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Deutsche Wehrbeauftragte gegen zu raschen Afghanistan-Abzug

26. Nov 2020 · Lesedauer 2 min

Die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Eva Högl, kritisiert Pläne der scheidenden US-Regierung, schnell weitere Truppen aus Afghanistan abzuziehen. "Was wir nicht brauchen, ist ein überstürzter unkontrollierter Abzug der Truppen und dass jedes Land für sich agiert", sagte die SPD-Politikerin der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Donnerstag). Wichtig sei jetzt, dass ein Abzug von der NATO koordiniert werde.

"Die oberste Maxime muss sein: Wir sind zusammen rein, wir gehen alle zusammen wieder raus." Die Sicherheit der Soldaten müsse an oberster Stelle stehen. Högl betonte, damit ein geordneter Rückzug stattfinden könne, sei die Deutsche Bundeswehr zwar auf alle Szenarien vorbereitet. Doch seien die deutschen Soldaten und die übrigen internationalen Kräfte auf die US-Partner angewiesen. "Im Ernstfall müssten sie amerikanische Soldaten mit Jets und Hubschraubern retten."

Insgesamt sind 1.250 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert, der größte Teil davon in Mazar-e-Sharif. Nach den Plänen des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump soll die amerikanische Truppenstärke bis zum 15. Jänner von etwa 4.500 auf 2.500 Soldaten reduziert werden. Nur fünf Tage später, am 20. Jänner, soll Trump vom Wahlsieger Joe Biden im Weißen Haus abgelöst werden.

Die USA hatten mit den militant-islamistischen Taliban Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller US- und NATO-Streitkräfte bis Ende April 2021 in Aussicht stellt. Die Taliban verpflichteten sich zu Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul, die im September aufgenommen wurden.

Zur Perspektive des Einsatzes sagte Högl, nächstes Jahr sei die Bundeswehr 20 Jahre in Afghanistan. "Das ist eine lange Zeit. 59 Soldaten der Bundeswehr sind im Einsatz gestorben. Wir brauchen eine ehrliche Debatte darüber, was wir erreicht haben." Für die Soldatinnen und Soldaten sei es wichtig zu wissen, welchen Beitrag sie für die Sicherheit in dem Land geleistet haben. "Die Bundesregierung sollte eine ausführliche Bilanz vorlegen."

Quelle: Agenturen