Bierwirt-Prozess: Ominöser Zeuge "Willi" erschien nicht, Prozess vertagt

11. Jan 2021 · Lesedauer 2 min

Der Prozess eines Wiener Bierwirts gegen die grüne Klubchefin Sigrid Maurer ging am Montag in die nächste Runde. Der lang erwartete Zeuge "Willi" erschien jedoch nicht zur Verhandlung. Der Prozess wird vertagt.

Der aufsehenerregende Prozess eines Bierwirts aus Wien-Josefstadt gegen Grünen Politikerin Sigrid Maurer ist um eine weitere skurrile Prozessetappe reicher. Ein ominöser Entlastungszeuge, der der eigentliche Verfasser der obszönen Nachrichten gewesen sein soll, erschien am Montag nicht vor Gericht. Der Prozess wird erneut vertagt, der nächste Verhandlunstermin ist für 17. Februar anberaumt.

Der Wirt hatte die grün Klubchefin wegen übler Nachrede verklagt, weil Maurer ihn im Mai 2018 öffentlich bezichtigt hatte, ihr obszöne Nachrichten auf Facebook geschrieben zu haben. Der Wirt behauptet, nicht er habe die Nachrichten geschrieben, sondern einer seiner Gäste, der dafür den Computer in seinem Geschäft benutzt hatte.

Wer dieser Gast war, war bisher unbekannt. Ein gewisser "Willi" soll dem Josefstädter Lokalbetreiber im Juli 2020 eine Zettel im Postkasten hinterlassen haben. Auf diesem räumte dieser angeblich ein, dass er 2018 die obszönen Nachrichten über den Facebook-Account des Bierwirts an die Grünen-Politikerin Sigrid Maurer verschickt habe. 

Bierwirt-Prozess: Zeuge "Willi" nicht aufgetaucht

Am Montag hätte der ominöse Zeuge "Willi" aussagen sollen, der laut Wirt der Urheber der obszönen Nachrichten an Grünen-Abgeordnete Sigrid Maurer sein soll.

"Willi" tauchte nicht auf

Der Zeuge "Willi" - eigentlich Wilhelm - sollte nun am Montag erstmals vor Gericht aussagen. Doch kurz nach Verhandlungsbeginn gab der Richter bekannt, dass der lang erwartete Zeuge nicht erschienen sei. Die Verhandlung wurde kurz darauf unterbrochen. Wenige Minuten vor der Verhandlung hatte der Mann in der Kanzlei des Landesgerichts angerufen und sich entschuldigt, er könne aufgrund einer Erkrankung nicht kommen.

Darauf unterbrach Richter Hartwig Handsur die Verhandlung, um die Angaben des Zeugen überprüfen zu lassen. Polizisten wurden an die Adresse des Mannes geschickt, um - wie Handsur sagte - eine "laienhafte Einschätzung" dessen Gesundheitszustands vorzunehmen und darüber dem Gericht Bericht zu erstatten. Die Beiziehung eines Amtsarztes war kurzfristig nicht zu bewerkstelligen. Sollte die Polizei Zweifel an der Unpässlichkeit des Zeugen haben, könnte der Richter dessen zwangsweise Vorführung anordnen.

Maurer in erster Instanz verurteilt

Maurer war in dieser Causa im ersten Rechtsgang im Oktober 2018 wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.000 Euro verurteilt worden. Weitere 4.000 Euro wurden dem Lokalbetreiber für die "erlittene Unbill" zugesprochen. Zudem hätte Maurer die Kosten des Verfahrens übernehmen müssen. Das Wiener Oberlandesgericht (OLG) hob allerdings im März 2019 diese Entscheidung auf und ordnete eine Neudurchführung des Verfahrens an.

Bierwirt-Anwalt: "Nicht Aufgabe des Privatanklägers, einen Nachweis zu bringen"

Adrian Hollaender, Anwalt des Bierwirts, sieht die Beweislast bei der Angeklagten Sigrid Maurer. Daher mache das Nicht-auftauchen des Zeugen "Willi" für ihn keinen Unterschied, sagt er im Interview mit PULS 24 Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz.

Quelle: Redaktion / hos