APA - Austria Presse Agentur

Delta-Variante: Kurz trifft Virologen Drosten in Berlin

22. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Die Delta-Variante der Corona-Pandemie hat den Vormittag des Besuches von Bundeskanzler Sebastian Kurz (V) am Dienstag in Berlin geprägt.

Neben seinen Terminen bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und einer Rede auf dem "Tag der Industrie" des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) stand die Entwicklung der Mutante im Herbst im Mittelpunkt der Gespräche des Kanzlers.

In der Berliner Charité traf sich Kurz mit Christian Drosten, dem Leiter der Virologie in Europas größtem Krankenhaus. Sie tauschten ihre Einschätzungen über die Pandemieentwicklung im Herbst aus. Dass er seit eineinhalb Jahren mit österreichischen, deutschen, europäischen und internationalen Experten den Kontakt pflege, habe ihm in seiner Politik sehr geholfen. Diese Expertise dürfe auch in den nächsten Monaten nicht vernachlässigt werden.

Corona-Debatte zu oberflächlich

Die Debatte über die Corona-Entwicklung im Sommer und Herbst werde viel zu oberflächlich geführt, so Kurz. Die Frage, ob man aus Fehlern des vergangenen Sommers lernen könne, sei Unsinn. Die Pandemie komme in Wellen und sei extrem saisonal und regional. Österreich sei mit zwei Millionen Tests pro Woche Europameister. Im Herbst werden etwa 75 Prozent der Österreicher geimpft sein.

"Impfen, impfen, impfen"

"Die Delta-Variante müssen wir ernstnehmen und genau beobachten, aber es besteht kein Grund zur Panik, denn alle Impfstoffe, die wir verwenden, wirken auch gegen die Delta-Variante. Daher kann die Botschaft nur sein: impfen, impfen, impfen", sagte Kurz vor dem Gespräch mit Drosten.

Die Delta-Variante sei mittlerweile überall angekommen, da bräuchte es einen Zauberer, wenn sie ganz verschwinden solle, so Kurz. "Es ist absurd, so zu tun, als ob sie verschwinden würde, und es ist ein Irrglauben zu meinen, dass wir das auslöschen können", sagte Kurz. Man dürfe die Menschen nicht total verunsichern.

Kurz zu Schäubles Kritik: Kenne Buch nicht

Unmittelbar vor seinem Gespräch mit Bundestagspräsident Schäuble, das dem Überblick über die politische Lage diente, verwies Kurz auf das freundschaftliche Verhältnis, das ihn mit Schäuble verbinde. "Ich kenne ihn lang und schätze ihn sehr", sagte Kurz. Auf die Frage der APA, ob dies auch umgekehrt gelte, nachdem Schäuble in einem jüngst erschienenen Buch mit der Bemerkung zitiert worden sei, er lehne das "System Kurz" ab, sagte Kurz nur, er kenne das Buch nicht. Er habe ein sehr gutes Verhältnis zum Parlamentspräsidenten und stehe mit ihm in freundschaftlichem Austausch.

Pandemietalk auch mit Merkel

Aus dem Videogespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel von Montag berichtete Kurz, er habe über die "Gott sei Dank gute Entwicklung der Pandemie" gesprochen sowie über die Prognosen zum Wirtschaftswachstum, das in beiden Ländern deutlich besser als erwartet ausfalle und eine schnelle Erholung auch auf dem Arbeitsmarkt zur Folge habe. Hier sei der Trend in Österreich ähnlich wie in Deutschland. Ferner habe er in der "sehr ausführlichen Videokonferenz" über den Europäischen Rat gesprochen, der am Donnerstag und Freitag stattfinde.

Dass das Gespräch mit Merkel nur virtuell verlaufen sei, habe ausschließlich mit Zeitgründen zu tun. "Es gibt keine Regierungschefin, mit der ich in der Pandemie so viel telefoniert habe wie mit Merkel", betonte Kurz vor Journalisten. Das Verhältnis sei nur früher, als es um Flüchtlingsfragen gegangen sei, schwierig gewesen.

Beim Europäischen Rat, wo es auch um Migrations- und Flüchtlingsfragen geht, konstatierte er, dass sich die politische Debatte in Europa total gedreht habe. Ganz viel von dem, wofür er sich eingesetzt habe, bewege sich nun in die richtige Richtung.

Kritik an europäischem Flüchtlings-System

Ein europäisches System funktioniere nicht und könne nicht funktionieren, sagte Kurz. Ob es jedoch realistisch sei, es zu ändern, wisse er indes nicht. Beim Rat werde voraussichtlich nur über die externe Dimension diskutiert werden. Es werde also keine Verteilungsdebatte geben, sondern erörtert, wie zum Beispiel auf Transitländer wie die Türkei, Libyen und Libanon eingewirkt werden könne und wie die Situation an den Außengrenzen sei.

Quelle: Agenturen