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Einmarsch am Mittwoch? Ukraines Präsident ruft "Tag der nationalen Einheit" aus

14. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Die US-Regierung warnt, dass Russland noch in den kommenden Tagen in der Ukraine einmarschieren könnte, der ukrainische Präsident spricht sogar schon von Mittwoch: Wolodymyr Selenskyj rief einen Tag der nationalen Einheit aus, die Ukrainer sollen das Land "am Tag des Angriffs" beflaggen.

Selenskyj warnte am Montagabend im TV, dass Russland schon am Mittwoch einmarschieren könnte. Seine Landsleute sollen mit Landesfahnen und blau-gelben Bändern Einheit zeigen. Der 16. könnte der "Tag des Angriffs sein", hätte er von Verbündeten erfahren. Russland, so zitiert "Ö1" den Präsidenten, führe schon jetzt einen Kampf an allen Fronten, kürze Energielieferungen und verbreite Panik. 

Auch die USA bekräftigen Warnungen vor einem Angriff.  "Wir sind zutiefst besorgt, dass Russland bereits in dieser Woche Maßnahmen gegen die Ukraine ergreifen könnte", sagte US-Außenminister Antony Blinken dem Sender France24. "Alles, was wir in Bezug auf die Stationierung russischer Streitkräfte um die Ukraine, an allen Seiten der Ukraine, sehen, lässt uns zu diesem Schluss kommen."

Immer mehr Truppen an Grenze

Anstatt zu deeskalieren, eskaliere Russland und verlege immer mehr Truppen an die ukrainische Grenze. Der Weg der Diplomatie sei aber nicht versperrt. Man tue alles, um Russland davon zu überzeugen, den Weg des Dialogs einzuschlagen, so Blinken.

US-Botschaft nach Lwiw verlegt

Die US-Regierung hatte zuletzt gewarnt, dass die USA einen russischen Einmarsch noch vor dem Ende der Olympischen Winterspiele in China am 20. Februar für möglich hielten. Washington verlegt daher als "Vorsichtsmaßnahme" vorübergehend ihre Botschaftsgeschäfte von der ukrainischen Hauptstadt Kiew an die Grenze zu Polen in die ukrainische Stadt Lwiw (Lemberg).

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte am Montag ebenfalls gesagt, dass ein russischer Angriff jederzeit möglich sei. Auch über das vergangene Wochenende habe Russland seine militärischen Kapazitäten entlang der ukrainischen Grenze ausgebaut, betonte Kirby. Dort gebe es Infanterie, schweres Geschütz oder Raketenabwehr. Außerdem sprach Kirby von Kampfflugzeugen und einer "beträchtlichen Seemacht im Schwarzen Meer".

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Eine Milliarde Kredit 

In der Ukraine ist der Wert der Währung Hrywnja gefallen. Washington gab Kiew eine Garantie für Kredite in Milliardenhöhe, aus Deutschland und Kanada kamen ebenfalls Kredit-Zusagen. Man habe der Ukraine eine staatliche Kreditgarantie von bis zu einer Milliarde US-Dollar (rund 884 Millionen Euro) angeboten, erklärte Blinken. Damit solle das Land unter anderem seine wirtschaftliche Reformagenda umsetzen. Das Angebot werde die Fähigkeit der Ukraine stärken, angesichts des "destabilisierenden Verhaltens Russlands" wirtschaftliche Stabilität, Wachstum und Wohlstand für die Bevölkerung zu gewährleisten, hieß es.

Seit Wochen warnen vor allem die USA vor einer russischen Invasion in die Ukraine. Dazu seien Zehntausende russische Soldaten unweit der ukrainischen Grenze zusammengezogen worden. Der Kreml weist die Vorwürfe regelmäßig zurück. Auch Kiew hat nach eigenen Angaben keine derartigen Informationen von einem nahenden Überfall.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam