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China: Verteidigungsminister drohte mit Krieg

10. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ist am Freitag in Singapur erstmals persönlich mit seinem chinesischen Amtskollegen Wei Fenghe zusammengekommen.

Dabei nahm sich letzterer kein Blatt vor den Mund: "Falls es irgendjemand wagt, Taiwan von China zu trennen, wird die chinesische Armee definitiv nicht zögern - koste es, was es wolle - einen Krieg zu beginnen", sagte der chinesische Verteidigungsminister nach Angaben seines Sprechers Wu Qian im Gespräch mit Austin.

Die beiden Minister sprachen am Freitag am Rande des Shangri-La-Dialogforums in Singapur über die Beziehung beider Länder und regionale Sicherheitsfragen, wie das US-Ministerium mitteilte. Austin habe dabei betont, dass Kommunikationskanäle zwischen beiden Ländern offen bleiben müssten.

USA: Frieden und Stabilität wichtig

China hat allerdings für den Fall einer Unabhängigkeitserklärung Taiwans mit Krieg gedroht. Wei betonte demnach zudem, dass Peking "jedes Komplott zur 'Unabhängigkeit Taiwans' zerschmettern und die Vereinigung des Mutterlandes entschlossen aufrechterhalten" werde. Taiwan sei "Chinas Taiwan, Taiwan zu benutzen, um China einzudämmen, wird sich niemals durchsetzen".

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums hatte Austin seinem chinesischen Kollegen gesagt, Peking müsse "von weiteren destabilisierenden Aktionen gegenüber Taiwan Abstand nehmen". Frieden und Stabilität in der Region seien extrem wichtig. US-Präsident Joe Biden hatte Taiwan im Mai militärische Unterstützung für den Fall eines chinesischen Einmarsches zugesichert, was Empörung in Peking hervorgerufen hatte.

Taiwan als Streitpunkt

Die Beziehung der beiden Weltmächte hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert. Für Spannungen sorgen dabei insbesondere Sicherheitsfragen, die unter anderem Taiwan, das Südchinesische Meer und den Ukraine-Krieg betreffen. China sieht Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit dem Festland vereinigt werden soll - notfalls mit militärischer Gewalt. Die USA verfolgen in dieser Frage eine Linie der "strategischen Zweideutigkeit". Dabei sichern sie zwar Taiwan Unterstützung beim Aufbau von dessen Verteidigungsfähigkeiten zu, versprechen aber nicht ausdrücklich, der Insel im Falle eines Krieges zu Hilfe zu kommen.

Das erste Treffen der beiden Verteidigungspolitiker fand am Rande des Shangri-La-Dialogs statt, für den jedes Jahr Verteidigungsminister und hochrangige Militärs aus aller Welt nach Singapur reisen. Zuvor hatten die beiden nur telefonisch miteinander gesprochen.

Quelle: Agenturen / msp