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Salzburger Festspiele: Kartenverkauf wie im Rekordjahr 2019

11. Juli 2022 · Lesedauer 8 min

Wenige Tage vor Beginn der Salzburger Festspiele "brummt" es in der Mozartstadt, sagt Kristina Hammer, die dem Festival seit einem halben Jahr als Präsidentin vorsteht. Im Interview mit der APA spricht sie auch darüber, ob man den Ukraine-Krieg, die Coronapandemie und die Teuerung heuer im Festspielsommer spüren wird. Außerdem freut sie sich über den bisherigen Kartenverkauf und verrät, wofür es noch Tickets gibt.

APA: Frau Hammer, in wenigen Tagen beginnt der erste Festspielsommer für Sie als Präsidentin. Wie geht es Ihnen dabei?

Hammer: Ich freue mich sehr auf den Beginn der Festspiele. Zuerst bin ich in den letzten Wochen jeweils morgens und abends beim Aufbau der "Jedermann"-Tribüne vorbeigelaufen, dann beim Aufbau der Bühne und nun bei den ersten Proben. Man spürt die positive Konzentration, die Häuser füllen sich jetzt täglich mit Künstlern aus aller Welt und unserem Saisonpersonal. Wir haben unter dem Jahr ungefähr 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und jetzt sind es während des Sommers 4.500 - jetzt brummt es. Auch in der ganzen Stadt. Jetzt geht es bald richtig los. Es ist eine Mischung aus fokussierter Spannung und großer Vorfreude.

APA: Sie haben im Frühjahr von einem sehr gut angelaufenen Kartenverkauf gesprochen. Wie sieht es jetzt aus?

Hammer: Zu unserer großen Freude sind wir nach wie vor auf Erfolgskurs und liegen gleichauf mit den vorpandemischen Zahlen des Rekordjahres 2019. Das heißt, wir haben nicht wie viele andere Veranstalter mit Rückgängen zu rechnen. Ich glaube, das hat zwei Gründe: Zum einen hat das vorherige Direktorium mit großem Mut die Festspiele mit einem wirklich hervorragenden Präventionskonzept durch die beiden Pandemiejahre 2020 und 2021 geführt. Damit konnten wir unser Stammpublikum begeistern und halten. Und dann haben wir natürlich auch heuer wieder ein hervorragendes Programm, auf das sich die Menschen freuen.

APA: Wofür gibt es noch Karten?

Hammer: Viele Produktionen sind bereits gänzlich ausverkauft. Wenige Karten gibt es aber etwa noch für die Opern "Herzog Blaubarts Burg"/"De Temporum Fine Comoedia" und "Káťa Kabanová" in der Felsenreitschule. Im Schauspiel noch für "Ingolstadt" und "Iphigenia", zwei besondere Produktionen auf der Pernerinsel, die heuer ihr 30-jähriges Jubiläum als Festspielstätte feiert. Im Konzert für eine echte Trouvaille, die Turangalîla-Sinfonie mit den Wiener Philharmoniker mit Salonen. Es werden aber auch manchmal kurzfristig Karten zurückgegeben, ein Blick ins Internet lohnt sich daher immer.

APA: Bereitet Ihnen die täglich steigende Zahl an Coronainfektion Sorgen?

Hammer: Wir sind uns dieser Zahlen durchaus bewusst, beobachten die Situation sehr genau und passen das von den Gesundheitsbehörden bewilligte Präventionskonzept jeweils auf die aktuelle Situation an. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir ein sehr durchdachtes und funktionierendes Sicherheitskonzept haben und gehen damit vor und hinter der Bühne sehr sorgfältig und genau um. Für die Zuschauer gelten derzeit kaum Einschränkungen: Alle Tickets sind personalisiert und die Salzburger Festspiele empfehlen das freiwillige Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf allen Wegen innerhalb der Spielstätten und am Sitzplatz. Auch die Pausengastronomie ist aus derzeitiger Sicht regulär vorgesehen.

APA: Wie wirkt sich die aktuelle Teuerung auf die Festspiele aus?

Hammer: Auch wir spüren die Preiserhöhungen in den verschiedensten Bereichen deutlich. Nicht nur die Steigerung der Energiekosten trifft uns hart, ebenso trifft uns die allgemeine Inflation, auch unsere Mitarbeiter.

APA: Haben Sie Sorge, dass sich die Menschen die Festspiele bald nicht mehr leisten können?

Hammer: Wir können in diesen volatilen Zeiten nicht weit in die Zukunft schauen und fahren daher im Moment sehr bewusst auf Sicht. Auch verkaufen wir fast 50 Prozent unserer Tickets zwischen 5 und 115 Euro und haben heuer bewusst keine Preiserhöhung vorgenommen. Im Rückblick auf unsere Pfingstfestspiele kann ich sagen, dass die Menschen echte Freude hatten, wieder gemeinsam Kultur auf diesem Niveau erleben zu können. Sie erleben dies als große Bereicherung.

APA: Die Festspiele haben sich vor wenigen Tagen einvernehmlich vom Sponsor Solway getrennt, der das Jugendprogramm mit 150.000 Euro im Jahr unterstützt hat. Haben Sie schon Ersatz?

Hammer: Wir sind bereits in Gesprächen. In jedem Fall wird das Jugendprogramm in der geplanten Form und dem bestehenden Umfang fortgeführt.

APA: Sie haben einen Ethikkodex für das Sponsoring angekündigt. Wie weit sind Sie dabei?

Hammer: Ich habe über einen Code of Conduct gesprochen. Das ist ein Unterschied. Als wir bereits intern begonnen hatten, daran zu arbeiten, initiierte Staatssekretärin Andrea Mayer einen Prozess zum Umgang mit Sponsoring und Fundraising zur Findung von künftigen Richtlinien für alle Bundestheater und Festivals und hat uns eingeladen, an diesem Prozess mitzuwirken. Wir sind gerne aktive Teilnehmer an diesem gemeinsamen Runden Tisch, der letzte Woche in Wien zum ersten Mal zusammengekommen ist. Wie alle Veranstalter müssen sich die Salzburger Festspiele bei der Auswahl von Sponsoren auf belegbare Fakten und Kriterien stützen. Dies ist für uns eine Selbstverständlichkeit, ebenso wie ein offener und konstruktiver Dialog über Sponsoring - das ist bei uns gelebte Praxis.

APA: Laufen die bestehenden Verträge noch länger?

Hammer: Wir haben das Glück, dass wir zahlreiche langjährige, loyale Partner haben. Und gerade erst hat Rolex den Vertrag zum "Herbert von Karajan Young Conductors Award" verlängert. Viele der bestehenden Verträge laufen noch bis 2024.

APA: Bei ihrer ersten Pressekonferenz in Salzburg haben Sie auf die Rolle der Kunst für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hingewiesen. Welche Rolle spielt hier die Kunst?

Hammer: Ich glaube, das kann man gerade in diesen schwierigen Zeiten sehen. Kunst kann die Welt nicht retten, Kunst kann auch keinen Krieg beenden, aber Kunst hilft uns, Themen in Kontext zu setzen. So, wie wir die Welt im Moment wahrnehmen, scheint sie oftmals fast in schwarz-weiß gezeichnet. Die Welt wird schweigsamer, der Dialog kürzer. Ich glaube fest daran, dass die Kunst viel dazu beitragen kann, über das Menschsein an sich nachzudenken, zu reflektieren, was gerade mit und um uns passiert. Und ich glaube, dass Kunst Mut machen und Hoffnung geben kann, und das ist kein Eskapismus.

APA: Wie stark wird man den Krieg im Festspielsommer in Salzburg spüren?

Hammer: Wir alle spüren diesen furchtbaren Krieg jeden Tag. Wenn ich unser Programm betrachte, berührt mich, dass einige dieser Opern tatsächlich am Ende des Ersten Weltkriegs geschrieben und uraufgeführt worden sind. Und wenn wir uns vorstellen, in welcher Situation die damalige Welt war - übrigens zusätzlich damals ebenso in einer Pandemie, der Spanischen Grippe -, dann hat das schon eine große Relevanz und passt in diese Zeit.

APA: Nach Ihrem ersten halben Jahr: Wie läuft die Zusammenarbeit im Direktorium?

Hammer: Ich freue mich sehr, mit einem so hervorragenden Programmatiker und Künstler wie Markus Hinterhäuser und mit dem bereits etablierten Kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz zusammenzuarbeiten. Wir haben eine klare Aufgabenaufteilung und einen guten Weg gefunden, die gemeinsame Entscheidungsfindung auf eine offene Art und Weise zu betreiben. Ich fühle mich wohl, auch mit dem restlichen Teil des großen Festspielteams, deren Know-how und Sachkenntnis und Leidenschaft für die Festspiele ich sehr schätze.

APA: Sie haben auch Akzente in Richtung Nachhaltigkeit bei den Festspielen angekündigt. Wo?

Hammer: Lassen Sie mich hier die Sanierung und Erweiterung der Festspielhäuser herausgreifen, dies soll ein Referenzprojekt für nachhaltiges Bauen im Bestand werden, um dieses Großprojekt auch im Sinne der Verantwortung für die nachfolgende Generation zu verwirklichen. Dafür wurde unter der Leitung unseres Kaufmännischen Direktors Lukas Crepaz ein eigener Beirat eingerichtet, der den Bauherren, den Lenkungsausschuss und die Projektleitung in allen wesentlichen Entscheidungen der Nachhaltigkeitsstrategie berät und unterstützt. Die Gebäude sollen nach dem österreichischen System klimaaktiv sowie als erste Versammlungsstätte in Österreich nach dem System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) und der österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) zertifiziert werden. Es wird das Erreichen der jeweils höchsten Auszeichnungsstufen angestrebt. Darüber hinaus wollen die Salzburger Festspiele im Sinne der Digitalisierung das komplette Projekt BIM-basiert durchführen. Dabei handelt es sich um eine digitale, vernetzte Methode der Planung, des Baus und der Bewirtschaftung von Gebäuden, wodurch der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes von Anfang an integral im Projekt betrachtet wird. Dadurch kann insbesondere der Betrieb, der über den Lebenszyklus hinweg bis zu 80 Prozent des Gesamtaufwandes eines Bauprojekts ausmacht, deutlich effizienter, ressourcenschonender und damit nachhaltiger gestaltet werden.

(Das Interview führte Bernhard Niederhauser/APA)

Quelle: Agenturen