchen privaten Investments berechtigt, betonte er.

Dass das gegenständliche Grundstück in der Attemsgasse um 1,3 Mio. Euro angekauft und in weiterer Folge rund ein Jahr später um 2,15 Mio. Euro netto wieder verkauft wurde, sei richtig. "Es handelt sich hierbei um ein völlig marktübliches Geschäft, das in keiner Weise mit Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy in Verbindung steht."

Gegen Gruze und Nevrivy - der die Vorwürfe ebenfalls bestreitet - wird aktuell ermittelt. Demnach besteht der Verdacht, dass der Bezirkschef an Gruze ein internes Protokoll über ein Bauprojekt der Wiener Linien weitergegeben hat. Gruze kaufte die Flächen über eine Projektgesellschaft und veräußerte sie später an die Verkehrsbetriebe. Diese wollen dort die Remise erweitern und auf einer Überplattung Wohnungen errichten.

Nach Ansicht der Wiener FPÖ, der zuletzt wiederholt entsprechende Dokumente zugespielt wurden, wurde der Deal möglich, weil streng vertrauliche Unterlagen aus einer Sitzung verschickt wurden. Die FPÖ verfügt laut eigenen Angaben nun auch über ein Mail, in dem Gruze - dem Vernehmen nach im Schriftverkehr mit einer Bank - erklärt haben soll, den entsprechenden Aktenvermerk vom Bezirksvorsteher erhalten zu haben. Diese Information sei "streng vertraulich" zu behandeln, heißt es in der Nachricht.

Für den Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp ist nun klar: "Wir haben es schwarz auf weiß, dass Nevrivy als SPÖ-Bezirksvorsteher ein streng vertrauliches Dokument an den damaligen Wienwert-Geschäftsführer weitergegeben hat und dieser aufgrund der Nevrivy-Insiderinfos einen Megadeal landen konnte. Damit hat Bürgermeister und SPÖ-Vorsitzender Michael Ludwig Handlungsbedarf und muss Nevrivy zum sofortigen Rücktritt bewegen. Wie lange will Ludwig da noch zuschauen?"

Ernst Nevrivy, gegen den unter anderem wegen des Verdachts der Verletzung des Amtsgeheimnisses, der Bestechlichkeit und des Beitrags zur Untreue ermittelt wird, hat die Vorwürfe ebenfalls bereits zurückgewiesen. Das geplante Projekt der Wiener Linien sei schon in den Jahren davor ein offenes Geheimnis gewesen, hat sein Anwalt zuletzt betont.

Auch eine Zuwendung des Immo-Entwicklers an die Band Wiener Wahnsinn wurde zuletzt näher erörtert. Nevrivy habe den späteren Sponsor nur mit den Mitgliedern von Wiener Wahnsinn bekannt gemacht. Welche Vereinbarung diese getroffen hätten, sei dem Politiker nicht bekannt gewesen, versichert der Anwalt. Auch Fußballmatch-Einladungen seien nicht als Vorteilsannahme zu sehen, wurde beteuert.

Nevrivy ist seit 2014 Vorsteher des 22. Bezirks. Der damalige Gemeinderatsabgeordnete übernahm das Amt vom überraschend verstorbenen Bezirkschef Norbert Scheed. Nevrivy gibt sich gern bürgernah und sorgt mitunter auch mit seinen Inszenierungen für öffentliches Aufsehen. So ließ er sich filmen, wie er den von ihm propagierte Lobautunnel mittels Schaufel eigenhändig zu graben begann. Auch ein Sprung in die Alte Donau blieb 2018 nicht ohne Resonanz in den sozialen Medien - da der Politiker voll adjustiert mit Anzug und Krawatte baden ging.

Quelle: Agenturen