"Orfeo et Euridice": 90 Minuten mit Zeug zum Kassenschlager
Carolin Pienkos und Cornelius Obonya zeichnen mit ihrer detailreichen Regie das Psychogramm einer mythologischen Liebe: Nach dem Willen der Götter darf der um seine Frau Eurydike trauernde Orpheus versuchen, sie aus der Unterwelt zurückzuholen, allerdings ohne sie anzusehen. Da ihm das nicht gelingt, stirbt Eurydike ein zweites Mal, und Orpheus will ihr aus Verzweiflung in den Tod folgen. Gerührt von seiner Liebe erweckt Gott Amor schließlich die Angebetete neuerlich zum Leben.
Die dreiköpfige Sänger-Riege und das Kärntner Sinfonieorchester mit Dirigent Michael Hofstetter agieren in der italienischen Fassung der Gluck-Oper souverän: Die stimm- und ausdrucksstarke Keri Fuge als Eurydike steht dem Countertenor Tobias Hechler zur Seite, der den verzweifelt Liebenden teilweise etwas angestrengt verkörpert; Luisa Mordel ist der im roten Federkleid vom Himmel schwebende Gott Amor. Der mit den Tänzerinnen und Tänzern raffiniert verflochtene Chor unter Leitung von Günter Wallner bildet quasi den vierten Hauptdarsteller. In düsteren Massenszenen steht er für die Trauer um die Toten, umwogt als besänftigte Geister im Elysium den liebenden Helden und feiert nach dessen Rückkehr an die Oberwelt verspielt das Leben und die Liebe.
Irgendwo zwischen Love-Parade und Sommernachtstraum angesiedelt ist im Schlussbild die fantasievolle, bunte Kostümierung von Chor und Tänzern, entworfen von Laura Madgé Hörmann; Devin McDonoughs Bühnenbild kommt fast ohne Requisiten aus, symbolisiert den Weg des Liebespaares vom Dunkel ins Licht mit einzelnen stimmigen Elementen wie etwa einem plastischen Leichenberg, den Orpheus und Eurydike bezwingen müssen, oder goldenen Blütenranken, die vom Himmel hereinwachsen. Die Inszenierung der nur 90 Minuten langen Oper, die mit einem langen, feierlichen Schlussballett fröhlich ausklingt, wurde vom Premierenpublikum minutenlang gefeiert - und hat wohl das Zeug zum Kassenschlager.
(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)
(S E R V I C E - "Orfeo ed Euridice", Oper in drei Akten von Christoph Willibald Gluck, Libretto von Ranieri de' Calzabigi, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln, Stadttheater Klagenfurt. Regie: Carolin Pienkos, Cornelius Obonya. Musikalische Leitung: Michael Hofstetter. Mit: Tobias Hechler (Orfeo), Keri Fuge (Euridice), Luisa Mordel (Amore); Bühne: Devin McDonough, Kostüme: Laura Madgé Hörmann, Choreographie: Riccardo De Nigris, Kärntner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt. Weitere Aufführungen: 7., 11., 13., 17., 21., 27. Februar, 4., 12., 14., 22., 28. März, jeweils 19.30 Uhr. Karten: 0463/54 0 64, www.stadttheater-klagenfurt.at)
Zusammenfassung
- Die Premiere von Christoph Willibald Glucks Oper "Orfeo ed Euridice" begeisterte am Donnerstag im Stadttheater Klagenfurt mit einer bewegten Inszenierung und einem siebenköpfigen Tanzensemble.
- Die 90-minütige Aufführung überzeugte mit detailreicher Regie, einem souveränen Kärntner Sinfonieorchester und fantasievollen Kostümen, wobei Chor und Tänzer eng in die Handlung eingebunden waren.
- Das Premierenpublikum feierte die Produktion minutenlang, und es sind weitere Aufführungen im Februar und März jeweils um 19:30 Uhr geplant.
