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OÖ. Stiftskonzerte prunkten mit Vokalem und Instrumentalem

17. Juli 2022 · Lesedauer 3 min

Eines der weltweit führenden Vokalensembles und ein erst vor vier Jahren gegründetes Barockensemble haben den heurigen Oö. Stiftskonzerten besondere Akzente verliehen: Die britische A-cappella-Gruppe Voces8 glänzte am Samstag akustisch mit dem Rokokoprunk der Stiftskirche Wilhering um die Wette, während in der Sonntagsmatinee im Marmorsaal des Stiftes Sankt Florian das französische Jupiter Ensemble Georg Friedrich Händel zu instrumentalem und stimmlichem Glanz begleitete.

Voces8 haben in wenigen Jahren die Tradition früherer britischer Vokalensembles wie The Scholars und Hilliard Ensemble fortgesetzt, allenfalls im Respektabstand zu den im sechsten Bestandsjahrzehnt befindlichen Kings Singers. Nach dem Publikumsandrang beim Konzert in Wilhering - ausverkauft innerhalb von zwei Wochen - hoffen die Fans auf baldige Fortsetzung.

Die drei Sängerinnen und fünf Sänger beherrschen das ernste Fach ebenso virtuos wie das unterhaltsame. Die Bandbreite reicht dabei von der frühen Polyphonie bis zu Jazz- und Poparrangements - auch das eine bewährte Programmierung britischer Vokalensembles. Von den 17 Komponisten im Programm der diesjährigen Europatournee von Voces8 gehören zehn in das 20. Jahrhundert. Davon hinterließ besonders "Stardust" für achtstimmigen Chor von Taylor Scott Davis (*1980) nachhaltigen Eindruck. Das Auftragswerk von Voces8 gibt auch den Titel her für das gesamte Programm. Es geht um die Vergänglichkeit des Lebens, den Zerfall in den Titel gebenden "Meteoritenstaub", den jedoch die wahre Liebe wieder wandelt.

Das gesamte Konzertprogramm ist weitgehend von ruhigem, getragenem Charakter und in perfekter Vielstimmigkeit (bis zum achtstimmigen Chor) und Klangqualität. Der Kirchenraum hat diese Atmosphäre noch unterstützt. So auch etwa in "Aftonen" für siebenstimmigen Chor des skandinavischen Komponisten Hugo Alfvén, ein Werk, das von der nordischen Landschaft inspiriert ist. Den Abschluss des Abends bildeten Arrangements populärer amerikanischer Lieder der 1920- bis 1960er-Jahre, angereichert durch perfekt gebotene Gestik. Die Zugabe für das umjubelte Konzert bildete Mendelssohns "Denn er hat seinen Engeln befohlen ..." - Das tröstliche Werk lenkte den Blick instinktiv auf die unzähligen Engelfiguren in der Rokokokirche von Wilhering.

Ein reines Händel-Programm präsentierte das englisch-französische Jupiter Ensemble in der Sonntagsmatinee in St. Florian. Abgesehen von einem einzigen Instrumentalstück - der bekannten Sarabande aus der Suite Nr. 4 - wurden Arien und Duette aus Georg Friedrich Händels umfangreichem Schaffen präsentiert, gesungen von der Mezzosopranistin Lea Desandre und dem Countertenor Iestyn Davies. Beide bedeuteten Weltklasseniveau, mit schlanken Stimmen, unglaublich virtuosen Koloraturen - solistisch wie im Duett - und inniger Gestaltung. So etwa aus "Saul" Davids Bitte "Oh Lord, whose mercies" durch den Countertenor, die rasenden Koloraturen der jungen Mezzosopranistin in "Fly from the threatening vengeance fly" oder Desandres dramatischen Höhepunkt bei "No, no, I'll take no less" aus "Semele". Beispielhaft aus den insgesamt 21 Programmpunkten.

Besinnliche Tongebung, dann wieder unglaubliche Rasanz ist auch dem erst seit vier Jahren bestehenden Jupiter Ensemble zu bescheinigen. Angeführt vom jugendlichen Gründer Thomas Dunford an der Laute bildeten die nur sieben Musikerinnen und Musiker den Klangteppich ebenbürtig zu den beiden Solisten, sensationell agil und ausdrucksstark die junge Konzertmeisterin Louise Ayton. Das Ergebnis ist ein unübliches, dennoch faszinierendes Konzertprogramm, dargeboten auf höchstem künstlerischem Niveau, das beim Publikum Begeisterung und Jubel auslöste.

(S E R V I C E - www.stiftskonzerte.at)

Quelle: Agenturen