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64 von 1.158 Linzer Straßennamen historisch problematisch

Die Stadt Linz hat ihre 1.158 Straßen und öffentlichen Plätze von einer Historikerkommission nach möglichen belasteten Namensgebern durchleuchten lassen. Zu 184 Personen wurde recherchiert, 64 wurden als problematisch eingestuft. Nun muss die Stadtpolitik entscheiden, was mit jenen Straßen und Plätzen geschieht, meinte Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Dienstag in einer Pressekonferenz.

Stadtarchivar Walter Schuster, der die Kommission leitete, führte aus, dass der Fokus der Untersuchung auf nationalsozialistischem Gedankengut gelegen sei. Aber es galt ebenso, Personen mit fragwürdiger, sprich antidemokratischer, rassistischer oder antisemitischer Gesinnung zu ermitteln, stellte er klar. Schuster sowie die weiteren Kommissionsmitglieder - Cornelia Daurer vom Stadtarchiv Linz, Marcus Gräser, Vorstand des Instituts für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte der Johannes Kepler Uni Linz, Brigitte Kepplinger, Obfrau des Vereins Schloss Hartheim, Martin Krenn, Abteilungsdirektor des Archivs für Wissenschaftsgeschichte im Naturhistorischen Museum Wien, sowie Cornelia Sulzbacher, Direktorin des oö. Landesarchivs - ordneten die Namen dann drei Kategorien zu.

Ausschlaggebend bei der Einteilung war vor allem, wie aktiv und exponiert die Namensgeber Extrempositionen eingenommen haben. Der höchsten Kategorie 1 ordneten die Experten vier Namen zu: Komponist Hans Pfister als "überzeugter und radikaler Antisemit", Ferdinand Porsche, der "eine zentrale Funktion in der NS-Kriegswirtschaft" einnahm und "aktiv die Zwangsarbeit förderte", Unterhaltungskünstler Franz Resl, der als "NS-Protagonist einen radikalen Antisemitismus vertrat", und Bischof Johannes Maria Gföllner, der "1933 in einem Hirtenbrief den Antisemitismus propagierte", wie Schuster kurz deren Vita anriss.

In der nächsten Kategorie 2 mit 21 belasteten Personen finden sich u. a. Namen wie Ex-Landeshauptmann Heinrich Gleißner, Ex-Kanzler Julius Raab, Franz Dinghofer oder Franz Stelzhammer. In Stufe 3 werden 39 Personen aufgelistet, die eher "punktuell verbal NS-Propaganda" betrieben haben, so Schuster. Weiter hat die Kommission noch 31 verdächtige Namen herausgefunden, zu denen es aber keinen Diskussionsbedarf gebe, da sie nicht den drei Belastungskriterien zuzuordnen waren. Bei einer weiteren Person, dem Arzt Andreas Plenk, in dessen Abteilung am Linzer AKH zur NS-Zeit Zwangssterilisationen durchgeführt wurden, konnte kein persönliches Mitwirken nachgewiesen werden. Schuster legte Wert auf die Feststellung, dass die Zuordnung in die Kategorien von der Kommission einstimmig erfolgt sei.

Seit Dienstag ist der zwei dicke Bände umfassende Bericht auf der Homepage der Stadt nachzulesen. Lugers Ziel ist es, noch in diesem Jahr "Klarheit über das weitere Prozedere" zu erzielen, dem er in der Pressekonferenz nicht vorgreifen wollte. Jedoch geht er davon aus, dass "alle Fraktionen jene vier Personen aus der Kategorie 1 auch als so problematisch ansehen werden, dass es zu einer Diskussion zur Umbenennung kommen wird".

"Mit dieser Aufstellung liegt erstmals umfassend und wissenschaftlich aufgearbeitet auf dem Tisch, welche Straßen in unserer Stadt nach historisch belasteten Personen benannt sind. Das ist ein wichtiger Schritt in der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit" reagierte der Grüne Klubobmann Helge Langer auf den Bericht. Dieser sei ein "wichtiger Grundstein für das weitere Vorgehen".

ribbon Zusammenfassung
  • Die Stadt Linz hat ihre 1.158 Straßen und öffentlichen Plätze von einer Historikerkommission nach möglichen belasteten Namensgebern durchleuchten lassen.
  • Zu 184 Personen wurde recherchiert, 64 wurden als problematisch eingestuft.
  • In der nächsten Kategorie 2 mit 21 belasteten Personen finden sich u. a. Namen wie Ex-Landeshauptmann Heinrich Gleißner, Ex-Kanzler Julius Raab, Franz Dinghofer oder Franz Stelzhammer.