Porno-Ballerina Avva: "OnlyFans-Models werden oft ausgenutzt"

25. Nov. 2022 · Lesedauer 4 min

OnlyFans-Model und Porno-Ballerina Avva erzählt bei PULS 4 Exakt, wie das moderne Pornobusiness läuft. Die 19-Jährige ist ihre eigene Chefin, aber auch in der Sexarbeit 2.0 gibt es Strukturen, bei denen vor allem junge Frauen ausgenutzt werden.

Ob man in diese Business will, das müsse man sich sehr gut überlegen, sagt die 19-jährige Avva. 

Avva ist Ballerina, aber auch Content Creatorin auf der Plattform OnlyFans. Auf OnlyFans müssen Nutzer:innen bezahlen, um Inhalte zu sehen. Es ist so wie Instagram, nur mit Paywall - Und: User:innen können die Models für individuelle Wünsche bezahlen. Bei Avva kostet das Abo neun Euro und individuelle Inhalte je nach Wunsch ab 140 Euro aufwärts.

Sie selbst konnte sich immer schon vorstellen Pornos zu machen. Aber wenn die Hemmschwelle groß sei, dann sollte man Avvas Beispiel ihrer Meinung nach auf keinen Fall folgen. "Man muss sich das genau überlegen", sagt die 19-Jährige.

Wenn man das mal gemacht hat, ist es halt für immer da draußen.

Avva, Content Creator auf OnlyFans

OnlyFans boomt

OnlyFans hat 188 Millionen Nutzer:innen weltweit. Avva gehört laut eigenen Angaben zu den Top-Creatorinnen auf der Plattform. Die Wienerin hat auf TikTok allein auf ihren Backup-Accounts eine Million Abonnent:innen und 8 Millionen Likes. Auf den Social Media-Plattformen bewirbt sie ihren OnlyFans-Account. Aktuell betreibt sie sechs TikTok- und vier Instagram-Konten. Manchmal überschreitet der Sexy-Content dann doch eine Grenze auf den "Safe for Work"-Social Media-Plattformen, dafür gilt es mit Ausweich-Accounts gewappnet zu sein.

Anders als viele andere Content-Creator:innen managet Avva ihren Account auf OnlyFans alleine. Zuletzt zeigten Recherchen des deutschen öffentlich-rechtlichen SWR und auch der New York Times, dass es auch auf der Online-Plattform dieselben Strukturen wie in der Offline-Prostitution gibt: Zum Beispiel Pimps oder Zuhälter - also Männer, die Frauen und ihre Körper kontrollieren und daraus Profite schlagen. 

OnlyFans-Models oft ausgenutzt

Vor allem im englischsprachigen Raum gibt es diverse Agenturen, die Creatorinnen auf OnlyFans anbieten, ihre Accounts zu managen. Dazu gehört: Interaktion mit den überwiegend männlichen Konsumenten und so für eine größere Zahl an Konsumenten das Geschäftsmodell "Intimität" aufrecht zu erhalten. Ghostwriter chatten vom Account des Models mit ihren Kunden. Die sogenannten "E-Pimps" managen die Accounts der Porno-Models inklusive Massen-Contentmanagement und Mehrfachverwertung. 

In Deutschland berichtet der SWR von Agenturen, die von den Kreatorinnen bis zu zwei Drittel ihrer Einnahmen verlangen. Weigern sich die Models, dies zu bezahlen, so wird auch mit dem Löschen des Accounts gedroht.

Solche Erfahrungen hat die 19-Jährige Avva auf der Plattform nie gemacht, aber diese Agenturen gäbe es überall: "Der Grundgedanke ist immer derselbe. Die sind eigentlich da zum Connecten und zum Helfen, nur nutzen sie im Bezug auf OnlyFans vor allem sehr junge Mädchen aus, die sehr wenig Ahnung von Marketing haben".

Die Management-Firmen würden mindestens 50 Prozent der Einnahmen für sich beanspruchen, sagt Avva. Diese 50 Prozent sind unfassbar viel, findet Avva. "Oft geben diese Agenturen auch ganz genau vor, welche Inhalte die Models wann erstellen müssen". OnlyFans selbst als Plattform nimmt 20 Prozent von den Creatorinnen, das heißt den Models bleiben bei derartigen Management-Deals nur mehr 30 Prozent der Einnahmen. Oftmals könnten die jungen Frauen nicht mal auf ihre eigenen Profile zugreifen, was ein großes Problem sei, sagt die 19-Jährige.

Avva will diversere Pornographie

Damit ihr Content nicht auf Gratisplattformen landet, arbeitet Avva mit einer Firma zusammen, die sogenannte Leaks ihrer Inhalte aus dem Netz entfernt. "Es gibt wenig bis gar nichts von mir auf Gratisplattformen". 

Avva will mit ihrer Pornographie nicht nur Männer ansprechen, sie sieht ihre Arbeit als feministisch. "In der klassischen Pornographie ist alles für den sogenannten Male Gaze ("männlicher Blick", Anm.) produziert", aber sie will realere Inhalte zeigen und diverser sein.

Die Doku "Generation Porno – Wir müssen reden!" und "Exakt" sind auf  ZAPPN zu sehen.

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Franziska SchwarzQuelle: Redaktion / frn