APA - Austria Presse Agentur

Bischöfe für starke Interessensvertretung gegenüber Politik

Juni 21, 2020 · Lesedauer 3 min

Kardinal Christoph Schönborn ist für eine starke Interessensvertretung der Kirche gegenüber der Politik. "Ich habe nie verstanden, warum man sich darüber aufregt, dass die Kirche versucht, bei der Gesetzgebung mitzureden", sagte er im APA-Interview. Der neue Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Salzburgs Erzbischof Franz Lackner, will aber keine Opposition betreiben, wie er sagt.

"In einer Demokratie hat jede Bürgerin, jeder Bürger Stimmrecht, aber auch die Gruppierungen haben das Recht, ihre Stimme zu erheben und können sich zu Wort melden", sagte Schönborn und verwies dabei auf Wirtschaft, Industrie und Arbeiterkammer. "Insofern gehört es wesentlich zur Demokratie, dass auch die Religionsgemeinschaften sich mit ihren Anliegen und Sorgen öffentlich zu Wort melden und damit auch versuchen, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen."

Als Beispiel nannte Wiens Erzbischof die Diskussion rund um den Ethikunterricht, in der sich auch die römisch-katholische Kirche laufend einbringt. Natürlich dürfe eine Beeinflussung der Politik nicht "unehrenhaft" erfolgen, etwa über Bestechung. "Die Kirche hat keine Armee, die Kirche hat keine Industrie, aber sie hat die Kraft der Argumente. Und in einer Demokratie ist das wichtig", sagte der einstige Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Auch Schönborns Nachfolger als Vorsitzender, Franz Lackner, sieht in der Kirche auch eine Interessensvertretung, etwa bei den Themen Familie, Armut und Asyl. Alle politischen Entscheidungen von vornherein kritisieren will er allerdings nicht. Zum Thema Unterstützung für Arbeitslose meint er aber: "Ich war selbst einmal arbeitslos, ein halbes Jahr lang. Und von dieser Erfahrung her: Es ist sicher besser geworden, aber ich glaube, ganz gut noch nicht."

Auch die Diskussionskultur innerhalb des Episkopats hat sich laut Schönborn stark gewandelt. "Ich kann das ganz offen sagen, das Klima in der Bischofskonferenz hat sich enorm verbessert in den letzten Jahren. Wir hatten ganz schwierige Jahre, in denen es praktisch in jeder Konferenz zu Konflikten gekommen ist. Das waren Positionskonflikte, das waren aber auch Personenkonflikte", resümiert er und: "Diese Zeit ist Gott sei Dank vorbei."

"Es ist eine Konferenz, man hat ja keine Macht über die anderen", meint wiederum Lackner zu seiner neuen Rolle als Vorsitzender. Jeder Bischof sei eine eigene Instanz. "Was ich gerne sein möchte ist wirklich Stimme der Kirche Österreich in dieser Mannigfaltigkeit der Herkünfte." Dies gelte auch gegenüber dem Papst. Für Anfang kommendes Jahr ist wieder ein sogenannter Ad-Limina-Besuch des Episkopats in Rom geplant.

Verstärkt in die Kirchenpolitik eingebunden war Lackner als Visitator in der Diözese Gurk-Klagenfurt, wo ein Streit um den früheren Bischof Alois Schwarz ausgebrochen war, der mittlerweile die Diözese St. Pölten führt. In dieser Funktion sei er auch weiterhin zum Schweigen verpflichtet.

Weiterhin ausständig ist eine Entscheidung Roms, wer Schönborns Nachfolger als Wiener Erzbischof wird - dessen Amtszeit wurde ja nach seinem pensionsbedingten Rücktritt verlängert. "Es wird ein Nachfolger kommen. Wann der kommen wird, das weiß ich nicht", meint der Kardinal dazu. "Erfahrungsgemäß dauert das mehrere Monate, hoffentlich nicht mehrere Jahre."

Quelle: Agenturen