Staatsballett Berlin zeigt von Moskau verbotenen "Nurejew"
Serebrennikow (56) war in seiner Heimat für das Stück ausgezeichnet worden, bevor es dort aus politischen Gründen verboten wurde. Nun zeigt der Regisseur die Produktion mit dem Choreographen Yuri Possokhov für das Staatsballett erstmals außerhalb Russlands, wie das Staatsballett schon vor einem Jahr angekündigt hatte. Sie ist an der Deutschen Oper Berlin zu sehen. Das Tanzereignis vereine Ballett, Oper und Schauspiel, um eine Hommage an das Leben von Nurejew (1938-1993) zu schaffen. Er gilt als einer der besten Balletttänzer des 20. Jahrhunderts.
2017 war "Nurejew" am Bolschoi Theater uraufgeführt worden. 2023 wurde das Ballett nach Bolschoi-Angaben wegen des Verbots von Propaganda "nicht traditioneller Werte" aus dem Repertoire genommen. Die Produktion, die zu den beliebtesten Aufführungen der weltgrößten Balletttruppe gehörte, zeichnet den Lebensweg des zu Sowjetzeiten geflohenen Weltstars Nurejew nach.
Zu sehen waren in Moskau auf der Bühne etwa homosexuelle Szenen und Männer in Frauenkleidern und auf Stöckelschuhen. Derartige Verstöße gegen das von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz, das etwa positive Darstellungen von Homosexualität verbietet, werden mit hohen Geldstrafen geahndet. Auch Verlage und Buchhandlungen haben deshalb Werke, darunter Klassiker der Weltliteratur, aus dem Angebot genommen. Homosexualität selbst ist in Russland nicht verboten.
Viele Künstler haben Russland verlassen
Serebrennikow, der Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert hatte, verließ angesichts der politischen Verfolgung seine Heimat. Mit seinem stets ausverkauften Ballett "Nurejew" hatte er gleich vier Auszeichnungen beim renommierten Tanzpreis Benois de la Danse erhalten. Ihm selbst sprach die internationale Jury in Moskau den Preis für die beste Ballettregie zu. Heute sieht er sich von Staatspropaganda totgeschwiegen oder verunglimpft.
Im Zuge der wachsenden Repressionen gegen Kunstschaffende in Russland war auch Serebrennikow bei den kremltreuen Kulturfunktionären, die etwa Werte der russisch-orthodoxen Kirche hochhalten, in Ungnade gefallen. Aus Angst vor Verfolgung haben viele Künstler Russland verlassen, um frei arbeiten zu können.
Zusammenfassung
- Das Staatsballett Berlin zeigt ab 21. März die Produktion "Nurejew" des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow, die 2023 am Moskauer Bolschoi Theater unter politischem Druck verboten wurde.
- Das Ballett, das das Leben des berühmten Tänzers Rudolf Nurejew (1938–1993) porträtiert, wurde in Russland wegen homosexueller Szenen und des Gesetzes gegen "Propaganda nicht traditioneller Werte" aus dem Programm genommen.
- Regisseur Serebrennikow, der für das Stück vier Auszeichnungen erhielt und Russland aus politischen Gründen verlassen hat, bringt die Inszenierung nun erstmals außerhalb Russlands an die Deutsche Oper Berlin.
