Musicalerfolg "The Sound of Music" in Baden
Natürlich ist das Stück über die singende Familie Trapp trotz seines weltweiten Erfolgs ein kitschiger, verlogener Schmarren. Vieles entspricht auch nicht der historischen Wahrheit. Aber wenn man die Story vom herzgewinnenden, vom Kloster in den Hafen der Ehe segelnden Kindermädchen (Katharina Gorgi blüht in dieser Rolle auf) so gekonnt präsentiert, verliert das Argument tatsächlich an Bedeutung, und man erfreut sich einfach am bunten Bühnengeschehen.
An Gorgis Seite steht mit Lukas Perman als zunächst unnahbar spröder Kapitän Trapp ein Kapazunder seines Faches, Maya Hakvoort als Mutter Oberin und Chris Lohner (kaum erkennbar mit Perücke) sind weitere namhafte Glanzlichter im Ensemble. Die größten Stars sind selbstverständlich die sieben Kinder, mit Anna Rosa Döller als ältester Tochter.
Für erfreuliche Optik sorgen auch die hervorragende Choreografie von Kim Duddy und die ebenso opulente wie funktionelle Ausstattung von Court Watson. Und auch das Orchester der Bühne Baden mit Michael Zehetner am Pult macht seine Sache hervorragend: Umso unverständlicher angesichts der aktuellen Erfolgswelle (nach "Chess" und "Wicked") erscheint der Plan des Landes NÖ, den Klangkörper aufzulösen. Dieses Haus muss man jetzt vielmehr auf Händen tragen.
Sichtbare Zeitgeschichte: SA-Uniformen im Zuschauerraum
Gergen betont in seiner Inszenierung den zeitgeschichtlichen Hintergrund der Handlung. Die Entwicklung mancher Bühnenfiguren von heimlichen Sympathisanten des Dritten Reichs zu offenen Parteigängern wird sichtbar, die Brutalität des Systems demonstriert. Das Konzert bei den Salzburger Festspielen - wir schreiben 1938 nach dem Anschluss - ist von uniformierten SA-Leuten auch im Zuschauerraum überwacht. Wenn Perman das Lied vom "Edelweiß" anstimmt, gerät es geradezu zu einer Hymne des österreichischen Widerstands, jenseits von naiver Heimatseligkeit.
(Von Ewald Baringer/APA)
(S E R V I C E - Bühne Baden, Stadttheater: Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II, The Sound of Music. Regie: Andreas Gergen. Choreografie: Kim Duddy. Musikalische Leitung: Michael Zehetner. Mit u.a. Katharina Gorgi, Lukas Perman, Maya Hakvoort, Mariella Hofbauer, Anna Rosa Döller, Peter Lesiak, Michael Duregger, Chris Lohner, für die weiteren Aufführungen bis 27. März gibt es Wartelisten. Information: www.buehnebaden.at )
Zusammenfassung
- Das Musical "The Sound of Music" feierte im Stadttheater Baden eine umjubelte Premiere, alle weiteren elf Aufführungen bis 27. März sind bereits ausverkauft.
- Regisseur Andreas Gergen betont in seiner Inszenierung den historischen Kontext rund um den Anschluss 1938, sichtbar etwa durch SA-Uniformen im Zuschauerraum und die Entwicklung einzelner Figuren zu Anhängern des Dritten Reichs.
- Das Orchester der Bühne Baden unter Michael Zehetner wird trotz aktueller Erfolgswelle hochgelobt, steht aber laut Plan des Landes Niederösterreich vor der Auflösung.
