Doppel-Rücktritt in Tirol: Platter besetzt Tilg und Zoller-Frischauf nach

04. Mai 2021 · Lesedauer 4 min

Der Tiroler ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf gaben am Dienstag ihren Rückzug bekannt. Neue Landesräte stehen bereits fest. Anton Mattles soll als Wirtschaftslandesrat und Annette Leja als Gesundheitslandesrätin folgen.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Tirols Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) Dienstagabend hat kurz darauf auch Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) seinen Rückzug bekanntgegeben. Tilg war im vergangenen Jahr im Zuge des Corona-Krisenmanagements stark unter Beschuss geraten. Bekannt wurde er durch einem Auftritt in der "ZiB2", in dem er mehrmals wiederholte, dass die Behörden in Sachen Ischgl "alles richtig gemacht" hätten.

Tilg kündigte in einer Aussendung an, nicht weiter in der Politik bleiben zu wollen. Stattdessen kehrt er als Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an die Privatuniversität UMIT zurück. Der 53-Jährige war - wie Zoller-Frischauf - bereits seit Beginn der Landeshauptmann-Ära Platters im Jahr 2008 in dessen Team.

Mattle und Leja treten Nachfolge an

Nur kurze Zeit nach den Rücktritten von Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) und Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf hat Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Dienstagabend bereits die beiden Nachfolger präsentiert. Landtagsvizepräsident und Bürgermeister von Galtür, Anton Mattle, soll als Wirtschaftslandesrat folgen. Die Geschäftsführerin des Sanatorium Kettenbrücke, Annette Leja, soll Gesundheitslandesrätin werden, teilte die ÖVP mit.

Platter wolle die beiden am Mittwoch dem Parteivorstand vorschlagen. Mattle habe "hohe Kompetenz in wirtschaftlichen Fragen", mit Leja würde man eine "angesehene Expertin und Managerin aus dem Gesundheitssektor" gewinnen, meinte der Landeshauptmann und ÖVP-Parteiobmann.

Tilg war "mit Leib und Seele" Mitglied Landesregierung

In einer Aussendung meinte Tilg, dass die Bewältigung der Corona-Krise eine "besondere Herausforderung" gewesen sei. "Eine Zeit, die uns alles abverlangt hat – auch mir selbst", sagte er. Der Schutz der Bevölkerung sei "zu jedem Zeitpunkt an erster Stelle" gestanden und er sei froh, dass die Tiroler Spitäler "vor einer Überlastung" geschützt werden konnten.

Er sei jedenfalls "mit Leib und Seele Mitglied der Tiroler Landesregierung" gewesen, teilte Tilg mit und bedankte sich insbesondere bei Landeshauptmann Platter sowie unter anderem bei seinen RegierungskollegInnen. Er wolle in den "13 Jahren in der Spitzenpolitik, die intensiv und fordernd waren" aber keines "missen", sagte Tilg.

Tilg - ehemaliger UMIT-Rektor - war neben den Gesundheitsagenden auch für die Bereiche Pflege, Universitäten und Hochschulen zuständig. Vieles sei "gelungen", er blicke dabei auf "die Reform des Rettungs- und Notarztwesens, die Palliativ- und Hospizversorgung, die Pflegeausbildung Neu, die Implementierung von Reha-Einrichtungen, die Spitalsreformen, den Strukturplan Pflege, die Technologieoffensive Tirol oder an die eingerichtete Tiroler Forschungs- und Wissenschaftsförderung" zurück.

Auch Zoller-Frischauf tritt zurück

Nur zwei Stunden vor dem Rücktritt Tilgs hatte Zoller-Frischauf ihren Rückzug verkündet. Sie habe nach der Landtagswahl 2018 für sich beschlossen, dass sie "zur Halbzeit der Legislaturperiode in den Landtag wechseln" werde, sagte sie. Dies sei bereits mit Platter seit Beginn der Periode so besprochen gewesen. Die Corona-Krise habe dies allerdings ein wenig verzögert. Nachdem die Impfungen nun aber voranschreiten würden, sei der richtige Zeitpunkt für eine Übergabe gekommen, teilte die 62-jährige Obfrau des Tiroler Seniorenbundes mit.

Ihren nunmehrigen Rückzug kommunizierte Zoller-Frischauf über eine private E-Mail-Adresse. Im Landhaus sowie in ÖVP-Kreisen war man APA-Informationen zufolge offensichtlich überrascht über diesen Schritt. Die Innsbruckerin erzielte in der medialen Öffentlichkeit keine größere Breitenwirkung und blieb über die Jahre eher unauffällig. Auch der machtpolitische Faktor Zoller-Frischaufs hielt sich eher in Grenzen. Jedoch galt die 62-Jährige als überaus engagiert und sachorientiert. Zudem zählte sie zu den engen Vertrauten von Landeshauptmann Platter, der entgegen manchen Rumorens - auch im Wirtschaftsflügel der Partei - stets an ihr festhielt.

Quelle: Agenturen / red