APA - Austria Presse Agentur

Kunsthaus Bregenz setzt 2021 auf queere Kunst

27. Nov 2020 · Lesedauer 4 min

Das Kunsthaus Bregenz (KUB) zeigt 2021 Werke von Pamela Rosenkranz, Anri Sala und Otobong Nkanga. Im Dezember soll die bis März dauernde Ausstellung der beiden WienerInnen Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl eröffnet werden. Das KUB-Team sei "hochoptimistisch", dass das möglich sein wird. Die Vorbereitungen seien so gut wie abgeschlossen, so KUB-Direktor Thomas D. Trummer. Damit wird das KUB-Programm nächstes Jahr queer, musikalisch und postkolonial.

"Dieses Jahr wird sich einschreiben", so Trummer im Jahresrückblick. Die Ausstellungen von Bunny Rogers und Peter Fischli mussten abgebrochen, das Programm umgestellt werden. Anfang Juni eröffnete das Haus die Sonderausstellung "Unvergessliche Zeit". Die viel beachtete Schau, die im Lockdown entstandene Werke zeigte, war mit rund 14.000 Besuchern die erfolgreichste des Jahres. Gerade dieser Zulauf habe gezeigt, wie sehr Menschen Kunst brauchen. "Die Menschen sind durchlässiger geworden für Kunst", sagte Trummer.

Ende 2020 wird das KUB bei vier Monaten Schließzeit voraussichtlich 32.000 Besucher gezählt haben. Damit liege man abzüglich der Schließtage fast auf dem Niveau des Vorjahres, angesichts der Ausfälle in Tourismus und der Bregenzer Festspiele eine "beachtliche Leistung", so Trummer. Sehr erfolgreich habe sich auch der Ausbau der Online-Präsenz erwiesen. Das Land Vorarlberg trug 2,82 Mio. Euro zum KUB-Budget bei, dazu kamen 36.500 Euro Ankaufförderung vom Bund und rund 500.000 Euro Eigeneinnahmen.

Ab 12. Dezember - so es die Situation erlaubt - schicken Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl bis 14. März 2021 "Seasonal Greetings". Das zwischen den Geschlechtern operierende, in Wien lebende Künstlerpaar, bekannt für seine oft schrillen, humorvollen Arbeiten, hat für seine Schau in Bregenz unter anderem eine Eismeer-Nachbildung nach dem Gemälde von Caspar David Friedrich, einen begehbaren Hexensabbat und Cyborg-Subjekte vorgesehen. Parallel dazu zeigt das KUB im Untergeschoß erstmals in Österreich Arbeiten des französischen Fotografen Marcel Bascoulard, der sich selbst in Frauenkleidern porträtierte. Für Trummer "eine Entdeckung".

Im Frühjahr gehört das KUB von 27. März bis 4. Juli der gefragten Schweizer Künstlerin Pamela Rosenkranz, die 2015 die Schweiz auf der Biennale Venedig vertrat. In ihren Arbeiten befasst sich die 1979 geborene Künstlerin mit Düften, Licht, Chemie und Biologie, der Synthetisierung sowie der Frage, was das Menschsein ausmacht. Sie erforsche Dimensionen jenseits des Sichtbaren, die Atmosphäre im KUB komme ihren Arbeiten entgegen, so Trummer über die erste Einzelausstellung in Österreich. Im Untergeschoß zeigt das KUB dazu eine Arbeit des kürzlich verstorbenen Österreichers Lois Weinberger, in dessen Werk wild wachsende Pflanzen eine große Rolle spielen.

Die Sommerausstellung bestreitet 2021 - und damit ein Jahr später als geplant - der in Paris lebende und aus Albanien stammende Anri Sala. Salas Arbeiten, oft Videos, drehen sich um musikalische Phänomene und das Verhältnis von Ton, Raum und Sehen. Musikinstrumente sind in seinen technisch raffinierten Werken Protagonisten. Eines seiner bekanntesten Werke ist "If and Only If", in dem eine Schnecke in poetischer Langsamkeit einen Viola-Bogen entlang kriecht und dabei das Tempo der Musik bestimmt. Im Sommer zeigt das KUB in seinem Sammlungsschaufenster im Postgebäude ausgewählte Grafiken aus der 3.000 Objekte umfassenden Sammlung König-Lebschik, die das KUB als Schenkung erhielt. Ebenfalls ab Juni ist in Kooperation mit den Illwerken auf der Bielerhöhe eine Wasserskulptur des Schweizers Roman Signer geplant.

Von 23. Oktober bis 9. Jänner 2022 präsentiert die aus Nigeria stammende Künstlerin Otobong Nkanga postkoloniale Positionen. Ihre Arbeiten drehen sich um das Absaugen von Ressourcen, die Beziehungen von Mensch zu Land und befassen sich mit Rohstoff- und Warenbewegungen sowie den unsichtbar dahinter stehenden Mächten. Die 1974 geborene, in Antwerpen lebende Künstlerin bereite derzeit eigens für die Ausstellung in Bregenz Wandteppiche vor, so Trummer. Zentrales Thema für ihn ist im KUB 2021 die Sichtbarkeit, angesichts einer sich durch die Pandemie geänderten Haltung zur Welt. Vieles sei nicht zugänglich, das Virus sei unsichtbar, vieles habe man als selbstverständlich wahrgenommen. Für Trummer ist Kunst zentral, um damit umgehen zu können, denn "Kunst macht sichtbar".

(S E R V I C E - Kunsthaus Bregenz (KUB) im Internet unter www.kunsthaus-bregenz.at)

Quelle: Agenturen