APA - Austria Presse Agentur

"Zauberflöte": Gregor Bloébs erste Opernregie mit Pfiff

01. Nov 2021 · Lesedauer 3 min

In seiner ersten Opernregierarbeit hat Gregor Bloéb am Sonntag am Innsbrucker Landestheater "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart in Szene gesetzt. Mit dem starken Einsatz von schauspielerischen Elementen, einer Prise Klamauk und dem schrillen Bühnenbild konkretisierte Bloéb so manche Doppelbödigkeit des Mozart-Klassikers und bot beste Unterhaltung. Das Premierenpublikum dankte mit teils frenetischen Beifallsbekundungen.

Dabei ging Bloéb so manches Risiko ein. Papageno, stark gesungen und verkörpert von Philippe Spiegel, sah man wohl noch selten so volksnah, folkloristisch und vor allem tirolerisch. Vor Freude entfuhr ihm im Angesicht seiner attraktiven Papagena ein archaischer "Juchezer", und auch sein erster Auftritt glänzte mit Schuhplattler-Andeutungen.

Im starken Kontrast dazu stand das zeitlose und zugleich zeitgeistige Bühnenbild. Märchenhafte Verklärung suchte man ebenso vergebens wie einen Bezug zur Entstehungszeit der Oper. Dafür gab es deutliche Gegenwartsbezüge, etwa als der stimmgewaltige Auftritt von Johannes Maria Wimmer als Sarastro in Sachen Bühnengestik eher an ein Rockkonzert denn an eine Oper erinnerte. Auch die Königin der Nacht, beeindruckend gesungen von Sophia Theodorides, hatte einen Auftritt, der so manchem Popstar gut zu Gesicht gestanden wäre.

Die prominent auf der Bühne eingesetzten modernistischen Leuchtkörper verstärkten den zeitgeistigen Eindruck mit Tendenz zur Theatralik weiter. Wald und Vögel waren, abgesehen vom Kostüm des Papageno, in weite Ferne gerückt, während die Oper selbst ganz im Hier und Jetzt angekommen schien. Da wirkten selbst die drei Knaben, die oft als Einflüsterer auf dem schwierigen Pfad von Tamino und Papageno fungierten und von Zeit zu Zeit über die Bühne schwebten, als ob sie ihre Botschaften vom alpinen Sessellift herunter verkündeten.

So wurde der Weg von Prinz Tamino, der für seine Pamina herausfordernde Aufgaben erfüllen musste, in der Bloéb-Inszenierung zu einer amüsanten Achterbahnfahrt mit einigen Irritationsmomenten. Nicht nur die offenbare Verlagerung des Opernstoffes nach Tirol und zugleich ins utopische Irgendwo bewirkten diese Augenblicke, sondern etwa auch die futuristische Darstellung der Schlangen, die Tamino in der Eingangsszene bedrohten.

Doch nicht nur diese Kunstgriffe von Bloéb und seinem Team zeigten große Wirkung. Auf der insgesamt kargen Bühne - im Gegensatz dazu standen die überaus farbenfrohen Kostüme - glänzten zahlreiche Sängerinnen und Sänger. Jon Jurgens als Tamino wusste zu überzeugen, und Philippe Spiegel als Papageno erntete für seine Gesangsleistungen verdientermaßen lauten Applaus. Grandios sang auch Susanne Langbein in ihrer Rolle als Pamina.

Dazu musizierte das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck unter der musikalischen Leitung von Andrea Sanguineti schlank und präzise, fast schon unauffällig, als wollte man den Darstellern auf der Bühne die eindeutigen Hauptrollen zuschanzen. Die Fokussierung auf Schauspiel, Handlung und eindeutigen Funktionszuweisungen für die Protagonisten und Nebenrollen machte sich beim Publikum jedenfalls offensichtlich bezahlt. Sowohl der Regisseur Gregor Bloéb als auch die Darsteller wurden mit tosendem Beifall belohnt.

(S E R V I C E - "Die Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart am Tiroler Landestheater, Rennweg 2, 6020 Innsbruck. Musikalische Leitung: Andrea Sanguineti, Regie: Gregor Bloéb, Bühne/Kostüme: Laura Malmberg und Paul Sturminger. Mit Johannes Maria Wimmer - Sarastro, Jon Jurgens - Tamino, Philippe Spiegel - Papageno, Susanne Langbein - Pamina, Sophia Theodorides - Königin der Nacht, Joachim Seipp - Sprecher), u.a.. Weitere Aufführungen am 5., 7., 12., 14., 25. und 27. November, am 1., 2. und 26. Dezember, am 13. und 27. Jänner sowie am 9. Februar. www.landestheater.at)

Quelle: Agenturen