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Atomkrieg: NATO probt ab sofort den Ernstfall

17. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die NATO hat ihr jährliches Manöver zur Verteidigung des europäischen Bündnisgebiets mit Atomwaffen begonnen.

Das bestätigte ein Sprecher am Montag in Brüssel. An der Übung "Steadfast Noon" werden nach Bündnisangaben in den kommenden zwei Wochen bis zu 60 Flugzeuge beteiligt sein - moderne Kampfjets, aber auch Überwachungs- und Tankflugzeuge sowie Langstreckenbomber vom Typ B-52. Schauplatz ist insbesondere der Luftraum über Belgien, Großbritannien und der Nordsee.

Die NATO betont, das Manöver sei keine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit Februar. Es kämen auch keine scharfen Waffen zum Einsatz. Bei der Übung handle es sich um "eine routinemäßige, wiederkehrende Ausbildungsmaßnahme, die in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Weltgeschehen steht". Sprecherin Oana Lungescu sagte: "Diese Übung trägt dazu bei, dass die nukleare Abschreckung des Bündnisses sicher und effizient bleibt."

Zum Übungsszenario und zu Details machte die NATO keine Angaben. Nach Angaben von Militärexperten wird bei den regelmäßig im Oktober stattfindenden Manövern geübt, wie man die US-Atomwaffen sicher aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und unter die Kampfjets montiert. Bei den Übungsflügen wird dann allerdings ohne die Bomben geflogen.

US-Atomwaffen sollen in Italien, Belgien, der Türkei sowie in den Niederlanden und in Deutschland lagern. Die nukleare Teilhabe der NATO sieht vor, dass sie im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden und dann zum Beispiel gegnerische Streitkräfte ausschalten.

Gut vorbereitet auf Atom-Krieg

Anders als bei früheren "Steadfast Noon"-Übungen ist in diesem Jahr, dass die NATO von sich aus über den Beginn informiert. In Bündniskreisen wird dies damit begründet, dass diesmal stärker als sonst gezeigt werden soll, dass die NATO selbst auf ein Schreckensszenario wie einen Atomkrieg gut vorbereitet ist.

Neue Sorgen vor einem russischen Atomwaffeneinsatz schürte zuletzt die völkerrechtswidrige Annexion von vier besetzten ukrainischen Gebieten. Präsident Wladimir Putin kündigte danach an, man werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Die Meinungen darüber, wie wahrscheinlich ein russischer Atomwaffeneinsatz in der Ukraine ist, gehen in der NATO allerdings auseinander.

Quelle: Redaktion / mbe