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Staatssekretärin Mayer will ORF-Orchester erhalten

21. Feb. 2023 · Lesedauer 4 min

Die neuen ORF-Sparpläne von Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) und ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sehen das Ende des ORF Radio-Symphonieorchesters (RSO) vor. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) springt für das Orchester in die Bresche.

"Es kann und darf nicht sein, dass dieser wunderbare Klangkörper Sparzwängen zum Opfer fällt", so Mayer. Sie werde sich auf Regierungsebene entsprechend in den kommenden Wochen einsetzen."Für mich ist klar: Es muss eine Lösung für den Fortbestand des RSO geben", stellte Mayer klar und verwies dabei auch auf den kulturellen Auftrag des ORF, der bei allen Sparplänen nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Schließlich sei das RSO ein Orchester von Weltrang.

Auch die Grüne Kultursprecherin Eva Blimlinger reihte sich in die Phalanx ein und streute dem RSO Rosen: "Es hat ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Bereich der zeitgenössischen Musik und ist nicht wegzudenken für den Erhalt des lebendigen Musiklebens in Österreich." Das Orchester sei unersetzbar für den heimischen Kulturstandort: "Das Radio-Symphonieorchester muss erhalten bleiben - wir Grüne sehen es als gemeinsame Aufgabe der Kulturnation Österreich, eine Lösung zu finden, die den Erhalt des Orchesters sicherstellt."

Orchester: Opfer eines Koalitionsstreits?

Gegenüber dem "Standard" stimmte auch der zweite Regierungspartner, die ÖVP, in den Chor der RSO-Unterstützer ein. Kultursprecherin Maria Großbauer hielt demnach fest, dass "dieser wunderbare und wichtige Klangkörper natürlich Bestand haben muss". Sie könne sich "nur wundern" über die Idee, das RSO einsparen zu wollen. "Wo bleibt der Kulturauftrag des ORF, wenn man gerade hier sparen will?" Dass das RSO bereits zum wiederholten Mal infrage gestellt wird, finde sie betrüblich. Jedenfalls sei das aus ihrer Sicht keine ÖVP-Idee, sie kenne niemanden in der Partei, der diese Einsparung mittragen wolle und werde sich sehr für eine tragfähige Lösung einsetzen.

Einen innerkoalitionären Streit ortete indes SPÖ-Kultursprecherin Gabriele Heinisch-Hosek: "Das ist ein Regierungsstreit auf dem Rücken der Künstler:innen, der dem RSO als Kulturinstitution auch massiv schadet." Es sei aber inakzeptabel, dass die aktuelle Diskussion um die ORF-Finanzierung zu einem kulturellen Kahlschlag führe. Stattdessen solle das RSO im ORF-Gesetz verankert werden.

Abschaffung wäre "politischer Selbstmord"

Vor einem kulturellen Suizid warnte Bernhard Günther, Chef des Neue-Musik-Festivals Wien Modern: "Die Abschaffung des RSO Wien, ausgerechnet auf medial aufgebauten Druck der Bundesregierung, käme einem politischen Selbstmord des Kulturlandes Österreich gleich." Das RSO gehöre zu den zentralen Säulen des österreichischen Kulturlebens und damit nicht zuletzt des ORF: "Das RSO Wien ist eines der wesentlichen Argumente für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich."

Er forderte die ÖVP-geführte Bundesregierung zur Kehrtwende auf: "Der von der Regierung wohl nicht beabsichtigte Eindruck, ausgerechnet eine konservative Partei in Regierungsverantwortung ließe sich vom Populismus so durchs Dorf treiben, dass der ORF und das österreichische Kulturleben nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden, sollte schnellstens korrigiert werden."

Jelinek spricht von "Kulturschaden"

Zu harten Worten griff gegenüber "News" aktuell auch Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: "Das wäre wirklich eine Kulturschande für eine Nation, die sich auf Kultur beruft, als wäre ihr zweiter Vorname: Kulturnation!" Das Motto der Politik sei hier eindeutig: "Ausradieren, die blöden Instrumente. Wir wissen besser, welche Instrumente wir brauchen, das ist ihr Leitspruch. Unsere Instrumente stimmen! Und was stimmt, entscheiden wir. Wir haben das Instrument der Korruption, das Instrument der Vetternwirtschaft (da gibt es keine weibliche Form), das Instrument der fetten Sparprogramme und das Instrument des Schlaucherltums und noch ein paar andre mißtönende Geräte, aus denen nie was rauskommt."

Und auch die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) machte am Dienstag dem RSO die Mauer. Schließlich habe der ORF als mediale Infrastruktur gleichsam die Aufgabe einer Grundversorgung in vielen Bereichen. "Nicht nur deswegen ist die Kulturpolitik aufgefordert, den Erhalt des RSO sicher zu stellen", hieß es.

Ins selbe Horn stieß die Kollegenschaft der Orchestergewerkschaft in der younion. "Die verantwortliche Politik und die Geschäftsführung des ORF hat dafür Sorge zu tragen, dass der gesetzliche Kulturauftrag des ORF auch im Sinne des RSO Wien Orchesters weiterhin umgesetzt wird", so Sektionssekretär Thomas Dürrer.

Bereits am Montag hatte die IG Freie Theaterarbeit auf die herausragende Rolle des RSO nicht zuletzt als Auftraggeber für Komponistinnen und Komponisten verwiesen: "Diese Leistung erbringt kein anderes Orchester in Österreich auch nur annähernd. Das RSO ist außerdem das einzige Berufsorchester Österreichs mit einer Chefdirigentin!"

Quelle: Agenturen