Permanente Schau über den Vulkanausbruch öffnet in Pompeji
Die neue Ausstellung erzählt Ursprung und Verlauf der Eruption und bringt Besuchern die Technik der Gipsabgüsse näher. Insgesamt werden 22 Gipsabgüsse von Opfern gezeigt - sie wurden aus den am besten erhaltenen Funden ausgewählt. Die Präsentation orientiert sich an ihren Fundkontexten - von den Domus im Inneren der Stadt bis zu den Stadttoren und Straßen, entlang derer die Bewohner vergeblich versuchten zu fliehen.
Seit dem 19. Jahrhundert wurden in Pompeji etwa 100 Gipsabgüsse hergestellt. Weitere sind einzeln oder in kleinen Gruppen in Häusern und Gebäuden der Stadt zu sehen - genau dort, wo sie gefunden wurden. Eine Sektion der Ausstellung ist der Vulkanologie sowie organischen Funden - Pflanzen und Tieren - gewidmet.
"Mich hat die Ausstellung durch ihre große wissenschaftliche Strenge beeindruckt, durch ihre Fähigkeit, die rohe Wahrheit der Eruption von Pompeji und die Ausdruckskraft der Gipsabgüsse zu vermitteln. Gleichzeitig zeigt sie einen respektvollen Umgang mit den Opfern - eine Galerie des Schmerzes, die uns die Wahrheit wie in einem modernen Heiligtum zurückgibt. Alle Tragödien durch Naturkatastrophen scheinen in dieser eindrucksvollen und erschütternden Darstellung verdichtet", kommentierte der italienische Kulturminister Alessandro Giuli.
Die Ausstellung sei "mutig und sehr zeitgenössisch". "Es ist nicht leicht, den Tod darzustellen. Es ist nicht leicht, die nackten Formen der Körper zu zeigen, die von Asche, Lapilli und Lava verschüttet wurden. Man muss es mit wissenschaftlicher Genauigkeit, aber auch mit Empathie tun - und diese Mission ist gelungen", betonte der Kulturminister.
Der Direktor des archäologischen Parks von Pompeji, der deutsche Archäologe Gabriel Zuchtriegel, bezeichnete die Ausstellung als "größte museologische Herausforderung, die wir je bewältigt haben". "Die Gipsabgüsse der Opfer sind keine gewöhnlichen Funde, keine Statuen und keine Kunstwerke - weder antike noch moderne. In den Abgüssen von Kindern, Frauen und Männern, die im Jahr 79 n. Chr. starben, kann man die eigene Fragilität, Menschlichkeit und Verletzlichkeit erkennen. Daraus entsteht eine tiefe Botschaft: Das Leben ist zerbrechlich, kostbar - und schön", so Zuchtriegel.
Unter Metern Asche und Bimsstein begraben
Im Jahr 79 n. Chr. zerstörte der Vesuv die Stadt Pompeji und begrub sie unter mehreren Metern Asche und Bimsstein. Dieses katastrophale Ereignis konservierte nicht nur Gebäude und Straßen, sondern auch Spuren der Menschen, die dort lebten. Während der zweiten Phase der Eruption - nach dem Fall der Lapilli - wurden die Menschen von einer heißen Wolke aus vulkanischer Asche erfasst, die sich um ihre Körper verfestigte.
Mit der Zeit zersetzten sich die Körper und organischen Materialien, wodurch Hohlräume in der verhärteten Asche entstanden. Im 19. Jahrhundert begannen Archäologen, diese Hohlräume mit Gips zu füllen, um die ursprüngliche Form der Opfer sichtbar zu machen. Diese Technik wurde 1863 erstmals systematisch vom Archäologen Giuseppe Fiorelli angewendet. Nachdem der Gips ausgehärtet und die Asche entfernt worden war, erschienen erstaunlich detaillierte menschliche Figuren, oft mit den Knochen im Inneren erhalten. Pompeji ist der einzige Ort der Welt, an dem solche Zeugnisse in dieser Form rekonstruiert werden konnten.
Zusammenfassung
- In Pompeji eröffnet heute eine permanente Ausstellung, die erstmals den Vesuv-Ausbruch von 79 n. Chr. mit 22 Gipsabgüssen von Opfern und außergewöhnlich gut erhaltenen organischen Funden umfassend dokumentiert.
- Die Ausstellung erklärt die Entstehung und Technik der Gipsabgüsse, die seit dem 19. Jahrhundert etwa 100 Mal angewendet wurde und weltweit einzigartig ist.
- Kulturminister Alessandro Giuli und Parkdirektor Gabriel Zuchtriegel betonen die wissenschaftliche Strenge, Empathie und die tiefgründige Botschaft über die Zerbrechlichkeit des Lebens, die von der Schau vermittelt wird.
