Birgit Hebein, wie Sie sie noch nicht kennen

06. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Birgit Hebein folgte 2019 Maria Vassilakou als Wiener Vizebürgermeisterin nach. Ihre Politik ist dezidiert links. Am 11. Oktober stellt sich Hebein ihrer ersten Wahl. Aber wer ist die Spitzenkandidatin der Wiener Grünen?

Eine linke Aktivistin, Traktorfahrerin und Politikerin treffen aufeinander. Das ist nicht der Beginn eines Witzes, sondern eine Beschreibung von Wiens Vizebürgermeisterin und grüne Spitzenkandidatin Birgit Hebein. Untypisch ist ein Adjektiv das zur grünen Spitzenkandidatin passt.

"Ich habe den Traktorschein in der Tasche und das Dirndl im Schrank", sagt Hebein. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie in einem kleinen Dorf in Kärnten, teilte sie sich einige Jahre mit ihrer Familie zu viert ein Zimmer. Mit 19 Jahren zog sie nach Wien und machte eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Ohne zu studieren, engagierte sich Hebein bei der österreichischen Hochschülerschaft. 2015 ist sie bei der Ankunft von tausenden Geflüchteten am Wiener Westbahnhof und verhandelt mit der ÖBB und den Behörden. Da ist sie schon fünf Jahre als Grüne Sozialsprecherin im Wiener Landtag.

Sie macht keinen Hehl daraus, wo sie politisch steht. "Ja natürlich mache ich linke Politik. Was denn sonst?", sagte die 53-Jährige im November 2018 nach dem sie von den Parteimitgliedern zur Vizekandidatin gewählt wurde.

Dass Hebein Vassilakous Nachfolge antreten würde, war nicht immer klar. Bei der Abstimmung erhielt sie 1244 von 3400 Stimmen. Für den Zweitplatzierten Peter Kraus stimmten 1138 Parteimitglieder. Ein knappes Rennen. Bei der Wien-Wahl ist der Anspruch höher.

Erste Wahl für Hebein

Die Partei soll "das beste Ergebnis, dass die Wiener Grünen je bei einer Gemeinderatswahl erzielen werden", einfahren, sagt Christian Tesar, Wahlkampfleiter der Grünen, im PULS 24 Interview. Für Hebein wird es auf jeden Fall ihr bisher bestes Ergebnis sein. Sie tritt zum ersten Mal als Spitzenkandidatin an.

Die Wähler will sie vor allem mit den Themen Klimakrise und soziale Gerechtigkeit an die Urne locken. "Ich will Wien zur Klimahauptstadt Europas machen", lautet Hebeins Slogan. Begrünungsmaßnahmen bewirbt sie mit einer Video-Botschaft an US-Präsidenten Donald Trump, dem sie Grüße aus der "Wald-Stadt Wien" schickt.

Umstrittener sind Projekte, wie der Gürtel-Pool oder Pop-up-Radwege. Die NEOS orten einen "Wahlkampfschmäh", die FPÖ eine "Schnapsidee". Hebein verwehrt sich gegen die Kritik. "Im öffentlichen Raum ist vieles möglich", sagt sie. Aber auch der Koalitionspartner SPÖ holte zum Querschlag aus, indem er Hebeins Idee einer verkehrsberuhigten Innenstadt eine Absage erteilt. Die Vizebürgermeisterin kontert: Ludwig habe die Zukunft "ausgebremst". 

Im Interview mit PULS 24 Infochefin Corinna Milborn zeigte sich Hebein noch siegessicher: An einem "generellen Fahrverbot" führe "kein Weg vorbei", sagte sie.

Birgit Hebein im Interview bei PULS 24 Infochefin Corinna Milborn

Und nach der Wahl? Hebein will die Koalition mit der SPÖ weiterführen. Ob der Wiener Bürgermeister Ludwig das auch will, lässt er offen. Politisches Kalkül, vermuten Beobachter. Bei den Wählern ist die Koalition jedenfalls beliebt. Laut einer aktuellen Umfragen ist Rot-Grün mit 27 Prozent Zustimmung die populärste Variante.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe