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92 Migranten nackt über Grenzfluss getrieben

17. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Laut Frontex Sprecherin der EU-Behörde habe man bei der Rettung unterstützt, der griechische Grenzschutz berichtet von demütigender und unmenschlicher Situation. Ankara und Athen gaben sich für den Vorfall gegenseitig die Schuld.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hat einen Vorfall bestätigt, bei dem am vergangenen Freitag 92 Migranten nackt über den Grenzfluss Evros von der Türkei nach Griechenland getrieben worden sein sollen. Die Menschen seien fast nackt aufgefunden und manche sichtbar verletzt gewesen, so eine Sprecherin der EU-Behörde.

Der Vorfall sei umgehend an den Frontex-Zuständigen für Grundrechte weitergeleitet worden, um eine mögliche Verletzung von Grundrechten zu überprüfen. Der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis kündigte an, den Vorfall nächste Woche bei einem Besuch in New York bei den Vereinten Nationen zur Sprache zu bringen. Es gebe dazu auch Foto- und Videomaterial. Die EU-Kommission habe er bereits informiert, twitterte Mitarakis am Montag.

Niemand will Verantwortung

Der griechische Bürgerschutzminister Takis Theodorikakos sprach von barbarischem Verhalten, das ans Mittelalter erinnere. Der türkische Vize-Innenminister hingegen twitterte, Griechenland versuche, die eigene Grausamkeit der Türkei unterzuschieben.

Zuvor hatten griechische Behörden und Medien am Samstag ein Foto veröffentlicht, das die nackten Menschen zeigte. Einige Migranten berichteten, sie seien in drei Fahrzeugen der türkischen Behörden an die Grenze transportiert und dort in Schlauchboote gesetzt worden, um den Fluss zu überqueren. Frontex und die griechischen Grenzer hätten die Migranten bekleidet und versorgt, teilte die Grenzschutzagentur mit. Die Menschen sollen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan stammen.

Der Generalsekretär des griechischen Grenzschutzes in Evros, Dimitris Derventlis, zeigte sich schockiert. "Am Samstagmorgen retteten meine Kollegen eine große Gruppe illegaler Einwanderer und erlebten dabei einen unmenschlichen und entwürdigenden Anblick", beschrieb er die Situation. Die Migranten seien von türkischen Militärs geschlagen worden, sagte er am Montag im Gespräch mit dem Staatsfernsehen ERT. Derventlis verwies darauf, wie schwierig die Wetterbedingungen sind: Morgens, obwohl es Oktober ist, ist es sehr kalt und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. "Die meisten der Migranten stammen aus Afghanistan, ein paar aus Syrien und Pakistan, alle Männer sind im Alter von 22 bis 25 Jahren", sagte er.

Quelle: Agenturen