Bundesrat will nicht abgeschafft werden
Mattle, der in der ersten Jahreshälfte den Vorsitz führt, stellte diesen unter das Motto "Bergauf für Österreich". Und "bergauf" gehe es nur "gemeinsam, mit und nicht ohne die Bundesländer". Die Länderkammer sei "föderales Korrektiv", die Kritik, dass diese lediglich Gesetzesbeschlüsse des Nationalrats durchwinke, kann Mattle nicht nachvollziehen. Allein die Tatsache, dass es die Länderkammer gebe, bedeute ja, dass schon im Gesetzwerdungsprozess an die Länder gedacht werde.
Zweikammersysteme sind Bestandteile zahlreicher funktionierender Demokratien, betonte Mattle. "Der Vorschlag wundert mich noch mehr, weil er von einer Partei kommt, die ja ganz stark für die Demokratie, Liberalismus und Parlamentarismus einsteht", meinte Mattle weiter. Durch die Abschaffung dieses Systems schwäche man letzteren.
Mattle und Stotter wollen nicht, dass man am Föderalismus rüttelt. "Ein Bundesland wie Tirol, das nur elf Prozent der Fläche nutzen kann, wird eine andere Bauordnung brauchen als ein Flächenbundesland, wie es Niederösterreich ist". Genauso stünden Kleinstschulen in Tirol vor anderen Herausforderungen als Schulen mit vielen Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache in der Bundeshauptstadt, führte der Landeshauptmann zwei Beispiele ins Treffen.
Der pinke Vorstoß war eines der Ergebnisse der NEOS-Klubklausur, die diese am Montag öffentlich machten. Dieser sei aber nicht neu, sondern "seit unserer Gründung NEOS-Identität", sagte Julia Deutsch, die einzige pinke Bundesratsabgeordnete am Donnerstag. Sie fühlte sich heute als "Persona non grata", nachdem zahlreiche Vorredner und -rednerinnen sie direkt adressierten. "Die Kompetenzen des Bundesrats sind sehr begrenzt", betonte sie in ihrem Redebeitrag unter zahlreichen Zwischenrufen. In Schutz nahm sie ihr Generalsekretär Douglas Hoyos, nachdem sie "aufs Schärfste attackiert wurde", wie er in einer Aussendung meinte: "Dass die anderen Parteien im Bundesrat sogar jede Diskussion über eine Reform des Bundesrates im Keim ersticken und niederschreien, zeigt, dass es ihnen nur um den eigenen Machterhalt geht - nicht um Länderinteressen."
Zu einer Abschaffung kommen dürfte es dazu in nächster Zukunft wohl aber ohnehin nicht. Von den beiden Koalitionspartner ÖVP und SPÖ kam noch am Montag direkt ein "Nein". Auch die Freiheitlichen und die Grünen sprachen sich in der Sitzung am Donnerstag gegen den pinken Vorstoß aus.
Zusammenfassung
- Die NEOS forderten nach ihrer Klubklausur am Montag die Abschaffung des Bundesrats, stießen damit aber auf breite Ablehnung aller anderen Parteien.
- Die einzige NEOS-Bundesrätin Julia Deutsch verteidigte den Vorstoß und kritisierte die begrenzten Kompetenzen des Bundesrats, während Generalsekretär Douglas Hoyos anderen Parteien vorwarf, jede Reformdiskussion zu blockieren.
