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Valerie Pachner spielt im "Jedermann" Buhlschaft und Tod

01. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Es war bereits durchgesickert, am Donnerstag machten es die Salzburger Festspiele auf einer Pressekonferenz in Wien offiziell: Burgschauspieler Michael Maertens spielt ab 2023 den Jedermann im gleichnamigen Traditionsstück von Hugo von Hofmannsthal, seine Buhlschaft ist die vor allem durch ihre Filme bekannte österreichische Schauspielerin Valerie Pachner, die (eine Überraschung und Novität) auch den Tod spielen wird - und das wohl ganz anders als zuvor Edith Clever.

Dadurch, dass Lars Eidinger und Verena Altenberger im vergangenen Sommer nach der Premiere erklärt hatten, dass für sie nach zwei Saisonen als Jedermann und Buhlschaft wieder Schluss sei, waren Schauspielchefin Bettina Hering und Regisseur Michael Sturminger gezwungen, für 2023 eine neue Besetzung zu suchen. Diese wurde auch in fast allen anderen Positionen verändert. So wird Sängerin Anja Plaschg (Soap&Skin) von Kathleen Morgeneyer den Glauben übernehmen, Cornelia Froboess von Angela Winkler die Rolle von Jedermanns Mutter. Sarah Viktoria Frick verkörpert nicht nur den Teufel (bisher: Mavie Hörbiger), sondern auch Gott.

Es handle sich bei der neuen Besetzung um den 21. Jedermann und die 36. Buhlschaft der Festspielgeschichte, sagte Präsidentin Kristina Hammer und gedachte ebenso wie nach ihr Bettina Hering der gestern gestorbenen "ganz besonderen Buhlschaft" Christiane Hörbiger. Sturminger habe mit Tobias Moretti und Lars Eidinger gezeigt, "dass der Jedermann in sehr unterschiedlichen Welten zu Hause sein kann", sagte Hering, die gemeinsam mit dem Regisseur die neue Besetzung entwickelt hat, "neu sind nämlich fast alle", da sich mit einem neuen Jedermann-Darsteller "das ganze Koordinatensystem" ändere und ein neues Ensemble entstehe.

Maertens, der im kommenden Jahr sein 30-jähriges Festspieljubiläum feiert (1993 spielte er in der Uraufführung von Botho Strauß' "Das Gleichgewicht" erstmals in Salzburg), hat vorerst für zwei Jahre unterschrieben, steht also auch 2024 im ersten Jahr der neuen Schauspielchefin Marina Davydova auf dem Domplatz. Hering nannte dies "eine Brücke", die zu ihrer Nachfolgerin geschlagen werde. Maertens versicherte, er werde sich dafür einsetzen, dass ihm seine Bühnenpartnerin auch über den kommenden Sommer erhalten bleibe. Die ganze Besetzung sei "spektakulär": "Ich bin stolz auf diese Besetzung und erwarte mir da Unglaubliches."

"Wenn Michi aufhört, bin ich auch dahin", sagte Regisseur Sturminger, der es "ein Privileg" nannte, nun mit dem dritten Hauptdarsteller auf die Reise zu gehen und den Salzburger "Jedermann" mit einem Zug verglich: "Jeder fährt ein Stück mit, manchmal ist es kürzer, manchmal länger. Aber jeder muss auch wieder aussteigen." Wohin die Reise mit der "noch die da gewesenen" Doppelrolle Tod und Buhlschaft gehen werde, könne er noch nicht sagen, sagte Sturminger, der jedoch andeutete, es werde vielleicht weniger der Tod eines Einzelnen, sondern das mögliche Ende von uns allen im Zentrum stehen: "Es gibt ja eine gute Fülle von dystopischen Aussichten, die um unsere Aufmerksamkeit kämpfen."

Pachner freute sich über die Klammer, die ihr mit der Buhlschaft ("Sie steht für die Liebe, das Lebendige, das Leben.") und der Rolle des Todes spannende schauspielerische Herausforderungen biete. Diese Doppelbesetzung sei logische Folge der schon länger angestellten Überlegungen, allegorische und reale Figuren miteinander zu verbinden, betonte Hering, die am Ende der kommenden Saison 98 "Jedermann"-Vorstellungen verantwortet haben wird. Seit 1920 wurde der "Jedermann" im Rahmen der Salzburger Festspiele 757-mal aufgeführt. Die Premiere 2023 ist am 21. Juli, danach stehen bis 29. August 13 weitere Vorstellungen auf dem Programm, dessen weitere Eckpunkte die Festspiele am 9. Dezember bekanntgeben wollen.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)

Quelle: Agenturen