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The Smile kann bei Debüt Radiohead nicht ganz abschütteln

12. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Die erste Kostprobe ließ noch eher ungestümen Rock erwarten, doch bei der britischen Band The Smile schimmert dann doch Radiohead durch - und damit intelligenter Pop mit experimenteller Note. Kein Wunder, stecken hinter der Gruppe mit Sänger Thom Yorke und Gitarrist Jonny Greenwood doch auch zwei Mitglieder der legendären Artrock-Formation. Komplettiert werden sie auf ihrem morgen erscheinenden Debüt "A Light For Attracting Attention" von Jazzdrummer Tom Skinner.

Gemeinsam hat das Trio 13 Songs auf Platte gebannt, die sich mal vorsichtig in Richtung atmosphärisches Liedgut entwickeln wie beim Opener "The Same", aber auch reichlich Gebrauch von verzerrten Gitarren machen, wie das bereits zu Jahresbeginn veröffentlichte "You Will Never Work In Television Again" beweist. Das elegisch-gruselige "Pana-vision" wiederum lebt von einer dominanten Klaviermelodie, unter der sich das hier gemütlich angelegte Schlagzeugspiel von Skinner ausbreitet. Seine etwa bei Sons Of Kemet an den Tag gelegt Virtuosität hält der Musiker vornehm zurück. Statt wildem Jazz sind es vielmehr die kleinen, feinen Gesten, die bei The Smile im Vordergrund stehen.

Das verdeutlicht auch die orchestrale Unterstützung, die bei mancher Nummer zum Tragen kommt. Dafür griff man auf die Hilfe der Streicher des London Contemporary Orchestra ebenso zurück wie eine aus zeitgenössischen Jazzmusikern bestehende Bläsersektion. Wer da an das jüngste Radiohead-Werk "A Moon Shaped Pool" mit seinen großartigen Arrangements denkt, liegt zwar nicht ganz falsch. An dessen Glanz kann The Smile aber nicht ganz anschließen: Wurde man damals von Stücken wie dem höchst energetischen "Burn The Witch" sofort abgeholt, brauchen diesmal "The Smoke" oder "The Opposite" eindeutig länger, um zu zünden.

Dabei tut die manchmal angewandte Reduktion der Kompositionen dem grundsätzlichen Hörgenuss keinen Abbruch. Eine wunderschöne Yorke-Gesangsmelodie wie in "Speech Bubbles" werden Fans des Musikers, der auch mit diversen Soloprojekten in Erscheinung getreten ist, in jedem Fall begierig aufsaugen. Hier funktioniert der Fokus auf das Wesentliche, spürt man den von Yorke beschworenen "pouring rain" sofort auf der Haut und träumt man sich zu den Worten des Sängers fort. Auch das direkt anschließende "Thin Thing" weiß mit seiner sperrigen Darbietung zu fesseln, entlockt Greenwood seinem Instrument doch herrlich schräge Tonfolgen, zu denen Skinner endlich auch einigermaßen wirbeln darf.

Schlussendlich ist es aber doch immer wieder der Vergleich mit Radiohead, der für The Smile Fluch und Segen zugleich ist: Natürlich sind alle gespannt, was das Gespann Yorke-Greenwood in dieser Konstellation fabriziert. Allerdings werden sie sich stets am Erfolg und der hohen Qualität ihrer Hauptband messen lassen müssen. Eine bloße Fingerübung ist "A Light For Attracting Attention" deshalb aber keineswegs, dafür ist die von - eh klar - Radiohead-Intimus Nigel Godrich produzierte Platte dann doch zu gut geworden. Nur neu klingt all das nicht. Man darf trotzdem gespannt sein, wie die Liveumsetzung funktioniert. Am 17. Mai spielen The Smile im Wiener Gasometer.

(S E R V I C E - www.thesmiletheband.com)

Quelle: Agenturen