APA - Austria Presse Agentur

Die ewige Erste: Wer ist Kamala Harris?

28. Okt 2020 · Lesedauer 4 min

Kamala Harris ist die erste schwarze Frau, die, an der Seite von Joe Biden, für das Amt der US-Vizepräsidentin kandidiert. Und das ist nicht das erste Mal, dass die Demokratin eine Vorreiterrolle einnimmt.

Vor eineinhalb Jahren wäre das noch ein undenkbares Bild gewesen. Senatorin Kamala Harris und Ex-Vizepräsident Joe Biden kämpfen Seite an Seite für eine gemeinsame Sache: Die US-Wahl für die Demokraten zu gewinnen.

Noch im Juni 2019 hatte Harris Biden scharf angegriffen. Er habe in den 70ern eine Politik unterstützt, die Rassentrennung gefördert hätte, sagte Harris in einer emotionalen Debatte zu den US-Vorwahlen. "Ein Schlag in die Magengrube", nannte es Bidens Frau.

Knapp 15 Monate später steht Biden als demokratischer Präsidentschaftskandidat fest, sein "Running Mate" (Vizepräsidentschafts-Kandidat) ist Kamala Harris. Die Wogen scheinen geglättet und Harris ist die erste schwarze Frau, die in den USA für dieses Amt kandidiert. Die Rolle als Vorreiterin zieht sich durch Harris Leben.

Erste schwarze Generalstaatsanwältin in Kalifornien

Kamala wächst als Kind von indischen und jamaikanischen Einwanderern im US-Bundesstaat Kalifornien auf. Sie studiert Politik- und Rechtswissenschaften und wird 2003 erste schwarze Bezirksstaatsanwältin in San Francisco. Dort engagiert sie sich für die Rechte von Arbeiterfamilien und entwickelt ein Programm, das Drogenabhängigen ermöglicht ihren High-School-Abschluss nachzuholen und einen Job zu finden.

Die Rolle als ewige Erste behält sie bei. 2010 wird sie als erste schwarze Frau zur Attorney General in Kalifornien gewählt. Das Amt entspricht dem einer Generalstaatsanwältin, die auch Aufgaben einer Justizministerin übernimmt. Harris gilt damals als hart und wenig reformorientiert.

"Sie wird von einigen Leuten dieser Gemeinschaft, vor allem jungen Schwarzen, als Teil des Problems angesehen, nicht als Teil der Lösung", sagt der Politikprofessor David Barker.

Bürgerrechtsaktivisten halten ihre zugute, mit der Veröffentlichung von Daten zu Polizeigewalt für Transparenz gesorgt zu haben. Auch bei den Protesten gegen Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd fand Harris klare Worte und forderte eine Justiz- und Polizeireform. Trump solle Floyds Namen "nicht in den Mund nehmen", bevor er nicht den Satz "Black Lives Matter" sagen könne, schrieb Harris auf Twitter.

Kritische Senatorin  

2017 wechselt Harris in die Politik und zieht als erste Frau mit indischen Wurzeln für Kalifornien in den US-Senat ein. Aufmerksam auf sich macht sie vor allem durch ihre toughen und kritischen Befragungen zu Trumps Entlassung des FBI-Chefs James Comey. Zwei republikanische Senatoren baten Harris daraufhin ihre Fragen höflicher zu formulieren.

Ähnlich kritisch ist Harris auch Trump gegenüber. Vor allem für seine Haltung zu den Themen Migration, Polizeigewalt und der Coronapandemie kritisiert die 55-Jährige den US-Präsidenten immer wieder scharf. "Das amerikanische Volk ist Zeuge des größten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden", sagt Harris zu Trumps Umgang mit dem Coronavirus bei einer TV-Debatte Anfang Oktober.

Gescheiterte Präsidentschaftskandidatur

Im Juni 2019 gibt die demokratische Senatorin bekannt, als Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2020 kandidieren zu wollen. Anfangs gilt sie noch als aussichtsreiche Kandidatin.

Während des Wahlkampfs wird sie aber für ihre wenig konstante Haltung kritisiert. Positioniert sich Harris zu Beginn als Reformerin an der Seite von Senatoren wie Elizabeth Warren und Bernie Sanders, rudert sie später zurück und positioniert sich eher in Richtung Mitte.

Im Dezember steigt sie aus dem Rennen um's Präsidentenamt aus, weil ihr die finanziellen Mittel für den Wahlkampf ausgehen. Im März stellte sie sich hinter Biden. Im August nominiert der Ex-Vizepräsident Harris zu seiner "Running Mate" und sagt: "Ich bin stolz, sie jetzt als meine Partnerin in diesem Wahlkampf zu haben", sagt Biden. Die anfänglichen Querelen scheinen nun vollends vergessen.

Gewinnen die Demokraten die Wahl am 3. November wird Harris nicht nur die erste weibliche, sondern auch die erste schwarze Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Eine Chance auf das Präsidentenamt hat sie auch.

Der 77-jährige Biden hat bereits angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren zu wollen. Dann könnte Harris in vier Jahren erneut als Präsidentschaftskandidaten für die Demokraten ins Rennen gehen. Sie wäre jedenfalls die erste Frau, die dieses Amt übernimmt.

Im Regierungsalltag hat die Vizepräsidentin in der Regel nur so viel Macht und Einfluss, wie es ihm der Präsident einräumt. Sie übernimmt das Amt, falls der Präsident vor Ablauf seiner Amtszeit ausfallen oder sterben sollte. Die Vize ist außerdem Vorsitzende des Senats. Ein Stimmrecht hat sie aber nur, wenn es zu einer Pattsituation kommt. Viele Präsidenten nutzten ihren Stellvertreter auch als Verbindungsmann zum Kongress bei Verhandlungen über neue Gesetze.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe