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Arbeitskampf: Die spannendsten Fakten zum Streiken

29. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Eisenbahner:innen und Brauer:innen taten es am Montag, der Handel droht damit am kommenden Wochenende. Arbeitskämpfe in Form von Streiks sind aufgrund der Teuerung in Österreich wieder ein Thema. Aber darf man in Österreich streiken? Wie viel wird gestreikt und wie läuft so ein Streik ab? Wir haben die wichtigsten Antworten.

Was ist überhaupt ein Streik?

Bei einem Streik entschließen sich Arbeitnehmer:innen kollektiv, für eine bestimmte Zeitdauer ihre Arbeit niederzulegen. Eine solche Maßnahme hat aber keinen Selbstzweck, sondern ist Teil des Arbeitskampfes. Die Streikenden verfolgen dabei ein bestimmtes Ziel und gehen koordiniert vor. Durch einen Streik wird Druck auf Arbeitgeber:innen ausgeübt, beispielsweise die Löhne zu erhöhen.

Darf man in Österreich streiken?

Streiken ist in Österreich nicht verboten. Im Gegenteil: Es gibt sogar ein Recht auf Streik, erklärt der Österreichische Gewerkschaftsbund. Dieses Recht ist auch verfassungsrechtlich geschützt. Wird man während eines Streiks gekündigt, muss die Kündigung durch Arbeitgeber:innen zurückgenommen werden.

Das Recht auf Streik gilt für alle Arbeitnehmer:innen. Nur Lehrlinge müssen die Berufsschule weiter besuchen.

Wie viel streiken die Österreicher:innen im europäischen Vergleich?

Die Zahlen könnten deutlicher nicht sein. Zwischen 2011 und 2020 gab es in Österreich pro 1.000 Arbeitnehmer:innen rund zwei Ausfalltage aufgrund eines Streiks. Weniger gestreikt wird nur unter unseren westlichen Nachbar:innen nur in der Schweiz mit einem Tag.

Deutlich mehr Lust auf Arbeitskampf gibt es da etwa in Frankreich (93 Tage) oder Belgien (97 Tage). Das ermittelte die gewerkschaftsnahe deutsche Hans-Böckler Stiftung.

Warum streiken die Österreicher:innen so wenig?

Das lässt sich zu weiten Teilen auf die österreichischen Sozialpartnerschaft zurückführen. Die Sozialpartner:innen, bestehend aus Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden, verhandeln die Kollektivverträge. Das Modell beruht auf dem Konsens-Prinzip, es geht darum, Kompromisse zu finden und grundsätzlich die Harmonie zu wahren. Darum fehlt in Österreich eine Streik-Kultur, denn Streiks sind ein Störfaktor für ein solches System.

Wie läuft ein Streik ab?

Meistens werden Streiks von der jeweiligen Teilgewerkschaft organisiert. Davor wird normalerweise eine Betriebsversammlung durchgeführt und sich vom ÖGB eine Streikfreigabe geholt, die allerdings primär finanzielle Gründe hat. Während eines Streiks kann es passieren, dass Teilnehmende kein Entgelt erhalten, da kein rechtlicher Anspruch darauf besteht. Für Gewerkschaftsmitglieder wird dieser Ausfall durch den ÖGB kompensiert.

Was wurde durch Streiks erkämpft?

Viele Arbeitnehmer:innenrechte wurden durch Streiks erkämpft. Einer der bekanntesten österreichischen Streiks ist der Frauenstreik von 1893 in der Textilindustrie. Dabei wurden etwa eine Arbeitszeitverkürzung auf zehn Stunden und ein Minimallohn erkämpft. 

Um erfolgreiche Streiks zu beobachten, muss man jedoch nicht über 100 Jahre in der Geschichte zurückgehen, es reichen zwei Wochen. Hafenarbeiter:innen in Liverpool haben mithilfe eines Streiks im November Lohnerhöhungen zwischen 14 und 18 Prozent erreicht.

Magdalena BergerQuelle: Redaktion / mbe