Glawischnig: Teichtmeister "durchs Dorf zu treiben", hilft nicht

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In Bezug auf das Urteil gegen den ehemaligen Burgtheater-Schauspieler Florian Teichtmeister sind sich die "WildUmstritten"-Gäste einig. Das Urteil des Rechtsstaats sei zu akzeptieren, es bleibe jedoch ein "schaler Nachgeschmack". Trotzdem sind die Gäste gegen eine "Lynchjustiz" - die Demonstrationen vor dem Elternhaus des Schauspielers seien "widerlich".

Der ehemalige Burgschauspieler Florian Teichtmeister ist Dienstagmittag am Wiener Straflandesgericht wegen Besitzes und Herstellung von zehntausenden Dateien mit Missbrauchsdarstellungen von Kindern und Jugendlichen zu zwei Jahren Haft verurteilt und in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen worden. Gegen strenge Auflagen wurde ihm die Strafe bedingt erlassen.

Sowohl viele Demonstrant:innen vor dem Gerichtsgebäude als auch einige Politiker:innen sahen das Urteil als zu milde an.

Urteil "im Rahmen des Erwartbaren"

Das Urteil scheine im "Rahmen des Erwartbaren zu sein", meint Kabarettist Thomas Maurer. Komme einem das Urteil zu milde vor, dann müsse man über den Strafrahmen sprechen.

In den letzten Jahren sei es bei dem Delikt meistens zu bedingten Strafen mit Therapieauflage gekommen, so Maurer. Die Rückfallquote sei "ein bisschen entmutigend" - "lebenslang wegsperren" sei aus seiner Sicht jedoch auch keine Option, außer bei besonders rückfälligen Täter:innen.

"Nachdem wir uns vernünftigerweise geeinigt haben, einen Rechtsstaat zu haben und solche Fragen dann forensischen Psychiatern zu überlassen, sehe ich nicht viel anderes", meint Maurer. Bezüglich seines "persönlichen Gerechtigkeitsempfinden" sei das Urteil enttäuschend, dies sei jedoch oft so. Dafür gebe es den Rechtsstaat.

"Dieser Mensch ist beruflich kaputt"

Die ehemalige Bundessprecherin der Grünen und promovierte Juristin Eva Glawischnig ist in dem Fall "hin und hergerissen". Dass der Strafrahmen erhöht wird, unterstützt sie ausdrücklich.

Dass der Richter gewisse mildernde Umstände miteingebracht hat, vor allem den der sozialen Ächtung, fand Glawischnig interessant. "Dieser Mensch ist beruflich mit Sicherheit kaputt", betont die ehemalige Nationalratsabgeordnete der Grünen. Teichtmeister könne weder in Österreich noch irgendwo anders jemals wieder arbeiten. Der ehemalige Burgtheater-Schauspieler sei ohnehin auch "sozial gestraft".

Es bleibe ein "schaler Beigeschmack"

Das Urteil des Rechtsstaats sei nicht zu diskutieren, sonders zu akzeptieren, meint Sacher-Geschäftsführer Matthias Winkler. So einfach sei es jedoch nicht - daneben gebe es die emotionale Seite der Angelegenheit. Egal ob man Kinder habe oder nicht, die Vorstellung, dass "70.000 Dateien mit Darstellungen von den schwächsten in unserer Gesellschaft so abgeurteilt werden", da bleibe ein "mindestens schaler Beigeschmack".

In Bezug auf die soziale Ächtung geht Winkler noch weiter. Nicht nur, dass Teichtmeister nie wieder in seinem Beruf wird arbeiten können, "der wird nie wieder ganz entspannt in einen Supermarkt gehen können". "Nicht mal den Waldweg wird er ganz entspannt machen können", meint der Sacher-Geschäftsführer.

Demonstrationen seien "ganz, ganz grauslig"

Sowohl Glawischnig als auch Maurer und Winkler sind klar gegen eine sogenannte "Lynchjustiz". Auch die Demonstranten, die unter anderem vor dem Elternhaus von Florian Teichtmeister mit einem Galgen protestierten, nehmen die "WildUmstritten"-Gäste nicht in Schutz. "Dieser Galgen ist genauso furchtbar, wie die Demonstrationen vor dem Haus seiner kranken Mutter", so Sacher-Chef Winkler. "Das ist alles ganz, ganz grauslig", betont er.

Die Therapie als solche empfinden die Gäste insgesamt als eine gute Maßnahme. Teichtmeister "durchs Dorf zu treiben" sei nicht hilfreich, meint Glawischnig – Prävention sei das wichtigste.

ribbon Zusammenfassung
  • In Bezug auf das Urteil gegen den ehemaligen Burgtheater-Schauspieler Florian Teichtmeister sind sich die "WildUmstritten"-Gäste einig.
  • Das Urteil des Rechtsstaats sei zu akzeptieren, es bleibe jedoch ein "schaler Nachgeschmack".
  • Trotzdem sind die Gäste gegen eine "Lynchjustiz" - die Demonstrationen vor dem Elternhaus des Schauspielers seien "widerlich".