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Neue Oper Wien macht neue Musik mit neuer Leitung

Heute, 12:32 · Lesedauer 3 min

Die Neue Oper Wien (NOW) bleibt ihrem Namen treu und wandelt sich weiter: Erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 1994 hat die Institution für zeitgenössisches Musiktheater eine neue Leitung. Anna Sushon und Alexander Kaimbacher übernehmen von Walter Kobera und präsentierten am Dienstag ein Programm, das der Knappheit im Kulturbudget trotzt. Sänger Felix Heuser betonte dabei die Bedeutung der Institution für die Musikstadt Wien aus der Perspektive junger Kulturschaffender.

Die neue Saison steht unter dem Motto "Schichten". Das niederschwellige Format "Hot Spots" bringt die Oper direkt zu den Menschen in Randbezirken, die sonst selten in die Oper kommen. Ebenfalls experimentell zeigen sich die beiden Hauptproduktionen. Musik trifft auf Museum in Oscar Stasnoys "Geschichte", das im Museum für Angewandte Kunst (MAK) zu sehen ist (Premiere am 15. September). Auch Liza Trims "Tree of Codes" (Premiere am 31. Oktober im "Reaktor") spielt mit der Verschiebung von festgeglaubten Grenzen, es geht um Gleichzeitigkeit und Überlagerung verschiedener Erlebnisebenen.

Beide Inszenierungen spielen mit der Auflösung von üblichen Verhältnissen zwischen Darstellern, Orchester und Publikum, was sich auch räumlich abzeichnet. So wird eine Treppe, eine Bibliothek zur Bühne, die Sitzsituation der Zuseher ist gelockert. Die neue Leitung setzt sich heuer zum Ziel, zeitgenössische Musik leichtfüßig und humorvoll zu vermitteln, um neue Gesellschaftsschichten zu erreichen. So obliegt beispielsweise die Gestaltung der Aufführung "Same New Story" ganz den Jugendlichen einer Mittelschule in Favoriten, die von ihrer engagierten Lehrerin und der Neuen Oper Wien als Teil des "Hot Spot" Formats im Prozess begleitet werden.

Geschäftsführer Alexander Kaimbacher richtete einen Appell an die Politik, deren kurzfristige Budgetpolitik kleine Kulturbetriebe jedes Jahr aufs Neue um ihre Existenz bangen lässt: "Diese Institution muss als Sprungbrett erhalten bleiben. Wir haben fantastischen Nachwuchs an unseren Universitäten, aber der braucht auch Orte, um aufzutreten." Sänger Heuser erinnerte: "Wien ist das Zentrum der zeitgenössischen Musik - seit 300 Jahren. Da steht die Neue Oper Wien in einer wichtigen und langen Tradition." Es gehe nicht nur darum, etablierte Werke am Leben zu erhalten, sondern auch darum, diese Tradition als lebendiges Medium fortzuschreiben.

Abseits der großen Häuser brauche es Bühnen, die Raum für das Experiment bieten, um neue künstlerische Entwicklung zu fördern. Eine Stärke der Neuen Musik läge darin, dass sie den Zeitgeist einfängt und so auch Menschen Zugang bieten kann, die nicht klassisch sozialisiert sind, sagte Heuser. Alexander Kaimbacher fasste zusammen: "Wir wollen den Menschen wieder Lust machen auf das Neue. Wie damals bei Verdi, bei Beethoven, als sie darauf gegiert haben, was die wieder Neues gemacht haben."

(S E R V I C E - www.neueoperwien.at )

Zusammenfassung
  • Die Neue Oper Wien erhält mit Anna Sushon und Alexander Kaimbacher erstmals seit ihrer Gründung 1994 eine neue Leitung und setzt die Saison 2024 unter das Motto 'Schichten'.