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Psyche im Zentrum der NÖ Landesausstellung im Klinikum Mauer

Heute, 12:52 · Lesedauer 3 min

Unter dem Titel "Wenn die Welt Kopf steht - Mensch.Psyche.Gesundheit." beleuchtet die NÖ Landesausstellung 2026 im Landesklinikum Mauer (Bezirk Amstetten) vielfältige Aspekte von geistiger Gesundheit und Krankheit. Neben zahlreichen historischen Objekten umfasst die Schau, die bis 8. November zu sehen ist, auch Stimmen der Gegenwart, sagte Kurator Niko Wahl bei einer Presseführung vor der offiziellen Eröffnung am Freitagnachmittag.

Die von Wahl und Michael Resch kuratierte Ausstellung beinhaltet rund 640 historische Gegenstände, Kunstwerke, Fotografien, Texte und Dokumente. Als ein "Highlightobjekt" bezeichnete Resch die "gläserne Frau" vom Deutschen Hygiene-Museum, die die weibliche Anatomie mit Skelett, Organen, Nervenbahnen und Blutgefäßen darstellt. Andere Gegenstände wie historische Therapiegeräte stammen vom Landesklinikum Mauer selbst - in einem Schrank wurde beispielsweise "sehr zufällig ein kleiner Schatz geborgen", darunter ein Notfallkoffer aus Holz von Anfang des 20. Jahrhunderts, erzählte Resch. Zu den ausgestellten Objekten zählen auch ein Modell des Narrenturms in Wien und ein Kriegsteppich, auf dem Panzer und Hubschrauber abgebildet sind.

Die Schau ist inhaltlich in vier Abschnitte unterteilt. Zunächst geht es um die Definition: Was galt als krank und welches Verhalten entsprach einer gesellschaftlichen Norm? Beleuchtet wird auch der Wandel der Diagnoseverfahren. "Krankheit und Gesellschaft" befasst sich mit dem Umgang mit psychisch erkrankten Menschen. Im letzten Abschnitt erfahren Besucher über Therapieformen in Geschichte und Gegenwart - und können sich zum Schluss noch in einer "Gefühlsdusche" mit positiver Energie aufladen.

Bezug genommen wird auch auf den Umgang mit Sucht und Drogen sowie die Abhängigkeit von Handy und Social Media. Ergänzt wird die Ausstellung durch Hörstationen mit Beiträgen von Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Mitarbeitenden. In einem Raum sind Werke von Gugginger Künstlern sowie von Josef Karl Rädler, der Patient in Mauer war und 1917 starb, ausgestellt. Die "wachsende Galerie" lädt Besucher ein, selbst kreativ zu werden und Porträts zu zeichnen, erläuterte Armin Laussegger, wissenschaftlicher Leiter der NÖ Landesausstellungen. Eine eigene "Familienspur" mit zahlreichen Mitmachstationen richtet sich an Kinder bis zwölf Jahren und ihre Begleitpersonen.

Lernort zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen in Mauer

Thematisiert wird auch die NS-Zeit. Die "Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling" war während des Nationalsozialismus eine zentrale Stelle der sogenannten Medizinverbrechen. 2.848 Patientinnen und Patienten wurden dort ermordet. Ein neuer Lernort im Haus 18 zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen ist kostenlos zugänglich und soll auch nach der Ausstellung bestehen bleiben. Im September soll ein Gedenkort eröffnet werden.

Erstmals findet die alle zwei Jahre stattfindende Landesausstellung bei laufendem Betrieb eines Klinikums statt. Die Schau soll neue Blickwinkel auf einen Ort ermöglichen, der seit über 120 Jahren eng mit der psychiatrischen Versorgung in Niederösterreich verbunden ist. Ein "kuratierter Rundweg" führt die Gäste durch das Areal, das für seine Jugendstilgebäude bekannt ist. Ziel sei, Besucher "behutsam zu lenken", um die Persönlichkeitsrechte von Patienten und Bewohnern zu wahren, sagte Laussegger.

"Die Landesausstellung soll die Wichtigkeit psychischer Gesundheit in unserer Gesellschaft betonen, die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen vorantreiben und den Diskurs darüber anregen - und somit weit über das Jahr 2026 hinauswirken", betonte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) anlässlich der Eröffnung. Insgesamt wurden in die Renovierung und Modernisierung des Landesklinikums rund 43 Millionen Euro investiert.

(S E R V I C E - NÖ Landesausstellung 2026: "Wenn die Welt Kopf steht - Mensch.Psyche.Gesundheit.", Landesklinikum Mauer. 28.3.-8.11.2026, geöffnet: täglich von 9.00-18.00 Uhr. Infos: https://www.noe-landesausstellung.at/ )

Zusammenfassung
  • Die NÖ Landesausstellung 2026 im Landesklinikum Mauer widmet sich unter dem Titel "Wenn die Welt Kopf steht - Mensch.Psyche.Gesundheit." vielfältigen Aspekten psychischer Gesundheit und zeigt rund 640 historische Objekte, Kunstwerke und Dokumente.
  • Ein Schwerpunkt liegt auf der Aufarbeitung der NS-Medizinverbrechen, bei denen in Mauer 2.848 Patientinnen und Patienten ermordet wurden; ein neuer Lernort und ein Gedenkort werden eingerichtet.
  • In die Renovierung und Modernisierung des Landesklinikums wurden rund 43 Millionen Euro investiert, die Ausstellung läuft vom 28. März bis 8. November 2026 und ist täglich geöffnet.