APA/APA/Belvedere Wettbewerb

US-Countertenor gewinnt 40. Belvedere-Bewerb

12. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Der Erste wurde auch der Erste: US-Countertenor Key'mon Murrah, der in der Finalrunde am Samstagabend mit Startnummer 1 antrat, wurde am Ende der große Gewinner des Belvedere-Wettbewerbs 2022. Der 32-Jährige setzte sich in Lettland bei der 40. Ausgabe des renommierten Gesangswettbewerbs breitflächig gegen die Konkurrenz durch und holte nicht nur den mit 7.000 Euro dotierten Hauptpreis, sondern auch jenen der Medienjury und konnte sich ein Engagement in Köln sichern.

Murrah überzeugte mit seinem bronzeschimmernden, beinahe bruststimmig anmutenden Soprancounter und folgt mit seinem Triumph auf Josh Lovell, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, der im Vorjahr bei der Belvedere-Ausgabe im deutschen Erfurt erfolgreich war. Heuer fand der ursprünglich in Wien beheimatete Bewerb nun im lettischen Badeort Jūrmala statt, wo man bereits 2018 gastiert hatte.

Auf Platz 2 in der Dzintaru koncertzāle unweit des Ostseestrandes landete der 28-jährige Ukrainer Nikita Ivasechko mit einem vielversprechenden Bariton, der überdies ein Engagement bei der Deutschen Oper am Rhein ergatterte. Und schließlich sicherte sich auch der südafrikanische Bass Reuben Mbonambi einen Platz am Stockerl.

Beim Belvedere winken den Teilnehmern neben den eigentlichen Auszeichnungen auch Rollen an renommierten Häusern, setzt sich die Opernjury doch aus Vertretern von Klassikinstitutionen wie der Dresdner Semperoper, dem Londoner Royal Opera House Covent Garden oder der New Yorker Metropolitan Opera zusammen. In Kärnten zu erleben sein wird indes kommendes Jahr die junge Israelin Maya Gour, die als Mezzosopranistin zum CS Rising Star 2023 des Carinthischen Sommers gekürt wurde.

Schließlich ist CS-Intendant Holger Bleck mit Gründer-Witwe Isabella Gabor einer der beiden Organisatoren des Belvedere-Wettbewerbs für Nachwuchssänger, der 1982 in Wien gegründet wurde und vor zehn Jahren wegen Querelen um die Finanzierung den Gang in die Welt antrat.

Nachdem man die Ausgabe 2020 covidbedingt absagen musste, blieb der Klassikbewerb nun auch von der aktuellen Krise, dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, nicht unbetroffen. "Natürlich hatte der Krieg Auswirkungen, nachdem wir beim Belvedere-Bewerb traditionell immer rund zehn Prozent der Teilnehmer aus Russland hatten", betonte Holger Bleck im APA-Gespräch. Diese seien nun praktisch völlig weggefallen. Auch habe es etwa in Japan keine Qualifikationsrunden gegeben, da man dort Angst vor dem Krieg in Europa hatte.

So zählte man nur knapp 900 Sängerinnen und Sängern in den weltweit 50 Qualifikationsrunden anstelle der einst üblichen rund 1.100. 119 Nachwuchstalente aus 41 Ländern qualifizierten sich schließlich für die Endrunden am Rigaischen Meerbusen.

Nicht zuletzt hatte der Ukraine-Konflikt auch Folgen für das traditionelle Netzwerk der Institutionen, strich die Moskauer Helikon-Opera unter ihrem Intendanten Dmitry Bertman doch die Qualifikationsrunde in der russischen Hauptstadt. "Sie hatten Probleme damit, dass wir uns auf der Homepage sehr klar positioniert und den Krieg verurteilt haben", so Bleck. Zugleich wolle er hier von seiner Seite nicht alle Brücken abbrechen: "Die Situation für die Menschen vor Ort ist schwer einzuschätzen. Sie können zwar mutig sein - aber das sind sie einmal. Ich verurteile meinen Kollegen deshalb nicht."

Die nähere Zukunft führt den Belvedere-Wettbewerb nun jedenfalls nach Dortmund. Dort wird man 2023 die Zelte aufschlagen.

(S E R V I C E - www.belvedere-competition.com)

Quelle: Agenturen