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Columbia-Uni: Wegen Anti-Israel-Protesten nur Online-Unterricht

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Weil zu viele Fälle von einschüchterndem und belästigendem Verhalten auftraten, stellte die Uni in der Stadt New York auf Online-Betrieb um. Ein jüdischer Professor wurde von der Uni gehindert, das Gelände zu betreten - während ein Protestcamp aus 60 Zelten am Campus stehen darf.

Die New Yorker Columbia University hat ihre Lehre am Montag auf Online-Unterricht umgestellt. Der Grund? Die wachsenden Spannungen durch den Krieg in Gaza und antisemitische Proteste. 

Am Campus der US-Elite-Uni steht mittlerweile ein Protest-Camp aus 60 Zelten. Die Aktivist:innen hatten angekündigt, "für immer" bleiben zu wollen.

Die Polizei räumte bis jetzt nicht, da sich der Protest auf dem Privatgelände befindet. In der Vergangenheit hatte die Uni erklärt, die New Yorker Polizei nicht auf ihrem Campus haben zu wollen.

Galerie: Die Proteste der letzten Tage

Wegen der ausufernden Proteste gibt es nun aber nun noch Online-Unterricht, zudem kann die Uni die Sicherheit für jüdische Professor:innen und Studierende scheinbar nicht mehr garantieren. In den vergangenen Tagen habe es zu viele Beispiele für "einschüchterndes und belästigendes Verhalten auf unserem Campus gegeben", schrieb Universitätspräsidentin Nemat Shafik nun in einem offenen Brief.

"Antisemitische Äußerungen, wie auch andere Äußerungen, mit denen Menschen verletzt und verängstigt werden sollen, sind inakzeptabel und es werden entsprechende Maßnahmen ergriffen", fuhr sie fort. Zur Deeskalation und "um uns allen die Möglichkeit zu geben, über die nächsten Schritte nachzudenken, gebe ich bekannt, dass alle Kurse am Montag virtuell stattfinden werden".

Grenzen der "Free Speech"?

Für große Diskussionen sorgte der Umgang mit dem jüdisch-amerikanischen Professor Shai Davidai. Er wollte eine pro-israelische Kundgebung leiten, seine Campus-Zugangskarte wurde aber deaktiviert.

Davidai und seine Unterstützer sind entsetzt darüber, dass der jüdische Professor nicht auf den Campus der Elite-Universität darf, während die Protestierenden mit ihren Campus-Karten protestieren dürfen. Laut Davidais Informationen will die Universität ihn dadurch schützen, weil sie seine Sicherheit am Campus nicht garantieren könne.

Am Samstag hatte ein jüdischer Student der Uni bei der New Yorker Polizei Anzeige erstattet, weil er von pro-palästinensischen Protestierenden mit Steinen am Kopf getroffen worden sein soll, weil er eine israelische Flagge getragen hatte.

Rund um die Proteste gab es zahlreiche Berichte über antisemitische Parolen und Aussagen, die die radikal-islamistische Terrororganisation Hamas befürworten.

100 Festnahmen in der Vorwoche

In der vergangenen Woche hatten zudem pro-palästinensische Proteste begonnen, bei denen die Universität aufgefordert wurde, sich von Unternehmen zu trennen, die Verbindungen nach Israel haben.

Mehr als 100 Protestteilnehmer wurden festgenommen, nachdem die Universität am Donnerstag die Polizei auf den Privatcampus gerufen hatte. Daraufhin schienen sich die Spannungen zu verschärfen, am Wochenende war die Beteiligung noch größer. Die Proteste weiteten sich auch auf andere Universitäten aus.

Konflikt polarisiert an US-Unis

Seit dem Hamas-Terror gegen Israel am 7. Oktober 2023 und dem davon ausgelösten Krieg im Gazastreifen zeigt sich an US-Eliteuniversitäten eine tiefe Spaltung mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten.

Studenten, Professoren und die Verwaltung liefern sich erbitterte Auseinandersetzungen, die sich auch auf Onlinenetzwerke ausgeweitet haben. Dabei geht es um Vorwürfe des Antisemitismus, der Islamophobie und der Bedrohung der Meinungsfreiheit.

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Biden verurteilt antisemitische Vorfälle

US-Präsident Joe Biden hat die antisemitische Vorfälle an den Hochschulen des Landes im Zusammenhang mit der Debatte über den Gaza-Krieg als "verwerflich" verurteilt. "Dieser unverhohlene Antisemitismus ist verwerflich und gefährlich - und er hat absolut keinen Platz auf dem Universitätsgelände oder irgendwo in unserem Land", sagte er.

Der Rabbiner einer jüdischen Studentenorganisation an der New Yorker Columbia University hatte zuvor jüdischen Studierenden empfohlen, angesichts der anhaltenden pro-palästinensischen Proteste auf dem Campus lieber zu Hause zu bleiben.

Die jüngsten Ereignisse hätten "deutlich gemacht", dass die öffentlichen Sicherheitsdienste der Universität sowie die New Yorker Polizei "die Sicherheit jüdischer Studenten nicht garantieren können", erklärte Rabbi Elie Buechler in einem Schreiben an Studenten.

ribbon Zusammenfassung
  • Weil zu viele Fälle von einschüchterndem und belästigendem Verhalten auftraten, stellte die Uni in der Stadt New York auf Online-Betrieb um.
  • Ein jüdischer Professor wurde von der Uni gehindert, die Uni zu betreten - während ein Protestcamp aus 60 Zelten am Campus stehen darf.
  • Die Protestierenden kündigte an, "für immer" bleiben zu wollen.
  • Sie fordern unter anderem, dass die Uni nicht mehr mit Unternehmen zusammenarbeitet, die Verbindungen zu Israel haben.

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