Geschäftsmann im Eurofighter-Untreue-Prozess befragt
Der Zeuge war per Video aus Italien zugeschaltet, die Befragung wurde gedolmetscht. L. wurde in Italien in einer anderen Causa verurteilt, ein Verfahren in Österreich gegen ihn eingestellt. Der Vertrag zwischen EADS und Vector hatte aus Sicht des Befragten den Sinn, alle Vorgänge zu Gegengeschäften in einer Gesellschaft zu bündeln.
Angeklagt sind im aktuellen Prozess drei Personen - der frühere Luftfahrtmanager B. sowie die mutmaßlichen Lobbyisten S. und P. Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sollen die drei dem ehemaligen EADS-Manager H. geholfen haben, eine Schwarzgeld-Kassa zulasten des Konzerns einzurichten. EADS (heute Airbus) war Teil des Eurofighter-Konsortiums und hat später innerhalb dieses Zusammenschlusses die Verantwortung für die mit der Republik Österreich vereinbarten Gegengeschäfte übernommen. Für die drei Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Sie haben die Vorwürfe am ersten Prozesstag vor gut zwei Wochen zurückgewiesen.
Der von der Anklage inkriminierte Schaden für EADS beträgt 65 Mio. Euro. Das Geld sollen die Beschuldigten mittels Scheinrechnungen von EADS an Vector - laut WKStA ein Scheinunternehmen - geschickt haben.
Verbindungen zwischen Unternehmen benötigt
L. gab am Donnerstag an, Gegengeschäfte abzuschließen sei das übergeordnete Ziel gewesen. Es sei notwendig gewesen, Verbindungen zwischen den beteiligten Unternehmen zu schaffen. Warum es dazu mit Vector eine externe Firma gebraucht hat, konnte der Zeuge nicht sagen. Er selbst sei auch Eigentümer des Unternehmens gewesen, möglicherweise mit den Angeklagten S. und P. gemeinsam. Diese seien es auch gewesen, die als Experten aktiv Gegengeschäfte vermittelt haben.
Ausschüttungen von Vector an Eigentümer und Vermittler habe es wohl gegeben, genau konnte L. das aber nicht mehr sagen. Dass das Unternehmen als Ausgleich im Eurofighter-Konsortium wirken sollte, habe er nicht so wahrgenommen. Vorerst ist mit Freitag ein weiterer Verhandlungstag angesetzt, Zeugen sind keine mehr geladen.
Zusammenfassung
- Im Eurofighter-Untreue-Prozess wurde am Donnerstag der ehemalige Geschäftsführer der mutmaßlichen Scheinfirma Vector Aerospace LLP befragt, der die Firma von 2003 bis 2006 leitete und mit den drei Angeklagten zusammenarbeitete.
- Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, EADS (heute Airbus) mittels Scheinrechnungen an Vector um 65 Mio. Euro geschädigt zu haben; es gilt die Unschuldsvermutung.
- Der Zeuge L. konnte nicht erklären, warum eine externe Firma wie Vector notwendig war, gab aber an, möglicherweise gemeinsam mit Angeklagten Eigentümer gewesen zu sein; der nächste Verhandlungstag ist für Freitag angesetzt.
