APA - Austria Presse Agentur

"Rot wie Feuer" als Finale Furioso der "VANITAS"-Trilogie

20. Apr 2021 · Lesedauer 3 min

Dass man sich mit Mafia-Clans lieber nicht anlegen sollte, dürfte allgemein bekannt sein. In Ursula Poznanskis neuem Thriller "Rot wie Feuer" widersetzt sich die Ich-Erzählerin jedoch diesem allen Krimi-Lesern, Fernsehern und -innen bestens vertrauten Grundprinzip - und sorgt damit für ein äußerst spannendes Finale der "VANITAS"-Trilogie. Warum sie das tut? Auch dafür gibt es ein Motto: Angriff ist die beste Verteidigung!

Schauplatz des Geschehens ist diesmal Frankfurt am Main, wohin sich die vom äußerst brutal vorgehenden russischen Familienclan der Karpins gesuchte Carolin nach ihrem Entkommen aus Wien (nachzulesen im zweiten Teil "Grau wie Asche") abgesetzt hat. Just in die Höhle des Löwen - denn die Karpins haben ihre "Zentrale" in der Main-Metropole. In welcher auch ein ähnlich gearteter Clan aus Armenien aktiv ist, was Carolin dazu bewegt, die beiden mafiös organisierten Gruppen gegeneinander aufzuhetzen. Dass sie sich überhaupt nach Frankfurt gewagt hat, liegt in ihrer Vermutung begründet, dass die Russen wohl nicht damit rechnen würden, dass sie sich ausgerechnet in deren Hochburg ansiedelt.

Mit geschickt platzierten Schachzügen - "Keine schottische Eröffnung, sondern eine armenische" - gelingt es Carolin, die gemäß ihren neuen Papieren nun mit Nachnamen König heißt, tatsächlich, die beiden verfeindeten Clans gegeneinander aufzuhetzen. Dass sie über die in dieser Branche genutzten Kommunikationsmittel, etwa codierte Anzeigen in einem Online-Bazar, und Droh-Symbole Bescheid weiß, kommt ihr dabei zugute.

Dass Carolin ihren Familiennamen von zunächst Bauer auf Springer und nun auf König geändert hat, passt zum Schachspiel-Charakter ihres - jedoch lebensgefährlichen - Vorgehens. Vorkenntnisse aus den ersten beiden "VANITAS"-Bänden sind beim Lesen übrigens von Vorteil, zum Verständnis aber nicht unbedingt nötig, da die Erzählung genügend Rückblenden auf die beiden vorangegangenen Fälle enthält, um stets im Bilde zu sein.

Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressungen - das sind die Hauptbestandteile des mafiösen Menüs auf den Speisekarten der beschriebenen Clans. Verbunden mit absoluter Brutalität gegenüber Verrätern und die Konfrontation suchenden Feinden. Und für Konfrontation auf höchster Brisanzstufe sorgt Carolin mit ihren Handlungen. Mal schaut sie als vermeintlich im Dienst der Russen stehende Prostituierte verkleidet im Nachtclub der Armenier vorbei, mal lässt sie den Russen ein "Geschenk" der Armenier zukommen, welches einzig und allein als Todesdrohung zu verstehen ist. Ein Pingpong-Spiel also, bei dem bald Köpfe rollen - was beim Agieren dieser Banden mitunter auch wortwörtlich passieren kann. Bitterste Rachegelüste inklusive.

Poznanskis Leserinnen und Leser sind es freilich schon gewohnt, dass die Hauptfigur dieser Trilogie immer wieder auf höchster Gefahrenstufe wandelt. Die Ich-Erzählform macht die Lektüre dabei ebenso auf sehr persönlicher Ebene spannend wie Carolins Rolle als Jägerin und Gejagte zugleich. Da kommt es schon einmal vor, dass man bei den ganz kritischen Momenten des Handlungsstrangs den Atem anhält und mit der Protagonistin mithofft, dass sie einmal mehr heil aus der Bredouille herauskommt.

"Ich habe das Gefühl, die Schlinge um meinen Hals zieht sich mit jedem Tag enger, irgendwann werde ich mein Glück überstrapazieren. Ich sollte die Sache zu Ende bringen, so schnell es geht", ist einer jener Sätze, die Carolins Gemütszustand so treffend beschreiben. Dass es sich um einen Thriller handelt, unterstreichen Formulierungen wie "Das, was den Karpins die Fässer mit Natronlauge sind, um die Überreste ihrer Opfer zu beseitigen, sind den Malakyans zwei Autoverwertungsbetriebe mit Schrottpressen, beide im Besitz der erweiterten Familie." Wie solche Schilderungen mit Sätzen wie "Wir liegen nebeneinander im Bett, Haut an Haut, ihr Kopf an meiner Schulter. Ihr Haar duftet nach Sonne." zusammenpassen, wird nur bei der Lektüre selbst nachvollziehbar. Selbiges gilt naturgemäß für die Beantwortung der Frage, die fast von Beginn weg über der gesamten Handlung schwebt: "Kann denn das gutgehen?"

(S E R V I C E - Ursula Poznanski: "VANITAS - Rot wie Feuer", Knaur-Verlag, 396 Seiten, 17,50 Euro)

Quelle: Agenturen