APA - Austria Presse Agentur

Staatsoper spielt im Dezember fünf Vorstellungen für den ORF

27. Nov 2020 · Lesedauer 4 min

Niemand weiß derzeit, wann die Theater-, Konzert- und Opernhäuser in Österreich wieder aufsperren dürfen. Auch Staatsopern-Direktor Bogdan Roscic nicht. Dennoch soll man auf die geplanten Höhepunkte des Dezember-Spielplans seines Hauses nicht verzichten. Die Pläne stellte Roscic heute mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vor. Fünf Produktionen werden im Dezember live gespielt und gezeigt: "Tosca", "Werther", "Der Rosenkavalier", "Mahler, live" und "Das verratene Meer".

"Wir wissen nicht, wie es nach dem 6. Dezember weitergeht. Wir haben alle eine gewisse Vermutung. Aber sollten wir spielen können, werden wir spielen", versicherte der Staatsopern-Chef, der im gleichen Atemzug die Kurzfristigkeit der anstehenden Entscheidungen der Bundesregierung kritisiert. Man habe aber nicht auf diese Beschlüsse warten können und gemeinsam mit dem langjährigen Partner ORF ein Konzept entwickelt, "dass wir im Dezember auf jeden Fall spielen, unabhängig von der Wiedereröffnung mit Publikum. Wir werden durch diese Kooperation fünf Abende im Haus spielen - jeweils eine komplette Vorstellung, nur ohne Publikum." Dafür werde der veröffentlichte Spielplan, für den der Kartenverkauf ohnedies bereits seit längerem gestoppt sei, geringfügig adaptiert.

Wie bereits bekannt wird der neue Ballettabend "Mahler, live" am 4. Dezember aufgezeichnet und am selben Abend live-zeitversetzt auf Arte Concert (wo er für 90 Tage abrufbar ist) gestreamt. Die Uraufführung "4", die erste Wiener Choreographie des neuen Staatsballett-Direktors Martin Schläpfer, wird am 8. Dezember, 9.05 Uhr, auf ORF 2 ausgestrahlt, "Live" folgt im ORF zu einem späteren Zeitpunkt.

"Werther" mit dem Wiener Rollendebüt von Piotr Beczala wird am 10. Dezember aufgezeichnet und am 10. Jänner 2021 um 20.15 Uhr auf ORF III ausgestrahlt. Die aus 1958 stammende "Tosca"-Inszenierung von Margarethe Wallmann bekommt durch das Wiener Rollendebüt von Anna Netrebko als Tosca erhöhte Aufmerksamkeit. Die Aufzeichnung der Vorstellung am 13. Dezember wird um 19 Uhr live auf Ö1 ausgestrahlt und ist um 20.15 Uhr live-zeitversetzt auf ORF III zu sehen.

"Das verratene Meer" von Hans Werner Henze, erster Teil einer auf fünf Jahre angelegter Serie von Werken der klassischen Moderne und die erste echte Neuproduktion der Direktion Roscic, wird nun am 14. Dezember, einen Tag später als ursprünglich geplant, erstmals aufgeführt und gleichzeitig auf play.wiener-staatsoper.at weltweit live und kostenlos gestreamt. Ö1 bietet am 15. Dezember ab 19.30 Uhr eine Ausstrahlung. Warum der ORF auf eine TV-Ausstrahlung verzichte, begründete Wrabetz auf APA-Nachfrage damit, man wolle sich angesichts der großen Herausforderung des ganzen Projekts auf jene Produktionen konzentrieren, "bei denen die Begeisterung schon von vornherein eine große ist". Er gehe aber davon aus, dass der ORF zu einem späteren Zeitpunkt den Stream der Staatsoper ausstrahlen werde.

Und schließlich wird die musikalische Neueinstudierung der Otto-Schenk-Inszenierung von "Der Rosenkavalier", die am 18. Dezember im Haus aufgezeichnet wird, am 27. Dezember um 20.15 Uhr auf ORF III ausgestrahlt. "Der 'Rosenkavalier' ist eine der beiden Produktionen, mit denen wir nächsten Herbst nach Japan fahren werden", sagte Roscic und wies darauf hin, dass Günther Groissböck erstmals an der Staatsoper den Ochs singen werde.

"Wir haben als ORF in Zeiten wie diesen eine besondere zusätzliche Verantwortung", sagte Generaldirektor Alexander Wrabetz. Es gehe darum, "nicht nur zu informieren, sondern dass wir auch in den anderen lebenswichtigen Bereichen on air bleiben". Für die Aufzeichnungen versprach er "maximale Sicherheitsvorkehrungen". Im Herbst habe man sich als Besucher in der Oper so sicher fühlen können wie an kaum einem anderen Ort.

Das betonte auch Roscic in seinem kurzen Rückblick. Die Sicherheitskonzepte hätten sich als absolut wirksam erwiesen. "Im Resultat waren wir das einzige Haus der Welt, das Abend für Abend gespielt hat - mit vollem Programm, vor 1.000 bis 1.100 Menschen. Das war nicht immer einfach." Man haben drei Premieren gespielt, einige Wiederaufnahmen und dabei rund 95 Prozent Auslastung erreicht. Seit dreieinhalb Wochen sei man nun dennoch wieder zu und müsse Kurzarbeit selektiv einsetzen. Der Probenbetrieb gehe weiter - mit täglich rund 300 Schnelltests. "Das oberste Ziel des Hauses ist das Beschützen der Neuproduktionen."

"Wir fragen uns, ob Schnelltests des Publikums nicht eine künftige Strategie sein könnten", meinte der Staatsopern-Direktor. "Für uns ist es absolut zentral, dass wir irgendeine Art von verlässlicher Perspektive bekommen. Für uns wäre es das Schlimmste, weiterhin von Woche zu Woche leben zu müssen. Für das sogenannte 'Wiederhochfahren' besteht jedenfalls der Wunsch, dass etwas differenzierter vorgegangen wird als beim letzten Mal." Was seine persönliche Prognose für ein Wiederaufsperren sei, wurde Roscic gefragt. "Ich habe nicht mehr die Energie, mich zu weiteren Mutmaßungen zu motivieren", antwortete er. "Wir versuchen für jede Eventualität gerüstet zu sein. Verlässlichkeit wäre aber ein sehr hohes Gut."

(S E R V I C E - www.staatsoper.at)

Quelle: Agenturen