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Demokraten in L.A.: Rassismus, Antisemitismus, Homophobie

Kurz vor den wichtigen Midterm-Wahlen in den USA geraten Joe Bidens Demokraten wegen eines Audiomitschnitts unter Druck. Der Präsident fordert nun Konsequenzen gegen seine Parteikollegen.

Wenn in der Filmstadt Los Angeles Schauspiel-Legende Danny Trejo ("Machete", "Spy Kids", "From Dusk Till Dawn") ausrücken muss, um festzustellen, dass er sich mit der jüdischen Community solidarisiere und die City of Angels eigentlich ein Ort der Begegnung sein soll - dann ist etwas Einschneidendes passiert in Kalifornien.

Im Oktober 2021 saßen Nury Martinez, bis vor kurzem Präsidentin des Stadtrats von Los Angeles, zwei Kollegen und ein Gewerkschafter zusammen und ließen ihrem Rassismus, ihrem Antisemitismus, ihrer Homophobie freien Lauf. Sie glaubten, ungestört zu sein. 

Doch knapp ein Jahr später tauchte ein Audiomitschnitt auf Reddit auf, den die "Los Angeles Times" auswertete. Die Demokraten Nury Martinez, der inzwischen zurückgetretene Gewerkschaftsführer Ron Herrera sowie die Stadtrats-Politiker Kevin de León und Gil Cedillo, also einige der mächtigsten Politiker der Stadt, äußerten sich abschätzig über Kollegen und über ganze Bevölkerungsgruppen. Alle vier sind Latinos.

Rundumschlag gegen Minderheiten

Auf der Audiospur ist beispielsweise zu hören, wie Nury Martinez sich abfällig über den schwulen, weißen Stadtrat Mike Bonin und dessen schwarzen Adoptivsohn äußert – er behandle ihn wie ein "Accessoire". Sie nennt Bonin eine "little bitch" und seinen Sohn auf Spanisch einen "kleinen Affen", den seine Eltern, "wie ein weißes Kind aufziehen".

Nury Martinez sagte über den damals zweijährigen Jungen: "Dieses Kind braucht eine Tracht Prügel. Lass mich mit ihm um die Ecke gehen und dann bringe ich ihn zurück." Ron Herrera bemerkt, dass der ehemalige jüdische Abgeordnete im kalifornischen Parlament, Richard Katz, "und seine Crew sicherlich eine Agenda haben". Darauf entgegnet Nury Martinez: "Los Judíos haben ihren Deal mit Süd-L.A. abgeschlossen, sie werden alle anderen über den Tisch ziehen."

Auch über Indigene aus Mexiko zieht die Politikerin her. Migrant:innen aus dem mexikanischen Bundesstaat Oaxacan bezeichnet Nury Martinez als "kleine, kurze, dunkle Menschen", die "hässlich" seien. Darüber berichteten auch der "Spiegel" und die "Frankfurter Rundschau". 

Es geht um Macht

Eigentlich ging es bei dem Treffen in Herreras Gewerkschaftsbüro um die Neueinteilung der Wahlbezirke, wie sie in der Stadt regelmäßig alle paar Jahre vorgenommen wird. Eine Kommission hat Vorschläge gemacht, von denen Martinez, de León, Cedillo und Herrera nichts halten. Die vier sind Latinos und halten die hispanische Bevölkerung, die immerhin fast die Hälfte der Angelenos ausmacht, im Stadtrat für unterrepräsentiert. Es ging also um Macht.

Die Entrüstung war nicht nur beim Schauspieler Danny Trejo groß. Es folgten Demonstrationen und Kritik - auch über Kalifornien hinaus. Kurz vor den wichtigen Midterm-Wahlen schaltete sich sogar US-Präsident Joe Biden ein. Martinez und Herrera sind schon - wenn auch etwas zögerlich - zurückgetreten. De León und Cedillo wollen ihre Ämter aber nicht abgeben. Biden forderte auch für sie Konsequenzen. 

"Ziehen wir diese Demokraten zur Rechenschaft"

Hunderte Mitglieder der indigenen Oaxaca-Community demonstrierten in der Innenstadt von Los Angelesen. Eine Gruppe von Black-Lives-Matter-Demonstrierenden kampiert nun in der Nähe von de Leóns Haus, um den Druck auf das Stadtratsmitglied zu erhöhen. 

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L.A. ist eine der ethnisch diversesten Städte der USA. Und der bevölkerungsreichste Bundesstaat Kalifornien eine Demokraten-Hochburg. Es stehen Midterm-Wahlen und in L.A. die Bürgermeisterwahl an. "Wenn Demokraten etwas Rassistisches oder Antisemitisches sagen, ziehen wir diese Demokraten zur Rechenschaft. Wenn MAGA-Republikaner etwas Rassistisches oder Antisemitisches sagen, werden sie bejubelt und unterstützt", betonte daher Bidens Sprecherin vor einem Besuch des Präsidenten vergangene Woche in L.A, bei dem er den Skandal dann aber lieber nicht zum Thema machte. Schließlich stehen Wahlen an.

ribbon Zusammenfassung
  • Kurz vor den wichtigen Midterm-Wahlen in den USA geraten Joe Bidens Demokraten wegen eines Audiomitschnitts unter Druck.
  • Demokraten aus L.A. äußerten sich rassistisch, antisemitisch und homophob.
  • Der Präsident fordert nun Konsequenzen gegen seine Parteikollegen.