APA - Austria Presse Agentur

Entwicklung der Schüler für Lehrer wichtiger als Ferien

10. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Anders als im landläufigen Witz sind in Österreich Juli und August bei Weitem nicht die wichtigsten Gründe um Lehrer zu werden. Nur für 18 Prozent der Pädagogen war laut der OECD-Lehrerstudie TALIS das "Zusammenpassen von schulischem Zeitplan und persönlichen Verpflichtungen" bei der Berufswahl von hoher Bedeutung. Das am häufigsten genannte Motiv: die Entwicklung junger Menschen zu beeinflussen.

Für 75 Prozent der Lehrer (Neue Mittelschule, AHS-Unterstufe) war es bei der Entscheidung für ihren Berufsweg "von hoher Bedeutung", dass sie durch das Unterrichten die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Damit wird dieses Motiv deutlich öfter genannt als im Schnitt der 23 EU-Staaten (58 Prozent), in denen Lehrer für den Teaching and Learning International Survey im Frühjahr 2018 befragt wurden.

Unter den häufigsten Motiven sind in Österreich außerdem, "einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten" (56 Prozent gegenüber 51 im EU-Schnitt) und "sozial Benachteiligte zu fördern" (37 Prozent gegenüber 32 im EU-Schnitt). Ein sicherer Arbeitsplatz, sicheres Einkommen und der schulische Zeitplan (z.B. Unterrichtsstunden, Ferien, Teilzeit-Positionen) waren laut Angaben der Lehrer in Österreich nur für jeden Fünften von hoher Bedeutung, im EU-Schnitt waren es mit rund jedem Vierten signifikant mehr. Zwei Drittel der heimischen Lehrer haben außerdem angegeben, dass für sie der Lehrberuf die erste Wahl bei ihrer beruflichen Karriere war. Im EU-Schnitt sind es mit 68 Prozent geringfügig mehr.

Im Job selbst sind die Lehrer im Vergleich mit dem EU-Schnitt recht zufrieden. 58 Prozent geben an, dass ihre Arbeit ihnen "sehr" oder "ziemlich" Zeit für ihr Privatleben lässt (EU-Schnitt: 54). Stress in der Arbeit haben laut Eigenangaben 42 Prozent (EU-Schnitt: 49). Deutlich seltener als im EU-Schnitt hat der Job negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit (14 gegenüber 25 Prozent im EU-Schnitt) sowie die körperliche Gesundheit (13 gegenüber 21 Prozent). Allerdings hat die Arbeit an österreichischen Brennpunktschulen nach Eigenangaben bei jedem Fünften negative Auswirkungen auf Körper und Psyche.

Besondere Stressauslöser sind für Österreichs Lehrer überbordende Administration (Formulare etc.), 48 Prozent fühlen sich davon "sehr" oder "ziemlich" gestresst (EU-Schnitt: 52 Prozent). Unter den Spitzenreitern sind außerdem, zu viel korrigieren zu müssen (37 Prozent, EU-Schnitt: 42) bzw. zusätzliche Aufgaben aufgrund von Abwesenheiten anderer Lehrer (33 Prozent; EU-Schnitt: 26). 34 Prozent stresst es außerdem, sich über die sich ändernden Anforderungen der Behörden auf dem Laufenden zu halten (EU-Schnitt: 43).

Deutlich seltener als im EU-Schnitt gestresst fühlen sich Lehrer in Österreich hingegen durch zu viel Vorbereitungsarbeit für Stunden (25 Prozent; EU-Schnitt: 37) oder durch "zu viele Unterrichtsstunden halten" (15 Prozent in Österreich, 30 im EU-Schnitt).

Auch das Verhalten von Schülern ist im Vergleich zum EU-Schnitt seltener ein Problem: 36 Prozent der heimischen Lehrer strengt es an, die Klassendisziplin aufrecht zu erhalten (EU-Schnitt: 41), für die Leistungen der Schüler zur Verantwortung gezogen zu werden ist für 30 Prozent ein Stressfaktor (EU-Schnitt: 48). Von Schülern eingeschüchtert oder beleidigt zu werden ist für sieben Prozent der Lehrer eine Quelle von Stress (EU-Schnitt: 15 Prozent), an heimischen Brennpunktschulen sind es allerdings doppelt so viele.

(S E R V I C E - http://go.apa.at/uiYyuo3Z)

Quelle: Agenturen