Schloemer zeigt "Rauschen" im Festspielhaus St. Pölten
Schon das Prelude im Foyer überrascht: das Ensemble - fünf Tänzerinnen und ein Tänzer - bewegt sich inmitten des ankommenden Publikums, zwischendurch sich scheinbar unter die Gäste an der Garderobe mischend. Dann verlegt sich das Geschehen zum Bühneneingang, wo der Einlass vor sich geht.
"Das Leben rauscht an einem vorbei. Das Vergehen der Zeit ist in diesem Tanzstück eine Metapher für das Leben", wird Schloemer im Programmheft zitiert. Das Rauschen wird erst nach dem Ende hörbar und als Nachhall des Gesehenen und Erlebten verständlich. Davor laufen meditativ-perkussiv pulsierende Soundpatterns von DJ Janiv Oron und Kali Malone, die ein komplexes akustisches Umfeld aus wechselnden Klangsphären erzeugen.
Melancholie scheint die Grundstimmung des Stücks zu sein. Die Kostüme sind zudem schwarz gehalten, und man erinnert sich, dass Schloemer seinerzeit auch den kleinen Saal des Festspielhauses in eine Black Box verwandelt hatte. Paint it black also.
Stringentes Konzept, prägnant realisiert
Zunächst wird lässig gewippt, dann geht es im Kreis mit schwingenden Armbewegungen, als zögen große schwarze Vögel ihre Runden. Kreislauf des Lebens sozusagen, dann auch im Rückwärtsgang. Ein ästhetisches Bild, das sich später mit wirbelnden Kapuzenträgern wiederholt. Ein Kreisel wird zudem symbolhaft in Gang gesetzt.
Mag der Plot auch etwas simpel erscheinen, ist die Realisierung doch von erstaunlicher Prägnanz und Präzision. Da gibt es im letzten Drittel etwa eine faszinierende Sequenz, die virtuos Elemente aus Michael Jacksons "Thriller"-Video variiert, kontrastierend mit zeitlupenhaften Abläufen und textlichen Einsprengseln. Eigentlich gebe es dazu keine Geschichte, meint Schloemer, aber Elemente eines Memento mori werden ebenso sichtbar wie Optionen auf Abbruch, Ausstieg, Neubeginn. Ein letztlich stringentes Konzept.
(S E R V I C E - Joachim Schloemer: "Rauschen oder der Nachhall der Tage". Weitere Aufführung im Festspielhaus St. Pölten heute, am 21.2., um 19.30 Uhr, "bewegte Einführung" um 18.30 Uhr. www.festspielhaus.at )
Zusammenfassung
- Joachim Schloemer präsentierte am Freitagabend im Festspielhaus St. Pölten die Österreich-Premiere seines 90-minütigen Tanzstücks "Rauschen oder der Nachhall der Tage" als Koproduktion mit dem Tanzhaus Basel.
- Das sechsköpfige Ensemble – fünf Tänzerinnen und ein Tänzer – inszenierte unter melancholischer Grundstimmung und schwarzen Kostümen den Kreislauf des Lebens, begleitet von komplexen Soundpatterns von DJ Janiv Oron und Kali Malone.
- Eine weitere Aufführung findet am 21. Februar um 19.30 Uhr statt, mit einer bewegten Einführung um 18.30 Uhr.
