DW-Journalist in Ankara festgenommen
Wie die Deutsche Welle erklärte, beziehen sich die Vorwürfe auf einen X-Beitrag, den Uludag vor etwa eineinhalb Jahren abgesetzt hatte. Darin habe er sich kritisch über Maßnahmen der türkischen Regierung geäußert, die mögliche Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) freigelassen habe. Der Regierung habe er Korruption vorgeworfen.
Laut DW wurde Uludag am Donnerstag vor den Augen seiner Familie von etwa 30 Polizisten in Ankara festgenommen und abgeführt. Auch seine Wohnung sei durchsucht worden und es seien IT-Geräte mitgenommen worden. Die größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten und die deutsche Bundesregierung forderten die sofortige Freilassung von Uludag. Man sei "zutiefst besorgt" über den Vorgang, hieß es von der Regierung in Berlin.
Nach Angaben des Senders ist Uludag seit mehreren Jahren in der Türkei für die Deutsche Welle tätig. Als Gerichtsreporter berichtet er demnach über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse und erreicht mit seinen Berichten eine breite Öffentlichkeit. Im Jahr 2021 war Uludag in Deutschland mit dem Raif Badawi Preis für mutigen Journalismus ausgezeichnet worden.
DW-Intendantin spricht von Einschüchterung
Die Intendantin der Deutschen Welle, Barbara Massing, erklärte: "Der Vorwurf gegen unseren Kollegen ist haltlos." Uludag sei "ein bekannter Investigativjournalist, der unter anderem zu Korruption recherchiert, sehr gut vernetzt ist und Zugang zu wichtigen Quellen hat". Damit könne er "der Regierung - in ihren Augen - gefährlich werden".
"Dass ein Journalist wie ein Schwerverbrecher von 30 Polizisten abgeführt und direkt nach Istanbul gebracht wird, dient der gezielten Einschüchterung und zeigt, wie massiv die Regierung Pressefreiheit unterdrückt", erklärte die Intendantin. "Unser Kollege muss umgehend freigelassen werden."
Der Vorsitzende der oppositionellen CHP-Partei, Özgür Özel, bezeichnete die Festnahme als "Schikane". Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) bezeichnete die Festnahme Uludags als "Teil der gerichtlichen Schikanen gegen seriöse Journalisten" in der Türkei. Uludag könnte "mit seinen Recherchen die Regierenden verärgert haben", erklärte RSF-Vertreter Erol Önderoglu.
Türkei bei Pressefreiheit auf Platz 159 von 180
Unzählige Journalisten sitzen laut Deutschem Journalisten-Verband (DJV) in der Türkei in Haft. Das Land belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen Platz 159 von 180 Staaten. Ein Großteil der Medien in der Türkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung.
Die Deutsche Welle ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bonn und Berlin. Ihr Auftrag ist es, ein realistisches Bild Deutschlands zu vermitteln, den internationalen Dialog zu fördern und demokratische Werte zu stärken. Das Programm richtet sich an ein weltweites Publikum in mehr als 30 Sprachen - von Arabisch über Hindi bis Ukrainisch.
Zusammenfassung
- In Ankara wurde der DW-Journalist Alican Uludag von rund 30 Polizisten wegen 'Präsidentenbeleidigung' und 'Verbreitung irreführender Informationen' festgenommen, nachdem er vor eineinhalb Jahren auf X die türkische Regierung kritisiert hatte.
- Die Deutsche Welle, die größte türkische Journalistenvereinigung, Menschenrechtsaktivisten und die deutsche Bundesregierung fordern seine sofortige Freilassung und zeigen sich 'zutiefst besorgt' über den Vorfall.
- Die Türkei belegt Platz 159 von 180 Staaten in der Rangliste der Pressefreiheit, zahlreiche Journalisten sitzen dort in Haft und viele Medien stehen unter direkter Kontrolle der Regierung.
