APA - Austria Presse Agentur

Salzburger Festspiele investieren 262,8 Millionen Euro

05. Okt 2020 · Lesedauer 3 min

Die Salzburger Festspielhäuser werden in den nächsten zehn Jahren umfangreich generalsaniert und erweitert. Für das Großprojekt sind insgesamt Investitionen in der Höhe von 262,8 Millionen Euro vorgesehen. Die Kosten teilen sich Bund, Land und Stadt Salzburg in einem Schlüssel von 40, 30 und 30 Prozent. Die Maßnahmen sollen die Betriebsfähigkeit der Salzburger Festspiele langfristig aufrechterhalten. Denn die Spielstätten sind in die Jahre gekommen.

Das Große Festspielhaus ist nach nunmehr 60 Jahren sanierungsbedürftig. Auch die Bühne des Haus für Mozart muss dringend erneuert werden. Die Werkstätten, die Künstlergarderoben, zum Teil auch der Zuschauerbereich entsprechen nicht mehr den Anforderungen von Mitarbeitern, Künstlern und dem Publikum. Dazu muss der Brandschutz auf den letzten Stand gebracht werden.

Im Sommer 2018 brach bei einem Wolkenbruch etwa mitten während einer Vorstellung Wasser durch die Decke. "In Wirklichkeit haben wir an jeder Ecke Mängel", sagte der kaufmännische Direktor der Salzburger Festspiele, Lukas Crepaz, am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Heiz- und Klimatechnik habe längst ihren Lebenszyklus überschritten, in den Werkstätten herrsche eklatanter Platzmangel, die Ausstattung der Künstlergarderoben sei nicht mehr zeitgemäß, und die völlig veralteten Sanitäranlagen müssten dringend ausgetauscht werden.

Auch aus Gründen der Energieeffizienz, des ökologischen Fußabdrucks und des Arbeitnehmerschutzes herrsche Handlungsbedarf. Zudem soll der barrierefreie Zugang im Gebäude verbessert werden. "Die Investitionen sind dringlich und unvermeidlich, um die Betriebsfähigkeit der Festspielhäuser zu erhalten", erklärte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. Ohne sie sei nicht nur die Zukunft der Salzburger Festspiele gefährdet, "ohne sie verlieren das Adventsingen, die Osterfestspiele und die Kulturvereinigung ihre Spielstätten."

Das Grundkonzept für die Sanierung - "eine zeitgemäße und effiziente Variante", wie es Rabl-Stadler heute nannte - soll dem Kuratorium in seiner Sitzung am 13. Oktober vorgestellt werden. Zweieinhalb Jahre lang wurden für das Projekt die Anforderungen erhoben. Nun soll die Gesamtnutzfläche durch Umbau und die Erweiterung um rund 10.300 Quadratmeter auf 47.514 Quadratmeter steigen.

Eine Aussiedelung der Werkstätten in andere Stadtteile sei weder logistisch noch ökologisch sinnvoll und auch nicht billiger gewesen, sagte Crepaz heute. In Ermangelung entsprechender Flächen im Festspielbezirk sollen die Festspielhäuser darum in den Mönchsberg hinein erweitert werden. "Diese neue Logistikachse, die es erlaubt, von hinten alle Häuser zu erreichen, ist ein Riesenvorteil im Betrieb. Und von außen wird man nichts davon merken." Geht es nach Crepaz, könnten Planung und Wettbewerb bis in das Jahr 2024 abgeschlossen werden, die Bauphase soll dann 2025 bis 2030 während des laufenden Betriebs stattfinden.

Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sprach heute von "direkten Investitionen, die unserem Land Arbeit und Beschäftigung bringen." Er zitiert aus einer Kurzstudie der Wirtschaftskammer, wonach das Projekt 3.000 Arbeitsplätze in der Region absichere und 140 Millionen Euro an Steuern und Abgaben lukriere, die wieder zurück an die Gebietskörpreschaften fließen.

Zur Vorstellung der Pläne hätten sich auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) angesagt. Weil ein enger Mitarbeiter des Kanzlers positiv auf das Coronavirus getestet wurde, fand der Termin allerdings ohne die beiden statt. Auch die Unterzeichnung einer gemeinsamen politischen Erklärung über die laufende Legislaturperiode hinaus verschob sich auf einen späteren Zeitpunkt.

"Im Kulturbudget des Bundes sind bis Ende der Legislaturperiode bereits 50 Millionen Euro für das Projekt vorgesehen", erklärte Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) heute - und versuchte Ängste zu zerstreuen, dass andere Kultureinrichtungen angesichts der Großinvestition zu kurz kommen könnten. "Ich bin zuversichtlich, dass wir über die Mittel für die Sanierung hinaus eine entsprechende Erhöhung des Kulturbudgets zustande bringen werden", sagte sie. Dabei wolle sie auch Akzente für die freie Szene setzen, gerade in Zeiten der Coronakrise. "Die Pandemie macht keinen Unterschied zwischen Großen und Kleinen im Kulturbetrieb. Wir müssen darum auf die Balance achten."

Quelle: Agenturen