APA - Austria Presse Agentur

Deutscher Lokführer-Streik betrifft auch Österreich

30. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Die deutsche Lokführergewerkschaft GDL verschärft ihren Arbeitskampf und will über fünf Tage und das Wochenende den deutschen Eisenbahnverkehr bestreiken. Einige grenzüberschreitende Verbindungen der ÖBB von und nach Deutschland werden dadurch auch ausfallen. Der innerösterreichische Taktverkehr fahre aber planmäßig.

Die deutsche Lokführergewerkschaft GDL verschärft ihren Arbeitskampf und will über fünf Tage und das Wochenende den deutschen Eisenbahnverkehr bestreiken. Der Nah- und Fernverkehr soll von Donnerstagfrüh um 02.00 Uhr bis Dienstagfrüh um 02.00 Uhr lahmgelegt werden, kündigte GDL-Chef Claus Weselsky. Im Güterverkehr beginne der Ausstand schon am Mittwochnachmittag. "Klare Botschaft, klare Kante."

Das Management der Deutschen Bahn habe den dritten Streik in diesem Tarifkonflikt provoziert, da es sich weigere, ein neues Angebot vorzulegen. "Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich", sagte Weselsky. "Irgendwann begreift dass Management dass man einen Krieg mit den eigenen Beschäftigten nicht gewinnen kann."

Verbindungen nach Österreich betroffen

 Einige grenzüberschreitende Verbindungen der ÖBB von und nach Deutschland werden dadurch auch ausfallen. Der innerösterreichische Taktverkehr fahre aber planmäßig, teilten die ÖBB auf APA-Anfrage mit.

Auch die Verbindung von Salzburg nach Tirol über das Deutsche Eck sei von den Einschränkungen ebenso wenig betroffen wie die Railjet-Verbindungen Wien/ Klagenfurt nach München, sowie die EC-Verbindungen Italien - Kufstein - München.

Nur mehr im österreichischen Abschnitt werden hingegen zwischen 2. und 6. September die ICE Verkehre über Passau nach Wien Hauptbahnhof, die EC Verkehre Tauern/ Ennstal über Salzburg, die EC Verkehre Zürich/München über Lindau laufen. Auch Nachtzüge von und nach Deutschland fallen aus, einige schon ab Mittwoch 1. September abends. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für die Reisenden nach Deutschland", betonen die ÖBB.

GDL fordert Tariferhöhung

Der Arbeitskampf hatte schon im August zwei Mal für einige Tage große Teile des Fern- und Nahverkehrs lahmgelegt und die Reisepläne von Millionen Fahrgästen durchkreuzt - auch einige Fernzüge von und nach Österreich waren betroffen. Am Wochenende hatte die GDL im Personenverkehr allerdings nicht gestreikt. Weselsky machte deutlich, die Mitglieder stünden auch für weitere Arbeitskämpfe bereit. Einen unbefristeten Streik wolle man aber vorerst vermeiden.

Die GDL fordert eine Tariferhöhung um 3,2 Prozent und eine Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn ist zu einer Lohnerhöhung in diesem Volumen bereit, aber erst später als von der Gewerkschaft gefordert. Gesprächsbereit ist der Arbeitgeber auch zu einer Corona-Prämie, wenn auch bisher ohne beziffertes Angebot. Bahnchef Richard Lutz hatte am Wochenende erklärt, Angebot und Forderung lägen nicht weit auseinander, eine Lösung könne am Verhandlungstisch gefunden werden. Ein neues Angebot werde es daher zunächst nicht geben.

Mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte der auch durch die Corona-Krise angeschlagene Konzern bereits 2020 einen Sanierungstarifvertrag geschlossen, den die GDL als völlig unzureichend ablehnt. Zusätzlich kompliziert wird die Tarifrunde dadurch, dass EVG und die GDL beide den Anspruch erheben, für fast alle der 185.000 Beschäftigten in Deutschland beim Schienenpersonal zu verhandeln. Die Bahn sieht sich aber gezwungen, das Tarifeinheitsgesetz anzuwenden: Danach gilt ein Tarifvertrag nur dort, wo die jeweilige Gewerkschaft die Mehrheit hat. Laut Bahn hat die GDL in 16 der rund 300 Einzelbetriebe des Konzerns die Mehrheit. Die GDL bestreitet das und klagt vor Gericht.

Quelle: Agenturen / pea