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Stecklows "Terminal": mumok wird zu Flughafenhalle mit Gehör

17. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Viel zu entdecken gibt es in dieser fingierten Flughafen-Ankunftshalle: Schon beim Betreten von Jesse Stecklows mumok-Ausstellung "Terminal" muss man sich vor einer weißen Platte stehend entscheiden, in welche Richtung es denn gehen soll. Egal, ob man nun nach links oder rechts schreitet, am Ende der Platte grüßt ein Ohr - eines der vielen sich wiederholenden Elemente der Installationen, die ab Freitag bis zum 25. September im Wiener mumok zu sehen sind.

Das Ohr ähnelt dabei bloß dem eines Menschen. Es sei ein Fossil aus dem Innenohr eines Wals, erzählte der amerikanische Künstler bei der Presseführung am Dienstag. Um menschliche Ohren geht es aber auch: An einem Gerät an einer Seite des Raums werden Ohrenabdrücke gesammelt, das Bild eines solchen Abdruck findet sich auf der anderen Seite auf einem Behälter, in dem sich ein Maiskolben befindet, wieder. In mehreren solchen Behältern drehen sich Maiskolben immer wieder für 30 Sekunden - sie sollen an die wackelnden Ohren seines verstorbenen Großvaters erinnern, sagte Stecklow.

Die erste museale Einzelausstellung des 1993 geborenen Amerikaners in Europa, kuratiert von Marianne Dobner, wird zum audiovisuellen Erlebnis. Die Maiskolben machen Lärm, sind aber nicht der lauteste Part. Denn an anderer Stelle steht ein Koffer, aus dem es in regelmäßigen Abständen auf den Boden klopft. Und auch der Ausstellungsraum selbst dient als Tongeber: Dessen Form hat Stecklow eine Box mit integrierter Kugel nachempfunden, die sich ab und an dreht.

Nicht nur das Ohrenabdruck-Sammelgerät spricht von der Datenaffinität des in Los Angeles lebenden Künstlers. Aluminiumumhüllte Luftprobensammler messen außerdem die Wiener Museumsatmosphäre. Auch vier horizontale Ausstellungsflächen beleben den nur auf den ersten Blick kahl wirkenden Raum im mumok-Untergeschoss.

Darauf befinden sich unter anderem die Maiskolben-Behälter, jede Fläche besitzt ihre Eigenheiten. Sie seien ein Mix aus Flughafen-Gepäckband und Esstisch, so Stecklow, der auf eine Verschiebung zwischen öffentlichen und privaten Räumen während der Pandemie hinweist. Darüber wechseln sich je zwei Birnen, eine mit kaltem, eine mit warmem Licht, asynchron beim Leuchten ab - auch sie eine Verbindung von persönlichem, warm beleuchteten und künstlerischem, kalt beleuchteten Raum. Zumindest künstlerischen Mehrwert hatte die Pandemie also, deretwegen die Ausstellung mehrmals verschoben worden war.

(S E R V I C E - "Jesse Stecklow - Terminal" von 20. Mai bis 25. September im mumok, MuseumsQuartier, Wien 7, geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, www.mumok.at)

Quelle: Agenturen