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Britischer Geheimdienst: Nur ein Viertel der Russen unterstützt Krieg

04. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Dem Kreml dürfte es zunehmend schwerfallen, den Krieg in der Ukraine gegenüber der eigenen Bevölkerung zu erklären, sagt der britische Geheimdienst. Der US-Geheimdienst geht davon aus, dass Putin seine Ziele zurückschrauben könnte.

Laut dem täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums werde Russland in den kommenden Monaten kaum Erfolge im Angriffskrieg gegen die  Ukraine erzielen können. Daher tue sich der Kreml immer schwerer, den Krieg der eigenen Bevölkerung zu erklären. 

"Angesichts dessen, dass Russland in den kommenden Monaten kaum bedeutende Erfolge auf dem Schlachtfeld erringen wird, ist es wahrscheinlich zunehmend schwer für den Kreml, auch nur die schweigende Zustimmung in der Bevölkerung zu erhalten."

Nur ein Viertel für Krieg

Den Briten zufolge zeigen an die Öffentlichkeit gelangte Daten russischer Behörden, dass inzwischen nur noch ein Viertel der Bevölkerung in Russland den Angriffskrieg in der Ukraine unterstützt. Zu Beginn des Kriegs waren es demnach noch 80 Prozent. Die teilweise Mobilmachung im September habe den Krieg aber für viele Menschen spürbar gemacht.

Der US-Geheimdienst geht indes davon aus, dass  sich das Kampfgeschehen in der Ukraine verlangsamt fortsetzen wird. "Wir sehen bereits eine Art reduziertes Tempo des Konflikts und wir erwarten, dass sich das in den kommenden Monaten fortsetzen wird", sagte Avril Haines, Direktorin des nationalen Geheimdienstes. 

Hains sagte, dass beide Länder versuchen würden, sich mit Nachschub zu versorgen, um sich auf eine Gegenoffensive nach dem Winter vorzubereiten. Trotz russischer Angriffe auf das ukrainische Stromnetz und andere zivile Einrichtungen sehe man keine Anzeichen für einen verringerten ukrainischen Widerstandswillen.

Sie sagte, Russland versuche auch, die Fähigkeit der Ukraine zur Konfliktverfolgung zu beeinträchtigen, und fügte hinzu, dass Kiews Wirtschaft sehr stark gelitten habe. "Das kann mit der Zeit natürlich Auswirkungen haben. Wie stark diese sein werden, hängt davon ab, wie viel sie angreifen, wozu sie in der Lage sind, wie widerstandsfähig die kritische Infrastruktur ist und wie gut wir ihnen helfen können, sie zu verteidigen.

Putin sei überrascht

Der russische Präsident Wladimir Putin sei überrascht, dass sein Militär nicht mehr erreicht habe. "Er ist über die Herausforderungen informiert, mit denen das Militär in Russland konfrontiert ist. Aber es ist uns immer noch nicht klar, ob er zum jetzigen Zeitpunkt ein vollständiges Bild davon hat. Wir sehen Knappheit bei Moral und Munition, Logistik und eine ganze Reihe weiterer Probleme, mit denen sie konfrontiert sind." Russland scheine seine militärischen Vorräte "ziemlich schnell" aufzubrauchen.

Haines erklärte, Putins politische Ziele in der Ukraine dürften sich nicht geändert zu haben, aber US-Geheimdienstanalysten gingen davon aus, dass er bereit sein könnte, seine kurzfristigen militärischen Ziele "vorübergehend zurückzuschrauben, mit dem Gedanken, dass er zu einem späteren Zeitpunkt auf dieses Thema zurückkommen könnte".

Quelle: Agenturen / Redaktion / koa