APA - Austria Presse Agentur

Corona-Experte lobt Trump: Bewegung in "positive Richtung"

24. Juli 2020 · Lesedauer 3 min

Der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci hat sich positiv über die jüngsten Maßnahmen des US-Präsidenten Donald Trump in der andauernden Coronakrise geäußert. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten sagte dem Sender Fox News am Freitag, Trumps Absage des Parteitags der Republikaner Ende August in Florida sei eine "gute Entscheidung" gewesen.

Der Immunologe begrüßte auch, dass Trump inzwischen zum Tragen einer Schutzmaske rate und sich selber mit Maske zeige. "Das wird ein gutes Beispiel für den Rest des Landes abgeben."

Fauci, der der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses angehört, fügte hinzu: "Ich denke also, wir bewegen uns in dieser Hinsicht in eine wirklich positive Richtung." Trump schlägt in der Krise seit wenigen Tagen deutlich pessimistischere Töne an. Fauci sagte, Trump sei klar geworden, wie die Lage sei, und er habe sein Verhalten angepasst. Mittlerweile wurden in den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern mehr als vier Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen.

Fauci beschrieb sein Verhältnis zu Trump als gut. Aus dem Weißen Haus war zwischenzeitlich Kritik an dem prominenten Experten laut geworden. Trump selber hatte ihm kürzlich in einem Fox-News-Interview bescheinigt: "Er ist ein bisschen ein Schwarzseher." Auch Trump hatte sein Verhältnis zu Fauci aber als gut beschrieben.

Fauci sagte mit Blick auf die vielen Neuinfektionen in den USA, er glaube nicht, dass es wieder zu einem "vollständigen Lockdown" kommen müsse. Auszuschließen sei das aber nicht. Bundesstaaten mit hohen Infektionszahlen sollten überlegen, ob sie die Lockerung von Schutzmaßnahmen wieder eine Stufe zurückfahren. Fauci rief dazu auf, Masken zu tragen und Hygiene-Schutzmaßnahmen zu beachten. Er zeigte sich erneut vorsichtig optimistisch, dass es zum Jahresende oder Anfang 2021 einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben werde.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat am Freitag Fehler im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eingestanden. "Wir haben (das Virus) in den ersten Wochen und Monaten nicht in der Art und Weise verstanden, wie wir das gerne getan hätten", sagte der konservative Politiker im Gespräch mit der BBC.

Vor allem das Ausmaß der Übertragung durch Menschen, die keine Symptome zeigten, sei unterschätzt worden. Auf die Frage, ob der Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in dem Land zu spät gekommen seien, antwortete Johnson ausweichend. Es handle sich um "offene Fragen" unter Wissenschaftern, sagte der Premier.

Der Epidemiologe und ehemalige Regierungsberater Neil Ferguson vom Imperial College hatte kürzlich gesagt, dass mindestens die Hälfte der mehr als 45.500 Sterbefälle in Großbritannien hätten verhindert werden können, wäre der Lockdown im März eine Woche früher durchgesetzt worden. Die Regierung hatte zunächst auf das Konzept einer sogenannten Herdenimmunität gesetzt und erst vergleichsweise spät eingelenkt. Großbritannien gilt als das am schwersten von der Pandemie betroffene Land Europas. Auch die massenhafte Überführung von Patienten aus Krankenhäusern in Pflegeheime, ohne sie vorher getestet zu haben, gilt Fachleuten als massiver Fehler, der Tausende das Leben gekostet haben dürfte.

Es gibt sogar Grund zu der Annahme, dass der Pandemie in Großbritannien viele Menschen zum Opfer gefallen sind, die nie auf das Coronavirus getestet wurden. Zahlen der Statistikbehörden zufolge wurden inzwischen beinahe 55.000 Todesfälle erfasst, bei denen die Lungenkrankheit Covid-19 im Totenschein erwähnt wurde. Die sogenannte Übersterblichkeit für die Zeit der Pandemie liegt Berechnungen der "Financial Times" zufolge bei über 65.000. Mit Übersterblichkeit ist die Differenz zwischen der Zahl der Todesfälle in diesem Jahr und dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gemeint.

Quelle: Agenturen