APA - Austria Presse Agentur

Sofie Fatouretchi beeindruckt mit Debütalbum "Cult Survivor"

23. Juni 2020 · Lesedauer 5 min

Es ist nicht leicht, mit Sofie Fatouretchi Schritt zu halten: Die Künstlerin, die sich in Musik wie Malerei zuhause fühlt, spielt seit ihrer Kindheit Geige, hat mit 16 maturiert, Informatik studiert, bei Microsoft gearbeitet und war lange für die Musikplattform Boiler Room tätig. Mit 28 Jahren betritt sie nun wieder Neuland, wenn am Freitag ihr erstes Popalbum "Cult Survivor" erscheint.

Es ist nicht leicht, mit Sofie Fatouretchi Schritt zu halten: Die Künstlerin, die sich in Musik wie Malerei zuhause fühlt, spielt seit ihrer Kindheit Geige, hat mit 16 maturiert, Informatik studiert, bei Microsoft gearbeitet und war lange für die Musikplattform Boiler Room tätig. Mit 28 Jahren betritt sie nun wieder Neuland, wenn am Freitag ihr erstes Popalbum "Cult Survivor" erscheint.

"Dabei habe ich diese Lieder eigentlich nicht mit dem Hintergedanken geschrieben, dass sie mal die Öffentlichkeit zu hören bekommt", schmunzelt Fatouretchi im APA-Interview. Mittlerweile ist für die gebürtige Kalifornierin, deren Vater aus dem Iran kommt und Mutter Österreicherin ist, Wien wieder zur Homebase geworden - nach Jahren in New York, London und Los Angeles. "Hier war ich seit meiner Rückkehr nicht so umgeben von der musikalischen Szene, in der ich mich normal bewegt habe, was sicher ein Ansporn war, um selber Musik zu schreiben."

Ihre angenehm zeitlos wirkenden Stücke wie "Hollywood Walk of Fame" oder "Truth of the Matter", die einen charmanten Lofi-Gedanken ebenso verfolgen wie sie eine leichte 80er-Nostalgie aufweisen, erscheinen nun bei Stones Throw Records - jene Heimat für anspruchsvollen Hip-Hop, Soul und Jazz, für den sie nach ihrer Matura gearbeitet hat. "Das war damals wirklich ein Schuss ins Dunkle", erinnert sich Fatouretchi an ihre Bewerbung. Geklappt hat es nach einigen Monaten des Wartens dann aber doch.

Und so begann eine äußerst intensive Zeit, in der sie zwar auch regelmäßig als DJane auflegte - eine Tätigkeit, die ihr heute ihr Lehramtsstudium für Philosophie, Psychologie und Englisch sowie ihren Platz in der Malereiklasse der Angewandten in Wien finanziert -, aber eigentlich in erster Linie Musik von und für andere ermöglichte. "Mein Leben von 16 bis 25 war so eine Reizüberflutung, dass ich mir jetzt sage: Ist schon okay, passt schon", lacht die Musikerin.

Damit spielt sie auch auf die Tatsache an, dass sie sich nach ihrer Ankunft in Wien vor ein paar Jahren nicht sofort daran machte, ein künstlerisches Netzwerk aufzubauen. "Es klingt wahrscheinlich voll griesgrämig, aber je älter ich werde, umso lieber bin ich alleine zuhause." Was allerdings keineswegs bedeutet, dass sich Fatouretchi nicht zu beschäftigen weiß. "Ich bin jemand, der sehr viel machen muss." Dementsprechend viel unterwegs war sie neben ihren Studien auch noch für die diversen DJ-Gigs.

Da verwundert es fast, dass die stickige Atmosphäre der Clubs keinen allzu hohen Stellenwert für die Künstlerin hat. "Ich bin zwar sehr musikaffin und liebe es auch, aber am liebsten ist mir Radio, wo ich nicht von einem Publikum abhängig bin. Natürlich ist es cool in den Clubs mit vielen Leuten, aber das überfordert mich auch. Letztlich ist es leicht verdientes Geld, weshalb ich keineswegs undankbar klingen will. Aber das ändert nicht die Tatsache, dass ich es nicht unbedingt feiere."

Stichwort Feier: Eine solche hatte auch wesentlichen Anteil an ihrem Platz an der Angewandten sowie dem Zustandekommen von "Cult Survivor". Immerhin hat sie in einem Raum der Malereiklasse vor einiger Zeit jenes Keyboard entdeckt, auf dem ein Großteil der Songs entstanden ist - wohlgemerkt vor ihrer Aufnahme an der Uni. "Davor war ich noch auf einer Weihnachtsfeier. Ich gebe es zu: Ich war nicht eingeladen, sondern habe sie gecrasht", grinst Fatouretchi. "Erst nachher wurde mit klar, dass es die von der Malereiklasse war. Ich hab' das komplett verkackt."

Mit der Aufnahme ist es später dennoch etwas geworden. "Kunst hat mich immer interessiert, aber ich komme nicht aus einem Künstlerhaus, aus einer sozialen oder finanziellen Lage, in der es möglich wäre, dem nachzugehen als Beruf - jedenfalls gedanklich. Aber je älter ich geworden bin, umso inhärenter war dann, dass ich diese Sachen machen muss: Ich muss Lieder schreiben, ich muss malen", sinniert Fatouretchi. "In meinem Beruf habe ich dann sehr nahe daran gearbeitet, weil es mich interessiert hat, ich mir das selber aber nie zugetraut habe."

Letztlich haben sich Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen aber in beiden Bereichen ausgezahlt. Mit ihren Bildern ist sie aktuell Teil der Gruppenausstellung "No Regret If Only" in der Galerie Hilger Next, und mit ihren Songs trifft Sofie, so der simple Name als Musikerin, einen Nerv. Ihren Synthie-Pop schickt sie auf oft ungewöhnliche Wege, einem polierten Sound hat sie sich bewusst verweigert. "Ich mag Songs von Todd Rundgren, Gilbert O'Sullivan oder Arthur Russell. Die sind in den 60ern oder 70ern geschrieben worden, aber sie haben immer noch künstlerische Validität. Vielleicht was es mein unbewusster Wunsch Musik zu schreiben, über die ich mich in fünf Jahren immer noch freue."

Anhaltende Wertigkeit in der einfachen Form also. "Mein Lieblingssoziologie Pierre Bourdieu hatte sehr gute Ansätze, war aber gleichzeitig darauf bedacht, sie nicht hinter einer intellektuellen Sprache zu verbergen, damit sie zugänglicher sind", stellt Fatouretchi einen Vergleich an. "Viele Leute haben sich von mir wohl Subversiveres erhofft. Aber was mich anspricht in der Musik sind Sachen, die mich sofort berühren." Wobei Ambition zu Größerem durchaus vorhanden ist. "Mein Traum wäre ja, eine Oper zu komponieren."

Ohnehin scheint Sofie Fatouretchi gerne ein, zwei Schritte weiterzudenken, wo sich andere bereits zufriedengeben. Auch und gerade über das, was sie macht und in welchem Kontext es stattfindet. "Das war etwa bei meiner Arbeit für Boiler Room so. Es wurde unzertrennlich für mich: Zwar musst du Kompromisse eingehen, aber du musst auch mit deinen Entscheidungen leben. Als fragst du dich: Ist das was du machst in Ordnung, dass du dann eine Existenz hast, von der du nicht gequält wirst?" Überlegt kurz und setzt dann lachend nach: "Keine Ahnung, ich denke wohl zu viel darüber nach. Ich habe nicht so ein unbeschwertes Dasein. Mein Therapeut sagt mir immer: Frau Fatouretchi, das Glas ist nicht immer halb voll oder halb leer, manchmal ist es einfach ein Glas mit Wasser."

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA

INFO:https://sofiefatouretchi.bandcamp.com

Quelle: Agenturen